Instrumentarium:
- 8"
f/6 MEADE Starfinder EQ
Beobachtungsort:
Mittelmark/Brandenburg 52°19' n.B - 50m Meereshöhe
Bedingungen: Nach einem herrlichen Herbstabend, voller tiefblauem Himmel und goldgelb in der Abendsonne leuchtenden Blättern, brach eine der klarsten Nächte dieses Jahres an. Bei exzellenter Durchsicht und einer Grenzgröße von 6m9 im Pegasus war selbst M 33 nicht all zu schwierig mit bloßem Auge erkennbar. Sogar die 2:1 Elongation war einwandfrei sichtbar. Vom kräftigen Wind des Tages war fast nichts mehr zu spüren. Insgesamt war es relativ frisch, aber dank des tollen Himmels doch sehr erträglich.
Beobachtung:
Zeit: 00.30 Uhr - 03.00 Uhr MESZ
Nach einem langen Tag, und einem ebenfalls langen Abend, erfordert es schon einiges an Kondition, sich dann auch noch aufzuraffen, und zum Beobachten raus zufahren. Der tolle Himmel machte die anfängliche Müdigkeit schnell vergessen. Karten brauchte ich mir auch nicht groß zurecht legen - alles klemmte noch von den letzten Nächten in meiner Beobachtungsmappe. :-) So wurde diese Nacht dann auch eine Fortsetzung der Beobachtungen vom 10/11.10.04, bei denen ich zwei Galaxiengruppen in der Andromeda besucht hatte.
Die NGC 80-Gruppe - Teil 2...
Bei meinen letzten Beobachtungen dieser Gruppe, hatte ich mit dem 8" bereits NGC 79(etwas unsicher), 80, 83, 85, 86, 90, 93 und IC 1546 identifiziert. Weitere Objekte konnte ich aufgrund der geringen Grenzgröße (12m) meiner ersten Aufsuchkarte nicht finden. In dieser Nacht hatte ich dann Sterne bis 14m5 nachgetragen, womit wirklich alle machbaren Objekte auch auffindbar sein sollten. Nach kurzer Orientierung waren alle bisher gesehenen Objekte wiederentdeckt, und ich konnte mich an die verbleibenden, durchweg schwierigen Galaxien machen.
NGC 96 (Gx) (And) 14,6mag
Fast genau zentrisch zwischen zwei 14m-Sternen zu finden. Die Galaxie ist sehr
schwach, und bei 126x nur phasenweise indirekt zu erfassen. Wenn man sie dann
aufblitzen sieht, wird man die recht hohe Flächenhelligkeit bemerken. Vom
aufgehellten Zentrum zieht sich die Aufhellung bis in die Außenbereich des
kleinen, rundlichen Halos.
*Versuche an NGC 94 endeten mit einem eindeutigen Ergebnis - definitiv nicht gesehen.*
NGC 79 (Gx) (And) 14,0mag
Dank einem markanten Paar von 13m5-Sternen in 2' Distanz, die sich
nordöstlich von NGC 79 befinden, ist die Galaxie heute eindeutig auffindbar.
Sie erscheint bei 126x zwar schwach, und indirektes Sehen ist notwenig. Dabei
ist sie jedoch dauerhaft zu halten. Die Galaxie zeigt sich als kleiner,
rundlicher Nebel mit deutlich hellerem Zentralgebiet.
IC 1542 (Gx) (And) 14,2mag
IC 1542 ist eine der schwächsten Galaxien, aber mit Hilfe der Position von
NGC 79 und zwei schwachen Sternen eindeutig zu lokalisieren. Die Galaxie
blinkt indirekt immer wieder auf, und erscheint dann sehr schwach. Die Form
und ein eventueller Positionswinkel ihrer Elongation sind jedoch nur schwierig
feststellbar. Besondere Aufhellungen sind nicht erkennbar - das Objekt
erscheint weitestgehend gleichmäßig.
Abschließend etwas Beobachtungsstatistik zu dieser Gruppe. Von den 16 Einträgen aus dem NGC/IC, die sich hier zusammenfinden (nennenswerte non-NGC/IC-Galaxien sind nicht vorhanden) sind 12 "echte" Deep-Sky-Objekte. Die Einträge NGC 82, 84 und 91 verweisen auch schwache Sterne, die bei ihrer Entdeckung für Nebel gehalten wurden. IC 1547 ist momentan als "not found" gelistet, stellt aber eventuell eine Identität von IC 1546 dar. Von den 12 existenten Objekten konnte ich mit dem 8" immerhin 10 beobachten. Einzig die wirkliche schwache NGC 81 (15m7) sowie die Doppelgalaxie NGC 94 1/2 (14m6/15m5) blieben unerreichbar, und erfordern eindeutig mehr Öffnung.
Der Pfad von Tau Psc zur NGC 383-Gruppe
Als nächstes Ziel hatte ich die NGC 383-Gruppe auf dem Plan. Von meinem Aufsuchstern Tau Psc, war es ein weiter Weg, auf dem ich gleich noch einige nette Galaxien mitnehmen konnte.
IC 1654 (Gx) (Psc) 13,4mag
IC 1654 ist eine, der vielen Entdeckungen die Javelle dem IC-Katalog
hinzufügte. Die Galaxie liegt nur 3' südöstlich des 9m-Sterns SAO 74587 und
ist daher einfach zu finden. Allerdings handelt es sich um ein schwaches
Objekt mit geringer Flächenhelligkeit, so daß mir 50x und 98x fast
günstiger erschienen, als 126x. Im Südwesten scheint der ovale Nebel ein
wenig heller zu sein.
IC 1659 (Gx) (Psc) 13,2mag
Diese Galaxie ist zwar etwas heller, als
die 15' südwestlich befindliche Nachbargalaxie IC 1654, jedoch wirkt sich ihr
umgebendes Sternfeld auf die Sichtbarkeit aus. IC 1659 ist direkt zwischen
einer Sternkette und einigen helleren Sternen im Süden eingebettet, so daß
man bei niedriger Vergrößerung nicht sicher ist, nur schwache Sterne oder
doch schon die Galaxie zu sehen. Bei 126x ist der schwache,
gleichmäßig-rundliche Nebel dann aber eindeutig erfassbar.
*Dann kam ich zu einem sehr netten Paar von Galaxien, daß ich trotz seiner Lichtschwäche nur weiterempfehlen kann! Auf den ersten Blick meint man, eine "gespiegelte Galaxie" vor sich zu haben, den in gleichem Abstand von einem 10m4-Stern ist beidseitig ein Nebel erkennbar. Erst bei der Detailbeobachtung werden die Unterschiede unübersehbar.*
NGC 452 (Gx) (Psc) 13,5mag
Bildet zusammen mit NGC 444 ein, auf den
ersten Blick fast an einem 10m4-Stern gespiegeltes, Galaxienpaar. NGC 452 ist
die deutlich hellere, der beiden Galaxien, und ist bei 126x zwar recht
schwach, aber phasenweise sogar direkt sichtbar. Der Nebel ist deutlich langgestreckt,
und ansatzweise scheint das Zentrum der Galaxie etwas strukturiert
NGC 444 = IC 1658 (Gx) (Psc) 14,2mag
Bildet zusammen mit NGC 444 ein, auf den
ersten Blick fast an einem 10m4-Stern gespiegeltes, Galaxienpaar. Bei 126x ist
die Galaxie indirekt als sehr schwacher, länglich-ovaler Nebel erkennbar,
wobei die Elongationsrichtung aufgrund der Schwäche des Objekts kaum sicher
festzustellen ist.
Die Bezeichnung IC 1658 beruht auf Javelle, der trotz Erstentdeckung durch Lord Rosse, die Galaxie noch einmal katalogisierte.
NGC 420 (Gx) (Psc) 12,2mag
NGC 420 ist eine recht unspektakuläre
Galaxie, die zusammen mit einem 8m3-Stern und dem hellen Doppelstern STF 98
(Distanz 19,6") ein Dreieck bildet. Bei 126x zeigt sich zwar ein
deutlicher, aber insgesamt doch schwacher, rundlicher Nebel mit hellem
Zentralgebiet. Kurioserweise entdeckte Herschel dieses Objekt als Doppelnebel,
woraus auch der zweite Eintrag NGC 421 resultiert. Dieser vermutete Nebel ist
jedoch nicht existent, und eventuell identisch mit einem schwachen Stern.
Herantasten an die NGC 383-Gruppe
Nun war das letzte Ziel des Abends mit der NGC 383-Gruppe erreicht. Allerdings hatte ich mit dem Taubeschlag meines mittlerweile eiskalten 9,7mm-Okulars zu kämpfen, welches für die Beobachtung der Gruppe notwendig war. Auch die Müdigkeit kam nun langsam, aber sicher zum tragen. Da die NGC 383-Gruppe aufgrund ihrer Mitgliederzahl wohl ein Objekt für mehrere Nächte ist (die Galaxienkette zieht filamentartig sich bis zur NGC 507-Gruppe), tastete ich mich nur an den Kernbereich heran. Bezugspunkt war bei den Beobachtungen immer die helle, und zentral gelegene NGC 383.
NGC 383 (Gx) (Psc) 12,2mag
Die mit Abstand hellste, zentral gelegene Galaxie der gleichnamigen
Galaxiengruppe. Bereits bei 50x eindeutig als kleiner Nebel dicht nördlich
bei einem Stern erkennbar. Bei 126x erscheint sie recht groß, und recht hell,
mit einem sehr hellen Kern.
*Nachdem die Beobachtung der kleinen Nachbargalaxie NGC 382 zunächst erfolglos blieb, widmete ich mich den, in der Hierarchie nach NGC 383, nächsthellen Galaxien.*
NGC 380 (Gx) (Psc) 12,6mag
Zweithellste Galaxie im Zentralbereich der
NGC 383-Gruppe. Recht schwach, aber phasenweise noch direkt sichtbar. Bei 126x
zeigt sich ein rund-ovaler Nebel mit hellem Zentrum.
NGC 379 (Gx) (Psc) 12,9mag
Nördlichste Galaxie der deutlichen 5er-Kette im Zentralbereich der NGC
383-Gruppe. NGC 379 erscheint etwas schwächer, als die 2' südlich
befindliche NGC 380, ist jedoch ebenfalls noch Momentweise direkt zu erfassen.
Sie erscheint auch etwas kleiner als der Nachbar, wobei hier eine ovale
Gesamtform erkennbar ist.
NGC 370 = NGC 372 (*) (Psc)
An der Position von NGC 370/2 ist bei 126x ein deutlicher, kleiner Nebel
erkennbar, aus dem mit indirekter Sicht 1-2 Sterne herausblitzen. Südlich
davon befindet sich ein recht heller Stern, was die Aufsuche einfach
gestaltet. Das DSS zeigt hier eine enge Gruppe von Sternen. Diese ist jedoch
sowohl von D'Arrest(=NGC 370) als auch von Dreyer (=NGC 372) entdeckt worden,
und kann so auf zwei NGC-Bezeichnungen verweisen.
*Südlich von NGC 383 komplettieren 2 weitere Galaxien die markante 5er-Kette - jedoch sind diese merklich schwächer, als die anderen 3 Objekte.*
NGC 385 (Gx) (Psc) 13,0mag
Bildet ein fast identisches Paar zusammen mit NGC 384, nur 1,6' südlich. Die
Galaxie ist recht schwach, und erfordert indirekte Sicht. Sie zeigt sich als
kleiner, rund-ovaler Nebel mit hellem Zentrum.
NGC 384 (Gx) (Psc) 13,0mag
Bildet ein fast identisches Paar zusammen
mit NGC 385, 1,6' nördlich. Wie bei der Nachbargalaxie zeigt indirektes Sehen
bei 126x einen kleinen, rund-ovalen Nebel mit hellem Zentralbereich.
Damit waren die ersten Schritte zur Beobachtung der Gruppe getan. Ich probierte auch einige, der schwächeren Galaxien im Zentralbereich, jedoch zunächst ohne durchschlagenden Erfolg. So langsam ging es auf 3 Uhr zu, und so wurde es Zeit, die Sachen zusammen zupacken, und den Heimweg anzutreten. In der nächsten mond- und wolkenlosen Nacht, wird die spannende Tour durch die Galaxiengruppen am Herbsthimmel ihre Fortsetzung finden.
Clear Skies
Matthias
Visual Deep Sky Observing and CCD-Imaging: www.Serifone.de