Beobachtungsnacht vom 10/11.10.2004

Instrumentarium: - 8" f/6 MEADE Starfinder EQ
                                 
Beobachtungsort:
Mittelmark/Brandenburg 52°19' n.B - 50m Meereshöhe

Bedingungen: Beobachtet wurde bei den tollen Bedingungen, die eine Hochdrucklage schon seit Tagen bot. Die Luft war längst nicht so feucht, wie am Vortag, wo die Beobachtung sprichwörtlich ins Wasser gefallen ist. Die Transparenz war bis zum Horizont wirklich sehr gut, und ich konnte sogar die Umrisse des Südlichen Fisches nachvollziehen, was in Brandenburg wirklich sehr selten gelingt. Die Grenzgröße im Zenit lag bei etwa 6m8. Dabei waren die Temperaturen deutlich unter den Nullpunkt gefallen, was für Reif auf den Autoscheiben sorgte. 


Beobachtung:

Zeit: 21.30 Uhr - 01.00 Uhr MESZ

Auf dem Feld angekommen, spiegelten sich unzählige Augen in den Scheinwerfern meines Autos wieder. Das Dammwild schien gerade Hochzeit zuhalten. Mit der Zeit ist man es ja als Beobachter gewöhnt, "da draußen" nicht allein zu sein :-), aber das hier bereitete mir doch etwas Unruhe. Nichts desto trotz begann ich mit den Beobachtungen, und schon bald war ich in der Welt der Herbstgalaxien versunken. Doch ganz zu Anfang wurde noch ein interessanter Nebel besucht...

Gyulbudaghian’s Nebel

Dieser ungewöhnliche Nebel im Cepheus, zählt sicherlich zu dem interessantesten, was man als Amateur abseits der Pfade aufstöbern kann. Der Nebel ist veränderlich, und durchlebt zur Zeit scheinbar eine Phase größerer Helligkeit, so daß im Amastro-Forum sogar auf die Sichtbarkeit im mittleren Teleskop hingewiesen wurde. Bei einem Beobachtungsversuch in der vorrangegangenen Nacht ist mir das Objekt im Nebel abgesoffen. Und das nach einstündiger Beobachtung. Trotzdem blieb ich dran, und wagte mich heute noch einmal heran.

GM 1-29 (Neb) (Cep)

Erst nach längerer Adaption und Beobachtung, blitzt Gyulbudaghian's Nebel als extrem schwaches Nebelchen auf. Die markante Sternkonstellation erleichtert zwar die Aufsuche, nicht aber die Beobachtung. Überraschenderweise, kann man zur Zeit des Aufblitzens sogar kurzzeitig die länglich-dreieckige Form erkennen. Der Zentralstern des bipolaren Reflexionsnebels (PV Cep) konnte nicht gesehen werden.

[Zeichnung von GM 1-29 im 8" Newton bei 191x - Matthias Juchert]

Die NGC 70-Gruppe - auf ein neues...

Nun stand mein wirklich hartes Programm an Galaxiengruppen an. Die NGC 70-Gruppe hatte ich bereits einmal erfolglos beobachtet. Erfolglos heißt in diesem Fall jedoch nicht, das ich nichts gesehen habe, sondern dass ich die Gruppe nur als einen gemeinsamen Fleck erkannte. Heute habe ich noch einmal versucht, den 8" bis zum letzten auszureizen....

NGC 70 (Gx) (And) 13,4mag

Bei 50x zusammen mit NGC 71 und NGC 68 als ein kompaktes Objekt erkennbar. Bei 126x knapp die hellste Galaxie der Gruppe. Immer noch mit beiden Nachbargalaxien verbunden, wobei nun langsam Zwischenräume erahnbar werden. Die Bedingung zur Galaxie NGC 71 ist besonders eng, während NGC 68 etwas abgesetzt wirkt. Die Galaxie selbst erscheint recht schwach aber deutlich, und besitzt einen hellen Kern. Irritierender Weise wird dieser von 2 besonders störenden 13m-Sternen in die Zange genommen, die beide noch im Halo stehen.

NGC 71 (Gx) (And) 13,3mag

Direkt südlich an NGC 70, schließt sich NGC 71, an. Beide Galaxien bilden ein fast vollständig zusammengewachsenes Gebilde, mit NGC 68 als ähnlich hellen , aber etwas abgesetzten Anhang. Bei 126x ist auch der hellere Kern der Galaxie erkennbar. NGC 71 scheint die kleinste Galaxie der engen Gruppe zu sein.

NGC 68 (Gx) (And) 13,2mag

In der kompakten Gruppe mit NGC 70/71, ist NGC 68 die man am ehesten als Einzelobjekt separieren kann. Sie steht etwas abgesetzt, scheint aber immer noch mit den anderen Gruppenmitgliedern verbunden. Der helle Kern fällt bei längerer Betrachtung auf. 

NGC 72 (Gx) (And) 13,8mag

NGC 72 ist die schwächste, der im 8" erkennbaren Galaxien. Die ist nur indirekt als schwacher, ovaler Fleck ohne helles Zentrum auszumachen. Sie steht auch deutlich abgesetzt vom engen Trio NGC 68/70/71.

*So ist es mir dann doch geglückt, die Gruppe mit einigem Erfolg zu beobachten, auch wenn es noch 5 Galaxien gibt, die ich nicht erkennen konnte. Aufgrund der extremen Kompaktheit ist für diese Mitglieder durchweg mehr Öffnung anzusetzen, so daß man die Vergrößerung noch etwas in die Höhe schrauben kann, ohne daß das Bild all zu dunkel wird. In der Umgebung beobachtete ich schließlich noch weitere Galaxien.*

NGC 76 (Gx) (And) 13,0mag

NGC 76 erscheint bei 126x als kleiner, rundlicher Nebel mit recht hellem Zentrum. Insgesamt betrachtet handelt es sich jedoch um ein schwaches Objekt, das indirekte Sicht erfordert.

NGC 97 (Gx) (And) 12,4mag

In einem netten Feld, voller heller und schwacher Sterne, findet sich bereits bei 50x ein kleiner Nebel. Bei 126x wird der Eindruck noch besser, und das Objekt ist auch mit direkter Sicht erkennbar. Jetzt zeigt sich ein heller Kern eingebettet in einem ovalen Halo. 

NGC 108 (Gx) (And) 12,2mag

Trotz der Helligkeitsangaben, erscheint NGC 108 deutlich schwacher, als der Nachbar NGC 97, was schon ein Hinweis auf den unterschiedlichen Galaxientyp sein kann. Bei 126x ist die Galaxie zwar immer noch recht schwach, aber doch phasenweise direkt sichtbar. Der schwach angedeutete Kern sitzt in einem diffusen, schlecht definierten Halo.

Eintauchen in die NGC 80-Gruppe

Als Abschluss des Abends, stand nun noch eine weitere schöne Galaxiengruppe auf dem Plan - die Gruppe um NGC 80. Sie ist leicht zu finden, denn die zweithellste Galaxie NGC 83 steht direkt neben einer kleinen Ansammlung von 11m5-Sternen, und erzeugt bei 50x einen auffälligen "Sternennebel".

NGC 83 (Gx) (And) 12,6mag

NGC 83 ist zwar nur die zweithellste Galaxie der NGC 80-Gruppe, aber dank der sehr nahen Dreiergruppe von 11m5-Sternen, ist sie am einfachsten zu finden. Bereits bei 50x ist ein kleiner "Sternennebel" erkennbar. Bei 126x ergibt sich ein schöner Gesamteindruck, wobei die Galaxie ein Trapez mit den 3 Sternen bildet. Sie zeigt sich dann als recht heller, rund-ovaler Nebel mit hellem Zentrum. NGC 80 befindet sich 5' südlich.

NGC 80 (Gx) (And) 12,2mag

Diese Galaxie ist das hellste Objekt der lohnenden Galaxiengruppe, die sich nördlich von ihr erstreckt. Bereits bei 50x ist sie zusammen mit der 5' befindlichen NGC 83 erkennbar. Auffällig ist ihr recht stark ausgedehnter, rund-ovaler Halo mit einem hellen Zentrum.

NGC 93 (Gx) (And) 13,6mag

Diese Galaxie befindet sich am Ostrand der NGC 80-Gruppe, und ist dabei noch eines der deutlicheren Mitglieder. Trotzdem ist bei 126x indirektes Sehen notwenig, um die schwache, längliche Galaxie beobachten zu können. Sie erscheint merklich heller, als die knapp 3' westlich gelegene NGC 90. Knapp östlich des Halos befindet sich ein 12m5-Stern.

NGC 90 (Gx) (And) 13,8mag

Dicht nordöstlich eines 12m-Sternes ist bei 126x eine sehr schwache Galaxie erkennbar. Die Helligkeit der Spirale fällt gegenüber der Nachbargalaxie NGC 93 deutlich ab. Die Form ist visuell nur schwer definierbar, scheint aber gleichzeitig elongiert und flächig zu sein.

NGC 85 (Gx) (And) 14,8mag

Bildet zusammen mit IC 1546 ein enges Paar, das deutlicher erkennbar ist, als die Helligkeitsangabe vermuten lässt. Bei 126x nach kurzer Zeit ein länglicher, schwacher Nebel erkennbar, der an der Seite von NGC 85 merklich heller wirkt. Eine Trennung der beiden Objekte gelingt nur schwierig. Dann wirkt die Galaxie oval, mit schwach angedeutetem Zentrum.

IC 1546 (Gx) (And) 14,8mag

Bildet zusammen mit NGC 85 ein enges Paar, das deutlicher erkennbar ist, als die Helligkeitsangabe vermuten lässt. Dabei erscheinen beide Galaxien bei 98x zunächst als gemeinsamer Nebel, der sich erst bei 126x halbwegs trennen lässt. IC 1546 erscheint als deutlich schwächeres Objekt leicht länglich, und erfordert indirektes Sehen.

NGC 86 (Gx) (And) 14,8mag

NGC 86 ist wahrscheinlich eine der leichtesten 14m8-Galaxien am Himmel, was aus der großen Flächenhelligkeit resultiert. Sie ist wahrscheinlich auch mit 5-6" sichtbar. Bei 126x ist der kleine Nebel ganz deutlich als kleiner Ansatz direkt nördlich eines 12m-Sterns sichtbar. Nach kurzer Beobachtung treten auch der helle Kern und die längliche Gesamtform deutlich hervor. Somit ist die Galaxie das dritthellste Mitglied der NGC 80-Gruppe.

NGC 79 (Gx) (And) 14,0mag

NGC 79 ist aufgrund der Sternarmut in ihrem Umfeld ein sehr schwieriges Beobachtungsobjekt. Sie lässt sich jedoch beim field sweeping eindeutig als sehr schwacher, kleiner Nebel auffinden. Eine Aufsuchkarte mit Sternen bis 14m ist sehr hilfreich.

Die angesprochene Aufsuchkarte hatte ich leider nicht zur Hand, und mit Sternen bis 12m5 kommt man in dieser Gruppe leider nicht an alle erreichbaren Objekte. So wurde die Beobachtung der ausstehenden Objekte (mal schaun was geht :-) ...) in die nächste Nacht verlegt, und dieser schöne Abend klang mit einigen Blicken auf die heraufsteigenden Wintersternbilder aus.

Clear Skies
Matthias


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