Beobachtungsnacht vom 31.3/1.4.2005

Instrumentarium: - 8" f/6 MEADE Starfinder EQ
                                 
Beobachtungsort:
Mittelmark/Brandenburg 52°19' n.B - 50m Meereshöhe

Bedingungen: Kaum zu glauben aber der März stellte zum Abschied noch eine hervorragend abgepasste Schönwetterphase in Aussicht, die tagsüber durchweg blauen, und nachts klaren Himmel. Zwar war der Himmel nicht extrem klar (typisch für eine Hochdruckwetterlage) und Potsdam meldete nur 30km Sichtweite (an extrem klaren Tagen 60km), aber auf dem Feld konnte ich die Grenzgröße zu 6m6 bestimmen. Der tiefe Horizont schien etwas dunstig, aber ab dem Sextant aufwärts lohnten sich auch schwierige Ziele. Die Temperatur sank auf Werte um den Gefrierpunkt - zum Glück schlief der Wind fast vollständig ein.


Beobachtung:

Zeit: 21.40 Uhr - 02.00 Uhr MEZ

Ich hatte einen großes Bündel Aufsuchkarten dabei, und entschied mich für eine bunte Mischung. Los gings im Sextanten mit einem außerordentlichen schwierigen Einstiegsobjekt.

UGCA 205 (Gx) (Sex) 12,3Bmag

= Sextans A. Ein wirklich brutal schweres Objekt! Auch im zweiten Anlauf bei guten Bedingungen zunächst unsicher. Erst nach längerem Betrachten fällt bei 126x indirekt aufblitzend, ein schwacher Schimmer direkt südlich eines 11m7-Sterns auf. Ein kaum mehr wahrnehmbarer Teil des Nebels erscheint südwestlich dieses Sterns. Die Ausdehnung scheint bei dieser vergleichsweise starken Vergrößerung gering. Kehrt man zu 50x zurück kann man in einigen seltenen Momenten die tatsächliche Ausdehnung des Nebelschimmers erahnen.

Galaxienjagd zwischen Kappa und Lambda Draconis

Zwischen Kappa und Lambda gibt es einige interessante Objekte zu entdecken - unter anderem die phänomenale NGC 4236. Zudem beobachtet es sich in der Region durch die hohe Deklination recht entspannt - das heißt man muss seltener nachführen. Mehr als genug Gründe, hier mal auf die Jagd zu gehen...

NGC 4236 (Gx) (Dra) 10,1mag

Diese Galaxie ist ein echter Kracher. Auf den ersten Blick schnell übersehen, erschlägt sie den Beobachter mit ihrer gigantischen Größe! Allerdings ist es auch eine recht lichtschwache Galaxie, die am besten indirekt gesehen werden kann. 50x bietet den besten Gesamteindruck. Das Objekt erscheint langgestreckt, jedoch auch relativ breit, so das es sich nicht um eine Kantenlage handeln dürfte. Während der Südteil eher schwach ausgeprägt, erscheint der Teil vom Zentrum in Richtung Norden deutlicher. Das längliche Zentralgebiet ist relativ schwach aufgehellt. Die HII-Regionen sind nicht besonders einfach erkennbar. Der deutlichste Knoten befindet sich im Nordteil an der Westkante der Galaxie. Der Knoten ist deutlich flächig und strukturiert. Ich meinte, eine Herzform zu erkennen. Direkt östlich scheint ein weiterer, extrem schwacher Knoten aufzublitzen. Im Südteil der Galaxie ist ebenfalls nur ein sehr schwacher, kleiner Knoten erkennbar. 

Anm.: Die Zeichnung wurde in der darauffolgenden Nacht vervollständigt.

[ NGC 4236 - Zeichnung bei 50x und 98x am 8" Newton - Matthias Juchert ]

NGC 4120 (Gx) (Dra) 13,5mag

NGC 4120 befindet sich nur 3' südlich eines 9m4-Sterns. Die Galaxie erscheint recht schwach, ist aber indirekt einfach und für 13m5 überraschend deutlich erkennbar. Schon bei Aufsuchvergrößerung von 50x gelingt dies, aber 126x gibt freilich den besten visuellen Gesamteindruck. Die längliche Form sowie das recht helle Zentrum sind auffällig. Hin und wieder meine ich, eine leicht wellige Oberflächenstruktur wahrzunehmen.

NGC 4250 (Gx) (Dra) 11,9mag

Hier zeigt sich schon bei 50x eine recht helle, direkt sichtbare Galaxie mit durchschnittlicher Ausdehnung. Mit 126x wird die 2:1 Elongation des ovalen Halos in Nord-Süd-Richtung deutlich. Der sehr helle Kern ist bei dieser Vergrößerung sehr dominierend und erinnert eher an einen helleren Stern.

NGC 4128 (Gx) (Dra) 11,9mag

NGC 4128 ist eine William Herschel Entdeckung vom 6.4.1793. Die relativ kleine, aber helle Galaxie ist bereits bei 50x einfach und auffällig erkennbar. Auffällig ist auch die elongierte Form mit den relativ spitzen Enden, sowie ein sehr heller, fast stellarer Kern. Weitere Details lassen sich dem Objekt allerdings nicht entlocken. Der sehr schwache Begleiter NGC 4128A findet sich 2' nordwestlich. In der Umgebung findet sich eine auffällige Sternkonstellation aus 4 hellen Sternen.

NGC 4128A (Gx) (Dra) 15,0mag

Nur 2' nordwestlich der hellen Hauptgalaxie NGC 4128 erscheint dieser kleine Begleiter bei 126x als extrem schwaches Nebelchen. Es ist nur mit indirekter Sicht in günstigen Momenten zu erhaschen, und erscheint sehr klein, jedoch eindeutig flächig. Das Sternfeld hilft bei der Verifikation.

NGC 4034 (Gx) (Dra) 13,6mag

NGC 4034 ist eine sehr schwierig wahrnehmbare Galaxie mit geringer Flächenhelligkeit. Bei 126x zeigt sich als ovaler, leicht in Nord-Süd-Richtung elongierter Schimmer ohne deutliches Zentrum. 

NGC 3961 (Gx) (Dra) 13,5mag

Diese kleine Spirale findet sich in einer besonders finsteren Gegend ohne all zu viele Feldsterne. Bei 126x erscheint das Objekt zwar schwach, lässt sich aber trotz der fehlenden Aufsuchsterne noch halbwegs gut indirekt erkennen.  Mehr als ein rundlicher, relativ gleichmäßiger Nebel zeigt sich allerdings nicht. 

NGC 3879 (Gx) (Dra) 13,0mag

NGC 3879 erscheint bei 126x als sehr schwacher, beinahe geisterhafter Nebelstreif bei zwei 12m-Sternen, die einen durchaus interessanten Gesamteindruck bieten. Der Nebel ist klein und stark elongiert - es handelt sich wahrscheinlich um eine Galaxie in Kantenlage.

NGC 3735 (Gx) (Dra) 13,0mag

NGC 3735 ist eine große, recht helle und auffällige Galaxie in einem interessanten Sternfeld. Sie ist bereits bei 50x kaum zu übersehen, und zeigt bei 126x einen mindestens 3:1 elongierten, doch recht breiten Halo. Bis auf ein helles, leicht nach Süden verschobenes Zentrum sind allerdings keine Feindetails erkennbar.

Ein ehrfürchtiger erster Blick auf den Coma Haufen

Der Coma Haufen (Abell 1656) - nicht zu verwechseln mit dem Coma Sternhaufen (Melotte 111) - ist einer etwa 300 Millionen Lichtjahren entfernter Galaxienhaufen, der als reichster Jagdgrund dieser Art am Himmel gilt. Die Galaxiendichte übertrifft aufgrund der größeren Entfernung die des Virgo Haufen um das Vielfache. Allerdings sind abgesehen von den beiden Giganten NGC 4874 und NGC 4884 vornehmlich schwache und sehr schwache Beobachtungsobjekte vertreten. Allein das DSS-Bild sorgt sofort für die nötige Ehrfurcht, und so habe ich mich lange um den Schritt zur Beobachtung dieses Haufens herumgedrückt. Doch heute Nacht war es an der Zeit...

Erste Eindrücke: Dank seiner markanten Position ist das Feld des Haufens nach ein bis zwei Beobachtungen ganz ohne Karte zu finden. Das Dreieck heller 7-8m Sterne ist die Markierung die bei der Suche hilft, aber die Beobachtung erschwert. Auf den ersten Blick sieht man bei 50x zwei recht einfach sichtbare Nebel (NGC 4874 + 4884) die wie zwei Augen in der Dunkelheit leuchten. Der Wechsel auf 126x und ein zweiter Blick zeigen sofort, was die Faszination ausmacht. Hier hat man wirklich das Gefühl, ein Gesamtobjekt vor sich zu haben! Die beiden riesigen Ellipsen leuchten vor einem gemottelten Hintergrund. Und wenn man dann so eine Weile ins Okular schaut, passiert es - HILFE - überall schwache Galaxien. Zu schwach für den 8", um sie direkt zu erfassen. Ich muss erst mal wieder vom Okular weg - meine Augen flimmern im Angesicht dieser Masse von Details. Dann kurz das Gefühl verdauen, und rein ins Vergnügen....

NGC 4884 = NGC 4889 (Gx) (Com) 11,5mag

Dies ist die hellere der beiden dominierenden elliptischen Riesengalaxien im Coma Haufen. Sie ist trotz des hellen Feldsterns bereits bei 50x einfach sichtbar, und erscheint bei 126x als recht heller, recht großer Nebel mit einem deutlichen ovalen Kern im ebenfalls ovalen Halo. Mit indirekter Sicht blitzen im direkten Umfeld der Galaxie etliche schwache Objekte an der Wahrnehmungsgrenze auf. 

W. Herschel ist Erstentdecker der Galaxie, woraus der Eintrag NGC 4889 resultiert. Später wurde das System noch einmal durch D'Arrest aufgefunden, woraus sich die erneute Verzeichnung im NGC unter der Bezeichnung NGC 4884 ergibt.

NGC 4874 (Gx) (Com) 11,9mag

NGC 4874 ist die zweithellste Galaxie des Coma Haufens. Sie ist bei 50x trotz des störenden 7m-Sterns 6' nördlich einfach sichtbar. Bei 126x erscheint das Objekt merklich schwächer als NGC 4884, ist aber direkt sichtbar. Der recht helle Kern befindet sich in einem rundlichen, mittelgroßen Halo. Viele schwache Galaxien nahe. 

IC 3998 (Gx) (Com) 14,6mag

Zwischen NGC 4874 und NGC 4884, aber etwas dichter bei NGC 4874. Die Galaxie ist bei 126x nur sehr schwach erkennbar, und zu etwa 40% der Zeit indirekt zu halten.

NGC 4865 (Gx) (Com) 11,9mag

Nur 3' nordwestlich eines störenden 7m-Sterns. Trotzdem ist die Galaxie bei 126x nicht schwierig erkennbar - selbst wenn der Stern zentral im Gesichtsfeld steht! Das Objekt erscheint als schwacher, aber deutlicher ovaler Nebel. 

NGC 4860 (Gx) (Com) 11,9mag

Schwieriger erkennbar als NGC 4865. Sehr schwach und indirekt nicht dauerhaft zu halten. Das Objekt zeigt eine rundliche Form mit einem etwas helleren Zentrum. Der Begleiter NGC 4858 bleibt jenseits meiner Möglichkeiten. 

Das sollte als als Vorgeschmack für die nächsten Nächte reichen. Zum Abschluss zeichnete ich noch Melotte 111 mit bloßem Auge und konnte etwa 16 Sterne erkennen, was sich gut mit der bestimmten Grenzgröße deckt. Dann kroch mir die Kälte aber in die Füße, und ich beendete diese schöne Nacht. Der Wetterbericht auf ließ gutes für die nächsten Tage hoffen, so dass diese Nacht wohl garantiert eine Fortsetzung bekommt. 

Clear skies
Matthias


* Visual Deep Sky Observing and CCD-Imaging: www.Serifone.de -- Contact: matthias.juchert@serifone.de *