Beobachtungsabend vom 9.9.2001

Instrumente: 8" Meade SC LX10, 3" f/10 Zeiss Refraktor; Fujinon FMT-SX 10x70

Beobachter: Matthias Juchert, Serina Filler

Zeit: 20.00 Uhr - 23.00 Uhr

Ort:  Beobachtungsstation Frankenberg/Kärnten

Bedingungen:

Als Beobachtungsplatz wurde schon in den Nachmittagsstunden ein, etwa 1km (vom Frankenberg) entfernter ca. 600m "hoher" Hügel auserkoren. Dieser bot am Rand Wiesen, auf der Kuppe selbst und drum herum war jedoch ein gepflügter Acker, der die Instrumente zum einen fast versinken ließ, andererseits in der kalten Nacht zum Dunst des Tales noch den eigenen Dampf hinzufügte, der sich dann in Bächen von unseren Instrumenten ergoss. Deshalb musste diese wunderbar klare Nacht dann später auch vorzeitig abgebrochen werden! Erwähnt werden sollte, neben der nie gekannten Durchsicht, die wirklich sagenhaft war, das grottenschlechte Seeing! Einige Sternhaufen hüpften selbst bei kleinster Vergrößerung nur so durchs Bild. In der Dämmerung stellte sich letztendlich noch heraus, das es äußerst beschwerlich war, die schweren Instrumente aus dem am Fuße des Berges stehenden Auto gut 500m (!) Bergauf zu tragen. Das spätere Abbauen und Hinuntertragen auf der rutschigen Wiese soll gar nicht erst beschrieben werden. Und als wenn dies alles nicht gereicht hätte, bemerkte ich beim aufbauen, das noch die Montierung des Refraktors fehlte - noch mal hinunter rennen, losfahrn, schleppen, wieder zurück und hinauf! Nun aber genug der Nachteile dieser Nacht - sie hielt wie gesagt einen wunderschönen, recht dunklen Himmel für uns bereit!

Beobachtung

*Der Stachel des Skorpions war soeben am Untergehen....*

M7(NGC6475)(Oc)(Sco)

Bei diesem Seeing zeigten sich so knapp über den Bergen hüpfende Sternketten. Die annährend kreuzförmige zentrale Struktur des Sternhaufens war aber trotzdem überdeutlich. Er füllte im 3" mehr als das Gesichtsfeld meines 40mm Okulars. 

M6(NGC6405)(Oc)(Sco)

Auch heute war der Sternhaufen wieder eine Wucht! Enorm sternreich erscheint er selbst dann, wenn es noch nicht richtig dunkel ist! Die Schmetterlingsform ist auch zu erkennen. Im Fujinon bietet er den prächtigen Anblick eines Doppelsternhaufen, zusammen mit dem viel größeren M7. 

NGC6416(Oc)(Sco)

Ziemlich heller Sternhaufen ganz nahe bei M6! Seine aufsummierte Helligkeit wird mit 5,7 mag angegeben. Er war trotzdem nicht mit bloßem Auge zu erkennen, weil er schwächere Sterne beinhaltet! Im 3" war er dann aber leicht als Sternenansammelung zwischen einem mittelhellen und einem sehr hellen Stern zu erkennen! Er war ziemlich groß, und beinhaltet auch hellere Sterne.

NGC6425)(Oc)(Sco)

Ebenfalls in dieser Region ansässig, war diese etwas schwächere Sternanhäufung. Insgesamt zeigte sich ein ovaler bis länglicher Charakter des OC's mit ziemlich gleichmäßiger Helligkeitsverteilung der einzelnen Sterne. Am besten ist das ganze indirekt zu erkennen, da der Haufen nun doch schon ziemlich tief steht.

*Nun ein kurzer Check mit bloßem Auge...über den Bergen ist M7 als Nebel sichtbar, M8 ist ein heller länglicher Streifen, M24 ist einfach als große ovale Wolke zu entdecken, M25 schien mir indirekt als Nebelchen sichtbar, während ich bei M17 unsicher bin - der nahe helle Stern stört einfach, obwohl er mir etwas nebelig verwischt erschien. Sicher waren auch die Standardobjekt h und chi Persei, als auch M31 direkt zu sehen. Zu einem späteren Zeitpunkt waren auch M34 und NGC752 als kleines bzw. größeres Nebelchen zu erkennen.* 

M4(NGC6121)(Gc)(Sco)

Eigentlich außer der Saison aber ein Versuch, der sich gelohnt hat. Von Brandenburg aus erscheint er selbst zur Kulmination nur als blasser Nebelfleck, hier zeigt sich im 3" ein angelöster (!) großer Kugelsternhaufen. Der 8" löst das System wunderbar bis ins Zentrum auf. Ein schöner Anblick! Mir fällt sofort der helle Balken im Kugelsternhaufen auf. Als wenn man "oben" und "unten" ein Filter davor hält, und so die Sterne schwächt, während sie im Zentralbereich ungehindert hindurch scheinen. 

M8(NGC6523)(Neb)(Sgr)

Selten hab ich den Lagunennebel in solcher Brillanz gesehen.Der Stundenglasnebel strahlte wahnsinnig hell. Zudem trat die Lagune extrem kontrastreich als schmale dunkele Region hervor. Erstmals erkannte ich auch, das der Nebelbereich zwischen Lagune und NGC6530 abrupt endet - sich also kaum in den Sternhaufen hinein erstreckt. Im 8" zeigte sich der ganze Nebel dann strahlend hell - ja, die zentralen Teile waren zu hell, das sie wie auf überbelichteten Fotos erschienen!

NGC6544(Gc)(Sgr)

Dicht unter dem Lagunennebel ist dieser eigentlich recht helle Kugelsternhaufen zu finden. Verständlich, das er im Angesicht des hellen M8 von Messier übersehen wurde. Er zeigt sich als größerer Nebel mit hellem Zentrum. Körnung war nur in den äußeren Randbereichen zu erkennen (3").

NGC6553)(Gc)(Sgr)

Deutlich zu erkennen, aber nicht mehr als ein kleiner, nebelig erscheinender Fleck. Keine Körnung sichtbar, da zu Kompakt! (ebenfalls 3")

M17(NGC6618)(Neb)(Sgr)

Hier spielt der 8"er seine Fähigkeiten voll aus! Wir sind begeistert, weil wirklich ganz deutlich im 18mm Okular der Schwan zu erkennen ist. Der hellste Teil ist hierbei der zentrale Balken, der den Schwanenkörper darstellt. Interessant ist die Halsregion, wo sich der hauchdünne Nebelbogen um eine Dunkelwolke zum Schwanenkopf hin schlängelt! Dieser besteht wieder aus einem hellen Nebelpart und ist sogar in Proportion stimmig! Ein wirklich toller Anblick!

Der Fujinon bot uns dann ein ganz besonderes Freudenfest. h und Chi Persei (NGC869 u. 884) waren sehr sternenreich und hübsch in einem Gesichtsfeld vereint! Der Andromedanebel M31 waren wunderbar in enormer Ausdehnung zu erkennen! Auch der Begleiter M110 war als Nebel zu erkennen, während M32 eher sternförmig erschien! Sodann streiften noch Stock 2 und M34 das Gesichtsfeld diesen riesigen Feldstechers, alle gänzlich aufgelöst! Auch der U-förmige Tr 3 fand den Weg ins Okular! M33 zeigte sogar Ansätze von Struktur, während NGC752 sich groß im Gesichtsfeld als gänzlich aufgelöster Haufen präsentierte! Es wurden noch weitere Objekte mit dem Feldstecher beobachtet, so z.B. alle Messier-Objekte im Schützen usw. Ein wirklich tadelloses Gerät, dieser Fujinon. Man kann, ohne sich Vorwürfe zu machen allein mit diesem Gerät auf die Pirsch gehen.

M57(NGC6720)(Pn)(Lyr)

Erst nach einem Blick in den 8-Zoller weiß ich dieses Objekt wirklich zu schätzen! Besonders bemerkenswert fand ich, das der Ringnebel eher eine Ringscheibe ist. Der helle Ring kam zwar klar und deutlich heraus, aber das innere dieses Ringes ist alles andere als dunkel. Es ist nur wenig schwächer als der Ring, und füllt diesen völlig aus! Wirklich ganz anders als die verwaschene Scheibe aus dem 3"!

Dann war nochmals der Fujinon gefordert...

NGC7000 + IC5067(Neb)(Cyg)

Im Zenit stehend, sollten Nordamerikanebel und Pelikannebel doch erfassbar sein, besonders bei diesem dunklen Himmel und diesem tollen Feldstecher! Waren sie auch, nur konnte ich sie noch nicht deutlich abgrenzen. Erstes erkennbares Detail war eine Dunkelwolke, die die beiden Objekte trennt. Diese erfasst, waren im sternenreichen Hintergrund deutlich aufgehellte Nebelbereich zu erkennen. Serina gelang dann die Feststellung der Positionen von "Florida" und "Mexico", die am hellsten erschienen. Am Pelikan fiel besonders sein schwaches Glimmen in einer sehr auffällig sternarmen Gegend auf.

*Der 3-Zoller wurde dann noch auf die drei südlichen Kugelsternhaufen im Schützen angesetzt!*

M54(NGC6715)(Gc)(Sgr)

Sehr kleiner aber deutlicher Nebelfleck. Ohne Probleme durch den Dunst erkennbar. Erscheint sehr kompakt.

M69(NGC6637)(Gc)(Sgr)

Etwas schwächer als M54, aber ebenso gut zu finden und zu erkennen. Liegt nahe an einem hellen Stern, was aber nur noch den Kontrast des Kugelsternhaufens hebt!

M70(NGC6681)(Gc)(Sgr)

Ein sehr matter Fleck, deutlich schwächer als die anderen beiden. Indirekt gut zu erkennen, direkt hingegen etwas schwierig! Auch ziemlich klein für einen Kugelsternhaufen. Wohl ziemlich weit entfernt!

*Den Schlusspunkt des Abends bildete ein kleiner Abstecher in die Südliche Krone. Die hellsten und nördlichsten Sterne waren soeben über die Berge hinweg zu erkennen. Aber mit dem 3" arbeitet ich mich von Gamma CrA zu....*

NGC6723(Gc)(Sgr)

Trotz des sehr niedrigen Standes sofort im Blick des 3"! Über einer Sternkette ist ein sehr asymmetrischer Nebel zu erkennen, der sogar indirekt in einige Sterne aufgelöst scheint, darunter ein auffällig heller. Ist das möglich? Laut Karkoschka schon. Das haut mich nun ganz von den Socken!

*Dann besiegt der Tau nach und nach zuerst den 8", dann das Fujinon, und zu guter Letzt den Refraktor! Wir machen uns auf den glitschigen Weg zum Auto! Dies ist selbstverständlich auch vollends mit Tau überzogen...*

Fazit: Mit nassen Füssen müssten wir uns erst mal einen heißen Tee machen. Es war schon ein lustiges Abenteuer, auch wenn wir wohl nicht mehr auf diesen Berg zurück kehren werden. Es ist einfach zu strapaziös! Aber wenn man astrosüchtig ist, tut man in einer klaren Nacht viel für einen guten Spechtelplatz! Es war im Nachhinein einfach nur schön!

Clear Skies an alle fleißigen Beobachter!


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