Die Juchert- Sternhaufen

Juchert 9

Juchert 9 im Sternbild Camelopardalis

Am Anfang

Viele Amateurastronomen träumen davon, am Sternenhimmel ein neues Objekt zu entdecken, dass dann vielleicht sogar ihren Namen trägt. Im Bereich der Kometenentdeckung kommt dies aufgrund der Dynamik dieser Objekte immer wieder vor. Ein anderes viel ergiebigeres Feld zur Suche bietet sich im Bereich Deep-Sky. Seitdem die Astrofotografie die Astronomie revolutioniert hat, hat es auf Basis von Aufnahmen des Himmels immer wieder Entdeckungen von Deep-Sky Objekten gegeben. Seit den 90er-Jahren sind langbelichtete Aufnahmeserien des gesamten Sternenhimmel in digitalisierter Form auch Amateurastronomen zugänglich. Erstaunlicher Weise zeigten diese Aufnahmen noch zahlreiche unbekannte Deep-Sky Objekte am Himmel. Wahrscheinlich hatte aufgrund der immensen Datenmenge noch niemand Zeit gefunden, die Aufnahmen vollständig zu sichten. Dieser glückliche Umstand sowie die Motivation durch eine ganze Gruppe von Enthusiasten führte dazu, dass ich mir den Traum von eigenen Entdeckungen erfüllen konnte.

Wie es zu den Entdeckungen kam 

Als aktiver Beobachter bin ich immer auf der Suche nach neuen Beobachtungsobjekten. Als ich im September 2003 meine Beobachtungen des Komets C/2002 T7 (LINEAR) mit Hilfe einiger DSS-Bilder im Sternkartenprogramm abstimmte, fiel mir auf dem Bild eine nicht bezeichnete Sternanhäufung auf. Nachdem ich sämtliche, mir zur Verfügung stehenden Kataloge durchsucht hatte, war ich sehr erstaunt - das Objekt wirkte wie ein offener Sternhaufen, war aber scheinbar noch nicht bekannt. Hatte ich etwa ein neues Objekt entdeckt?

Der Sternhaufen Teusch 1 auf einem DSS 1 Bild (DSS Link)

Sofort kontaktierte ich den Sternhaufenexperten Brent Archinal in den USA. Er erläuterte mir, dass das Objekt bereits in seinem damals neu erschienenen Buch "Star Clusters" als "Teutsch J0539.4+3320" enthalten ist und vom Österreicher Philipp Teutsch bereits einige Jahre zuvor entdeckt worden war. Mittlerweile ist der Sternhaufen als solcher bestätigt und trägt den Namen "Teutsch 1". Trotz dieses Rückschlags (viele weitere sollten folgen) war meine Begeisterung für die Suche nach neuen Sternhaufen entfacht.

Den eigentlichen Nährboden für weitere Entdeckungen sowie deren Untersuchung und Publikation bildete der Zusammenschluss der Deepskyhunters die sich aus aktiven Amateurastronomen aber auch Semi-Profis zusammensetzte. Zwischen Ende 2003 und Mitte 2005 gelangen zahlreiche Entdeckungen. Diese Kandidaten wurden vor der Publikation mit Hilfe von Farb-Helligkeits-Diagrammen und anderen gängigen Analysemethoden untersucht. Hierbei stellten sich viele als klassische Asterismen (Sternmuster) heraus, allerdings gelang auch die Entdeckung einiger "echter" Sternhaufen. Der eigentliche Clou war jedoch die professionelle Publikation der besten Objekte, die im Jahre 2006 in der renomierten Astronomy & Astrophysics gelang, die dem unermüdlichen Einsatz und der großen Sorgfalt der Deepskyhunters-Kollegen - insbesondere Matthias Kronberger, Philipp Teutsch und Bruno Alessi - zu verdanken ist.

 

zur Liste der Juchert-Sternhaufen

 

News:  

- 12. Feb. 2009 -

Die Juchert Sternhaufen sind jetzt auch in die WEBDA-Datenbank eingetragen worden. Hier geht es zur Liste der veröffentlichten Sternhaufen: http://www.univie.ac.at/webda/cgi-bin/selname.cgi?auth=Juc


* Visual Deep Sky Observing and CCD-Imaging: www.Serifone.de -- Contact: matthias.juchert@serifone.de *

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