Beobachtungsnacht vom 1/2.6.2002

Instrumentarium: - 8" f/6 Meade Starfinder (25mm Plössl, 6,4mm Super-Plössl + UHC)
                                    - 2,5" f/13,3 Zeiss Telementor (40mm-H, 25mm-H, 10mm-O, 4mm)

Beobachter: Matthias Juchert

Bedingungen: 

Schon der Tag kündigte sehr gute Bedingungen an. Ich hatte am Nachmittag noch eine kleine Erkundungstour mit dem Rad gemacht, um einen neuen Beobachtungsplatz in der Nähe auszukundschaften (das Getreide auf dem Feld neben meinem gewohnten Beobachtungsplatz ist schon so hoch, das es die Südsicht stark einschränkt. Der neue Platz war wunderbar - Rundumsicht, keine störende Aufhellung (bis auf die Berliner Lichtglocke im Nord-Osten), und einfacher erreichbar war er auch. Da ich hier auf 52,5° n.B im Land der Mitternachtsdämmerung lebe, und die Sonne an diesem Abend um genau 1 Uhr mit 15° unter dem Horizont ihren tiefsten Stand erreichte, war ich schon erstaunt, das ich in Ursa Minor doch eine ausgesprochen gute Grenzgröße von 6m3 erreichte. Die Durchsicht war fantastisch! Die zweitbeste Horizontsicht, die ich je von hier erlebt habe. Das ganze Schauspiel wurde allein durch durchziehende Wolkenfelder getrübt - diese waren nach 1.30 Uhr aber gänzlich verschwunden.


Beobachtung:

Zeit: 22.30 Uhr - 3.00 Uhr

Los ging es mit einer Überraschung - nach dem Aufbauen der Teleskope erkannte ich tief über dem Horizont bereits den Nordteil des Scorpions komplett - bei mäßiger Horizontsicht versinkt sonst schon Pi Scorpi im Dunst.

Meine ersten Beobachtungen galten der Jupiter-Venus-Konjunktion am Abendhimmel. Beide boten ein starkes Schauspiel - Zeit für einige Fotos mit verschiedenen Brennweiten. Den Abstand der beiden Planeten schätzte ich auf 2 Grad. Der Zeiss-Refraktor bot dann einige schöne Anblicke - es hatte sich also gelohnt, das Auto bis zum Rand voll zuladen. Io ging gerade vor Jupiter vorüber - alle anderen 3 Monde waren aber beobachtbar. Der Planet war schon sehr klein - bei 84x waren kaum mehr als die 4 deutlichsten Bänder wahrnehmbar. Venus erschien mir immer noch in winziger Ei-Form. Sie kommt der Erde erst allmählich näher. 

Da es einfach nicht dunkel werden wollte, dann ein Blick auf die helleren Doppelsterne.

Alpha Geminorum - bei 84x dreifach getrennt, wobei Castor C wegen der Dämmerung noch schlecht zu erkennen war.

Gamma Leonis - getrennt bei 84x. Sehr schöner Farbkontrast, und auch leichter Helligkeitskontrast der Komponenten

Alpha Librae - getrennt mit bloßem Auge, aber nur knapp bei einer Distanz von 3' 51".

Beta Scorpi - einfach trennbar bei 21x - zwei blau-weisse-Sterne mit deutlichem Helligkeitskontrast

Zeta Ursae Majoris - ebenfalls einfach bei 21x - auch ein ganz ähnlicher (schöner) Anblick

Epsilon Lyrae - bei 84x sind beide deutlich im 2,5"er getrennt und zwar mit Zwischenraum - einer der beiden ist etwas schwieriger

Beta Cygni - Albireo zeigte besonders bei 34x schön seine Farben - ein echt schönes Exemplar von einem DS


Jetzt war es schon fast 23.30 Uhr, und immer noch nicht richtig dunkel - trotzdem sollte die Deep-Sky-Session mit dem 8-Zoller beginnen.

M 13 (NGC 6205) (Gc) (Her) 5,9mag

Einfach im Sucher als heller "Ball" zu erkennen. Später war der Nebel einfach mit freiem Auge hoch am Himmel zu erkennen. Bei 190x auf jeden Fall gut aufgelöst - viele Sterne am Rand aber auch schon im Zentrum - insgesamt recht stetiger Helligkeitsanstieg.

M 5 (NGC 5904) (Gc) (Ser) 5,8mag

Heute viel schöner, als M13. Eine bei 190x ausgedehnte Außenpartie mit vielen aufgelösten Sternen. Dann ein sprunghafter Helligkeitsanstieg zum sehr hellen Zentrum, das nicht ganz so gut aufgelöst erscheint.

NGC 5897 (Gc) (Lib) 8,6mag

Sehr dezente schwache Aufhellung mit mittlerer Größe. Man braucht eine Weile, bis man den Cluster bei leichter Aufhellung aus dem Sternfeld heraus arbeitet. Das Zentrum ist sehr schwach aufgehellt. Insgesamt ein sehr diffuser Kugelsternhaufen.

Dann war die Zeit gekommen, ein neues Sternbild kennen zu lernen - den Wolf (Lupus), der sehr tief steht und nur mit seiner nördlichsten Partie über meinen Horizont kommt. Christian Schreiner hat vom Bayrischen Wald aus schon den kleinen Kugelsternhaufen NGC 5834 beobachtet - ich habe von hier keine Chance - das Objekt steht einfach zu tief. Aber dafür habe ich im Karkoschka noch einen sehr verlockenden Doppelstern - nämlich Xi Lupi entdeckt, und dieser sollte nun mein neuer südlichster Doppelstern werden - er verdrängte mit -33,97° Dekl. sogar 3 Centauri von seiner Position den ich im Winter von Österreich aus beobachtet hatte.

Xi Lupi (DS) 10,2"

Bei 50x im Starfinder überhaupt kein Problem - das ist eine Überraschung. Und das nur 3° über dem Horizont!! Natürlich schlug das Seeing etwas zu bei dieser Höhe, und der DS wabberte durchs Gesichtsfeld, aber wie gesagt - die Trennung der beiden hellen Sterne gelang ohne weiteres. Die Sterne zeigten einen geringen Helligkeitskontrast bei einem PW von ca. 45°.

M 4 (NGC 6121) (Gc) (Sco) 5,9mag

Den habe ich schon deutlich besser gesehen. Schon bei 50x deutlich aufgelöst - bei 190x schon fast verstreut wie ein offener Haufen. Die Balkenstruktur war deutlich, aber die schwachen Sterne waren einfach nicht zu erkennen.

Weiter ging es mit der Globular Jagd in den reichsten GC-Grund am Himmel - den Ophiuchus.

M 10 (NGC 6254) (Gc) (Oph) 6,6mag

Ein guter Durchschnitts-GC unter den helleren. Insgesamt ziemlich rund, mit stetigem Helligkeitsanstieg zum Zentrum. Bei 190x deutlich bis ins Zentrum aufgelöst. Nett.

M 12 (NGC 6218) (Gc) (Oph) 6,6mag

Diesen Haufen kann man in 3 Abschnitte gliedern - 1. die schöne Einrahmung durch einige helle Sterne in den Außenbereichen, dann 2. nach innen ein Gebiet mit helleren auch noch recht locker angeordneten Sternen, and die dann 3. die doch recht kondensierte Kernregion anschließt, die nicht so leicht aufzulösen ist. Interessantes Objekt.

M 14 (NGC 6402) (Gc) (Oph) 7,6mag

Ein ganz anderes Bild. Ovaler etwas schwächerer Nebel - im Ganzen doch recht hell, aber sehr homogen in der Helligkeitsverteilung. Kein aufgehelltes Zentrum. Auch bei 190x keine Auflösung.

NGC 6366 (Gc) (Oph) 10,0mag

Sehr schwach und nur indirekt zu beobachten - da aber dann ohne Probleme. Dicht westlich befinden sich 2 Sterne 11.Größe. Ziemlich klein mit nur mäßig hellem Zentrum.

IC 1257 war beim besten Willen nicht zu erfassen. Da Wolken aufkamen schnell der Rückzug in den Skorpion.

M 80 (NGC 6093) (Gc) (Sco) 7,2mag

Sehr kleiner heller Gc, der sowohl bei 190x als auch bei 190x nicht aufzulösen war. Es blieb einzig und allein ein griesiger Anblick. Viele helle Sterne säumen die Umgebung des Haufens.

M 107 (NGC 6171) (Gc) (Oph) 8,1mag

Vergleichsweise schwacher Messier-Kugelsternhaufen. Er ähnelt im ganzen etwas M14, ist jedoch noch schwächer. Bei 190x wirkt der Haufen langsam granulär.

NGC 6384 (Gx) (Oph) 10,4mag

Sehr ungewöhnliche Galaxie recht nahe am galaktischen Äquator. Indirekt deutlicher ovaler Nebel mit schwachem Zentrum. Die Umgebung ist sehr sternreich - einige Sterne scheinen auf die Galaxie hinauf projiziert, was die Beobachtung etwas beeinträchtigt.

NGC 6369 (Pn) (Oph) 11,0mag

Eines der letzten mir noch fehlenden Karkoschka-Objekte. Ich hatte mich in der Größeangabe vertan, und einen großen Pn erwartet. So habe ich dann bei 50x ohne Filter gesucht und gesucht...dann den UHC versucht. Moment einmal - da ist doch eine kleine graue Scheibe, die jetzt heller wirkt. Diese hatte ich für einen Stern gehalten. Das Objekt wirkte bei dieser Vergrößerung wie eine Mini-Version von M57, wobei ich mit 50x und UHC einen winzigen Ring mit leicht dunklerem Zentrum erkennen konnte.

M 9 (NGC 6333) (Gc) (Oph) 7,9mag

Einer der kleineren Messier-Kugelsternhaufen. Bei 190x gerade auflösbar am Rand. Recht heller Zentralbereich.

Der Starhopp zu den beiden Nachbarsternhaufen macht Spass!

NGC 6342 (Gc) (Oph) 9,9mag

Der schwächere "Begleiter" von M9. Recht schwach und ziemlich klein. Gerade direkt zu erkennen.

NGC 6356 (Gc) (Oph) 8,4mag

Der hellere Kompanion von M9. Er wirkt fast genau so hell wie der Messier-Haufen, ist aber deutlich kleiner. Der Helligkeitsanstieg zum stark kondensierten Zentrum ist fast sprunghaft.

NGC 6287 (Gc) (Oph) 9,2mag

Recht hell, direkt noch gut zu beobachten, klein, und wiederum stark zum hellen Zentrum kondensiert. Dieser Typus von Kugelsternhaufen scheint im Ophiuchus weit verbreitet zu sein.

NGC 6235 (Gc) (Oph) 10,2mag

Nur per indirekter Sicht ein kleiner diffuser Nebelfleck, nett eingerahmt von einigen Sternen im Osten.

NGC 6284 (Gc) (Oph) 9,0mag

Sehr kleiner deutlich direkt erkennbarer Nebelfleck, ohne Auflösungsmöglichkeit. Aber schön hell - ein einfaches Objekt für den Starfinder.

M 19 (NGC 6273) (Gc) (Oph) 7,2mag

Nach all den kleineren Nebelchen wieder eine willkommene Abwechselung. Sehr groß, sehr hell und knapp aufgelöst bei 190x. Die angeblich ovale Form fiel mir nicht auf. 

Anmerkung: Dieses Objekt steht in Brandenburg nur 11° über dem Horizont! Deklination -26°! Aber wie tief geht es heute noch?

NGC 6293 (Gc) (Oph) 8,2mag

Und noch ein kleiner aber heller, stark zum Zentrum verdichteter Kugelsternhaufen im Ophiuchus. Keine Auflösung möglich, da zu kompakt.

NGC 6316 (Gc) (Oph) 9,0mag

Nur noch 9° Horizonthöhe da -28° Deklination. Ziemlich lichtschwach, klein und diffus. Knapp mit direkter Sicht zu erfassen. Mit indirekter Sicht erscheint dicht bei ihm ein deutliches 11m-Sternchen.

M 62 (NGC 6266) (Gc) (Oph) 6,6mag

Sehr hell, und ganz ähnlich dem nördlicheren M 19. Nicht auflösbar. Sehr helles Zentrum. Vielleicht etwas kleiner als M19. Deklination tiefer als -30° also Horizonthöhe zur Beobachtungszeit um die 7°!

NGC 6304 (Gc) (Oph) 8,4mag

Recht diffus erscheinender Haufen mit nicht so hellem Zentrum. Liegt vielleicht an dem tiefen Stand, nur wenig höher als M 62! Der Haufen erscheint etwas größer als die anderen zentral stark verdichteten.

Tr 26 (Oc) (Oph) 9,5mag

Schwach erkennt man einen größeren Nebelfleck, der scheinbar von einigen verstreuten helleren Sternen verziert wird. Genaue Details sind aufgrund der Dämmerung und dem niedrigen Stand kaum mehr zu beobachten.

Dann habe ich noch etwas die Milchstraße genossen. Sogar die Große Sagitarius-Milchstraßenwolke war sichtbar, und das ist selten auf dieser Breite. Die kleine Wolke M24 war gut als abgegrenzter Nebel zu sehen. M8 war extrem gut mit bloßem Auge erkennbar. Er erschien als heller Nebelbalken. Im Teleskop war er traumhaft strukturiert mit dem UHC-Filter. Besonders die Form des Stundenglasnebels wurde schon bei 50x erkennbar. 

Ohne den Filter herauszudrehen schwenkte ich den 8-Zoller noch auf M20 und siehe da - auch hier ein Wunder. Sonst war dieses Objekt von hier sehr schwer, nun erkannte ich sogar die Dreiteilung. In Österreich habe ich diese sogar als Vierteilung wahrgenommen aber von hier...!!!

Deep-South

Das machte Mut zu den letzten verwegenen Versuchen - die Dämmerung lässt sich ja bekanntlich hier oben im Sommer Zeit. :-) So habe ich mit dem Refraktor die Suche nach den südlichen Skorpion-Haufen dicht über den Bäumen begonnen. Und von Gamma Sagittarii fand ich ihn dann....

M 6 (NGC 6405) (Gc) (Oph) 4,2mag

5° Horizonthöhe, und der kleine Zeiss hat den Schmetterling doch gefunden. Was sind das für Bedingungen!! Top! Der 2,5" zeigt mit etwa 15 Sterne - nicht schlecht. Was meint der 8"? Prächtig. Bestimmt über 30 Sterne, die ich spontan auf mein Beobachtungspapier kritzele. Ich habe diese jetzt am PC nochmals neugestaltet.

Indirekt waren Sterne bis 11mag zu erkennen. Das spricht deutlich für den Himmel.

Nun habe ich schon seit langem die Herausforderung M7 von hier oben auch mal zu beobachten. Wie stehen den die Chancen bei 2,5° Horizonthöhe?! :) Also M83 hab ich bisher wirklich in vielen Nächten probiert und sie war von 52,5° n.B. einfach nicht zu holen. Keine Chance, aber M7 könnte doch klappen. Also suchte ich die hellen Sternketten, die mich zu dem Haufen leiten sollten - und fand sie!

Zwei helle Ketten von 6m und 7m-Sternen münden von Norden in den Haufen - sie waren zu verfolgen bis direkt ans Haufenzentrum heran. Doch davon blieb nichts mehr übrig - eine ferne Wolke "lag im Weg". Zeitweise konnte ich jedoch einen schwachen Schimmer einer Sternverdichtung erkennen - das gelang am besten im Zeiss bei 21x. Also ist M7 von hier beobachtbar - nicht wirklich gut, aber es ist machbar! Man braucht nur eine exzellente Nacht mit bester Horizontsicht, ein niedrig vergrößerndes Teleskop und einen freien Horizont.

Sicher - von Schleswig-Holstein kann man den vergessen, aber in den südlichen Bereichen des Norddeutschen Tieflandes kann man M7 beobachten!

Mit diesem krönenden Abschluss, macht ich mich an das abbauen. Der Mond war gerade aufgegangen, und die Sicht war so gut, das er dicht über dem Horizont ganz deutlich und scharf zu erkennen war. Die Morgendämmerung war bei diesem Himmel ebenfalls traumhaft. Wunderbare Farben von tiefblau über leichtes grün bis hinein ins tiefrot, begleiteten mich auf meiner Heimreise....

Clear Skies
Matthias


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