Beobachtungsnacht vom 4/5.7.2002

Instrumentarium: - 8" f/6 Meade Starfinder (25mm Plössl, 6,4mm Super-Plössl + UHC)
                                 
Beobachter: Matthias Juchert - Beobachtung auf 52,4° n.B. im westlichen Brandenburg

Bedingungen: 6m2 - Durchsicht gut aber am Horizont recht dunstig - nahezu windstill und daher sehr feucht 


Beobachtung:

Zeit: 1.00 Uhr - 2.30 Uhr

Schon auf der Hinfahrt bot mir die Natur ein reges Schauspiel - ein kleiner Fuchs lief vor dem Auto her - quasi eine kleine Beobachtungsidee für den Abend - Vulpecula (das Füchslein). Da die Dämmerung einfach nicht enden wollte, zunächst einmal eine kleine Einordnung für das bloße Auge, was nach 1 Monat Beobachtungspause auch notwenig ist. Antares funkelte über Süd, Capella als Kontrapunkt über Nord und tief im Westen war auch noch Venus zu erkennen. Sie bot ein gutes Einstiegsobjekt, und tatsächlich - die Eiform wird immer schmaler, und bald haben wir die Halbvenus erreicht. Den Einstieg in den Skorpion bot dann noch Beta Scorpi, der schon bei 50x weit getrennt erschien. Jedoch rüttelte der Wind zu diesem Zeitpunkt noch arg am Tubus. 

Die Doppelstern-Alley im Skorpion

Gegen 23.30 Uhr ging es los mit den ersten Tiefentests. Außergewöhnlicher Weise war Epsilon Scorpi auf einer Deklination von 34,5° auf 3° Horizonthöhe noch deutlich mit freiem Auge sichtbar. Das ist für diese Breite wirklich außergewöhnlich.

Bei der Vorbereitung der Beobachtung waren mir einige helle Doppelsterne tief im Skorpion aufgefallen, die durchaus sichtbar sein könnten bei diesen Bedingungen. Es handelt sich um eine richtige Doppelstern-Alley, die bei Sigma Scorpi beginnt, zu Antares läuft, dann um 90° nach Süden abbiegt, um Stern für Stern auf Xi Lupi hinzulaufen. Diesen Doppelstern hatte ich schon im letzten Monat getrennt. Auch er erreicht hier in Brandenburg nur knapp 4° Höhe.

Sigma Scorpi (DS) 20,0"

Im Starfinder bei 50x einfach getrennt. Der Begleiter hat nur die 9. Größenklasse ist aber dank der Distanz gut zu trennen. Ein schönes Objekt! Den Positionswinkel hatte ich auf etwa 300° geschätzt.

Alpha Scorpi (DS) 2,8"

Nicht getrennt - auch bei 190x nicht - der Starfinder ist leider etwas dejustiert. Zudem war das Seeing in der Region grauenhaft.

H39 (Herschel 39) (DS) 5,2"

Ganz erstaunlich, wie tief W. Herschel von England aus noch Entdeckungen gemacht hat. Bei 50x ist eine sehr knapp auseinander gerissene "8" zu erkennen. Bei 190x bekomme ich das Bild nicht scharf gestellt. Den PW der Komponenten konnte ich immerhin auf ca. 360° schätzen, wobei sie kaum Helligkeitsunterschiede zeigten.

BSO 12 (Brisbane Obs. 12) (DS) 23,2"

Wie im Bezeichner angedeutet von Australien aus entdeckt. Wunderschönes Paar! Sehr hell und ansprechend weit getrennt. Die Sterne haben Helligkeiten von 5m4 und 6m9. Die Auffälligkeit dieses Kontrastes hält sich in Grenzen. Die Farbe des helleren Sternes erschien deutlich gelblich. Positionswinkel etwa 330°.

BSO 11 (Brisbane Obs. 11) (DS) 7,7"

Gesucht aber nicht gefunden - er stand wohl doch schon etwas zu tief.

Hier eine kleine Aufsuchkarte von mir für die Double Star Alley

Das hat wirklich Spass gemacht - wer Doppelsterne liebt, dem wird meine kleine Reiseroute gefallen. Damit war die Einstimmung für den Abend gefunden.

Beobachten auf unter 10° Horizonthöhe

M 6 (NGC 6405) (Oc) (Sco) 4,2mag

5° Horizonthöhe, und was für ein wunderbarer Anblick. Sehr schön aufgelöst in unzählige schwache Sterne, die von mehreren hellen hübsch eingerahmt werden. Der deutlich orangefarbene K0-Riese, der das hellste Haufenmitglied darstellt, fällt deutlich auf. Der Haufen ist sogar im Feldstecher sichtbar und in 5 - 6 Sterne aufgelöst.

M 7 (NGC 6475) (Oc) (Sco) 3,3mag

Bester Eindruck von "hier oben" bisher. Bei 50x mit indirektem Sehen knapp 25 helle Sterne auf über gesichtsfeldgroßer Fläche verteilt. Auffällig ist der zentrale Doppelstern WFC 201 mit 2 Komponenten 6. und 7. Größe in 34" Distanz. Dies sind wohl eher eng in der Sichtlinie stehende Haufenmitglieder. M7 stand so tief, das ich den Haufen problemlos mit Hilfe verschiedener Horizontbäume auffinden konnte! :-)

NGC 6522 (Gc) (Sag) 8,6mag

Trotz der geringen Höhe ein sehr deutlicher Nebel mit konzentriertem hellen Zentrum. Bei der Beobachtung waren die beiden Gamma Sagittari Sterne im Gesichtsfeld.

NGC 6528 (Gc) (Sag) 9,5mag

Dicht bei dem vorherigen. Jedoch sehr _sehr_ schwierig. Das lag einerseits an den 7° Horizonthöhe, aber auch am Objekt. Indirekt ist er nur aufblinkender Weise ab und an zu erhaschen. Schwerig zu halten. Kleiner als NGC 6522.

NGC 6451 (Oc) (Sco) 8,2mag

Interessanter Sternhaufen im Skorpion. Insgesamt als Form eines sich nach Süden zuspitzenden Dreieckes erkennbar. Die Südöstseite und besonders die Südwestseite sind von helleren, in schönen Sternketten angeordneten Sternen gesäumt. Die Nordseite zeigt keine klare Abgrenzung und wirkt recht sternarm. Der Inhalt des Dreieckes wird durch einige sehr schwache Sterne, vermengt mit unaufgelöstem Nebel aufgefüllt. (bei 50x). Etwa 20 Sterne sind insgesamt aufgelöst. Ein schönes Beobachtungsobjekt. Wieso heisst der Haufen "Tom Thumb Cluster"?

Bernard 90 (Dn) (Sag)

Wahrnehmbar - er füllt bei 50x das halbe Gesichtsfeld. Hübsch erscheint die Einrahmung durch einige hellere Sterne.

NGC 6520 (Oc) (Sag) 7,6mag

Brillanter Sternhaufen. Sehr schön kompakt, in einer annährend einem Paralellogram ähnlichen Form. Die hellsten Haufensterne liegen im Süden. bei 50x werden etliche Haufenmitglieder aufgelöst. Indirekt kommen vor allem im Norden noch viele schwache Sterne und Nebel hinzu. Er kontrastiert schön zu Bernard 86. im Westen des Haufens. 

Bernard 86 (Dn) (Sag)

Ein wirklicher Blickfang in einem sehr sternreichen Areal. Er wirkt fast dunkeler als der Himmelshintergrund und wirkt insgesamt etwas oval und unregelmäßig. Sicher einer der schönsten Dunkelnebel.

Trumpler 31 (Oc) (Sag) 9,8mag

Im Teleskop auffälliger als im Digital Sky Surey. Mir fiel eine Nord-Süd ausgerichtete Sternkette auf, die indirekt aus einigen schwachen Mitgliedern bestand. Allerdings war ansonsten keine auffällige Kondensation erkennbar - eher ein unscheinbares Objekt. 

Lange hatte ich schon die tiefstehenden NGC-Kugelsternhaufen im mittleren Sagittarius "Teapot" auf dem Programm. Bei den heutigen Bedingungen sollten diese doch machbar sein. Auch diese Objekte standen weniger als 10° über dem Horizont!

NGC 6624  (Gc) (Sag) 8,3mag

Zusammen mit Delta Sagittari im Gesichtsfeld bei 50x, und damit leicht aufzufinden. Deutlich direkt sichtbarer Nebel mit mäßig hellem Zentrum. Nicht aufgelöst. 

NGC 6569  (Gc) (Sag) 8,7mag

Per indirekter Sicht hell zu erkennen. Ein größerer Kugelsternhaufen. Kein auffällig hellen Zentrum. Insgesamt eine interessante Erscheinung. 

NGC 6558  (Gc) (Sag) 9,3mag

Ziemlich schwierig und sehr Horizontnah. Ich kann aber dann doch sicher mit indirektem Sehen halten. Er ist heller als z.B. NGC 6528.

M 54 (NGC 6715) (Gc) (Sgr) 7,7mag

Ganz anders als die vielen schwächeren Haufen. Trotz 7° Beobachtungshöhe erschien mir ein brillanter, sehr konzentrierter Nebelfleck. Das Umfeld wirkte sehr sternarm. Ein reizvoller Kontrast.

M 70 (NGC 6681) (Gc) (Sgr) 8,1mag

Nicht so hell, aber für 5° Höhe über dem Horizont immer noch heller, als die NGC-Haufen. Keine zentrale Aufhellung. Etwas diffus und größer als M54. Nicht auflösbar.

M 69 (NGC 6637) (Gc) (Sgr) 7,7mag

Wieder heller als M70 aber doch schwächer als M54. Der bekannte unverwechselbare Anblick mit dem hellen Stern im Norden war auch bestens wiederzufinden. Das Zentrum erschien mäßig aufgehellt.

NGC 6652 (Gc) (Sgr) 8,9mag

Zweitsüdlichstes Objekt des Abends bei -33° Deklination. Er stand nur 3° über den Bäumen, und 4,5° über dem theoretischen Horizont! Um so überraschender, das ich ihn doch erkennen konnte. Auch indirekt noch ziemlich schwach - deutlich schwächer und kleiner als der Nahe, als Aufsuchhilfe geeignete M69. Keine zentrale Aufhellung.

Eine kleine Reise durch die Sternwolke M24

Es ist wirklich Atemberaubend, wie viele Sterne sich im Okular versammeln, wenn man M24 bei 50x einstellt. Mein erster Gedanke: Ich brauche ein 40mm Okular! :-) Wie soll man sich denn da zurecht finden? Am besten man nimmt ein kleineres, aber markantes Objekt als Wegweiser.

M 18 (NGC 6613) (Oc) (Sgr) 6,9mag

Der helle Haufen M18 mag solch ein Wegweiser sein. Er besteht aus etwa 15 hellen Sternen, die sich mit wenigen schwächeren Vermengen. Das Objekt ist wenig konzentriert.

Dann bin ich Stern für Stern in Richtung NGC 6603 gehoppt. Dieser Haufen wird oft fälschlicher Weise als M24 bezeichnet. nach meiner Beobachtung bezweifele ich stark, das Messier diesen Haufen gesehen hat. Das stimmt auch mit seiner Beschreibung überein. Er sah die Kleine Sagittarius Milchstraßenwolke - M24. die sah ich ja nun auch, doch wo ist NGC 6603? Auf dem Weg dorthin fiel mir noch ein heller Doppelstern auf.

SHJ 264 (DS) 17,2"

Schön auffällig getrennt bei 50x. Den PW. schätze ich auf 50°. Beide Komponenten sind etwa 7m hell. Was ich getrennt habe, waren die Komponenten A und C. A selbst ist noch einmal ein enger Doppelstern mit nur 0,5" Distanz zum Begleiter. Das konnte ich natürlich nicht nachvollziehen.

Dann war ich auch schon bei NGC 6603 angekommen....

NGC 6603 (Oc) (Sgr) 11,1mag

Was für ein toller Sternhaufen! Im reichen reizvollen Umfeld von M24 liegt auf den ersten Blick ein zarter eingebetteter Nebel. Von der Größe her gar nicht einmal klein. Mit indirektem Sehen beginnt der Haufen zu leben - einige schwache Sterne glitzern vor dem schwachen Nebel. Mit 190x kann vielleicht 20 Sternchen vermuten. Alles sehr ästhetisch! Ein absoluter Prachthaufen!

Weiter ging die Reise durch die Sternwolke....zu 2 Dunkelnebeln.

Bernard 93 (Dn) (Sag)

Insgesamt erschien dieses Dunkelgebiet länglich, aber mit wenig Kontrast zum Umfeld.

Bernard 92 (Dn) (Sag)

Sehr dunkel - auch dieser Dunkelnebel wirkt dunkeler als die Umgebung. Ein sehr schöner Kontrast zur reichen Sternwolke M24.

Den zwischen ihnen gelegenen Sternhaufen Collinder 469 konnte ich nur vermuten, aber nicht identifizieren.

Markarian 38 (Oc) (Sgr) geschätzt 8,5mag

Ganz nette Sterngruppe. Die kompakt stehenden etwa 6-7 helleren Sterne werden bei 190x recht gut getrennt. Die Anordnung wirkt etwas länglich in Nord-Süd-Richtung.

Da nun der Wind stark abgeflaut war, begann der Kampf mit dem Tau, und ich beendete mein Beobachtungsprogramm. Ich warf jedoch noch lange Blicke auf die Objekte des Sommerhimmels.  M8 war mit UHC wunderbar, M20 zeigte wieder ansatzweise seine Dunkelbänder (mit UHC), aber nicht so gut wie bei der letzten Beobachtung, M17 erschien auch ohne Filter schon als schöner Schwan. Und M16 zeigt nur mit Filter den deutlichen Nebelanteil, der quer zur Ausrichtung des Sternhaufens lag.

Auch einige Herbstobjekte wurden schon einmal angehoppt. M15 z.B. der bei 190x nur am Rand aufgelöst war. Oder NGC 6934 - einen sehr kleinen, aber auch sehr hellen Kugelsternhaufen im Delfin. 

Dann verkündete der aufgehende Mond das Beobachtungsende - immer wieder beeindruckend, wie der Mond so knapp über dem Horizont in einer klaren Nacht wirkt. Man kann mit bloßem Auge die Details viel besser ausmachen! Dann bin müde aber zufrieden nach Haus.

Clear Skies
Matthias


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