Beobachtungsnacht in Südkärnten/Austria vom 8/9.8.2002

Instrumentarium: - 200/1220mm f/6 Meade Starfinder, 10x70 Fujinon FMT-SX
                                 
Beobachter: Matthias Juchert, Serina Filler

Beobachter: Frankenberg/Kärnten (650m Seehöhe)

Bedingungen: Was passiert, wenn man seinen Österreich-Urlaub zu Neumond legt, und sein Teleskop auf eine fast 1000km weite Reise im Auto mitnimmt? Richtig - ein ausgeprägtes Adria-Tief zieht auf, und versorgt Österreich mit starkem Dauerregen und Gewittern. Aber zum Glück hat es wenigstens mit einer Beobachtungsnacht geklappt - und was für einer! Bortle Class 3! Das war eine der besten Nächte, die ich je erlebt habe. Wie muss der Himmel dann erst bei Bortle 2 oder Bortle 1 sein!?! Die freisichtige Grenzgröße im Zenit lag um 7m0! Und das trotz der Beleuchtung Klagenfurt's im Westen. Wichtig war viel mehr, das die nähere Umgebung wirklich stockdunkel und dunstfrei (kaum Feuchtigkeit am Tubus) war. Der nahe Wald nach Osten tat sein übriges, und direkt um mein Teleskop herum war es so stockdunkel, das ich mich beim raustragen der Instrumente mehrmals fast in die Waagerechte begeben hätte.


Beobachtung:

Zeit: 23.30 Uhr - 3.00 Uhr

Nachdem wir am Abend noch einen kurzen Blick nach draussen geworfen hatten, und die Milchstraße im Zenit durch die Wolkenlücken strahlte, wagten wir dann doch zumindest eine kleine Beobachtung mit dem Fujinon. Der Blick auf M16, M17, M24 und M25 war atemberaubend und so habe ich dann doch ganz schnell den Starfinder aufgebaut - allerdings, nur um zu sehen, wie der Himmel wieder zuzog. Die Jagd auf Wolkenlücken war angesagt - mal war der Perseus frei, dann wieder die Cassiopeia oder Ursa Major. Es ist witzig, auf Nebeljagd mit dem lichtstarken Feldstecher zu gehen, wenn man keine Orientierung hat, weil die Leitsternbilder nicht erkennbar sind. So hat es eine Weile gedauert, bis wir das Paar M81/82 als jenes erkannt hatten. NGC884/869 war degegen genau so eindeutig, wie die Nebelflecken der Sternhaufen in der westlichen Cassiopeia. Nach einiger Zeit riss der Himmel völlig auf, und die Milchstraße im Schwan war so hell und strukturiert, wie ich sie selten gesehen hatte. Einzig über den Karawanken im Süden hingen die Wolken und verdeckten die tieferen Deklinationen. M13 war einfach per direkter Sicht wahrnehmbar - die Weichen für eine gute Beobachtungsnacht schienen gestellt.

M 57 (NGC 6720) (Pn) (Lyr) 9,4mag (Ringnebel in der Leier)

Ein einfaches Einstiegsobjekt. Netter ovaler Ring bei 50x - ziemlich hell. Keine weiteren Vergrößerungen probiert.

Dann noch ein Objekt, welches Serina die Wirkung des UHC-Filter's bei verschiedenen Objekten demonstrieren sollte. Der Hantelnebel sollte es werden - während sie ihn mit dem Fujinon schon lange gefunden hatte, stocherte ich mit dem Starfinder bei 50x in der falschen Region herum, und fand wohl satte 5 Minuten nichts, außer unzähligen Sternhaufen, die sich in diesem Bereich tummeln. Der auffälligste war wohl...

NGC 6940 (Oc) (Vul) 6,3mag

Der Haufen könnte von der Helligkeit her schon mit dem bloßen Auge erkennbar sein, liegt aber im sehr reichen Milchstraßenfeld. Ich hab ihn schon mit dem 2,5" Zeiss Refraktor betrachtet, aber erst mit dem 8-Zoller kommt er voll zur Geltung. Sehr viele schwache Sterne tummeln sich auf ziemlich großem Gebiet. Bei 50x schön aufgelöst. Der Haufen ist elongiert in Richtung Nord-Süd.

M 27 (NGC 6853) (Pn) (Vul) 7,3mag (Hantelnebel)

Extrem! Schon bei 30x riesengroß. Bei 50x schon 1/4 vom Gesichtsfeld. Die Ohren waren einfach ohne jegliche Filter wahrnehmbar. Ich habe zwar den UHC hereingeschraubt, aber ich fand den Anblick ohne Filter fast besser. Nur der Hintergrund wurde abgedunkelt und einige Sterne verschwanden. 

Mit dem Schmalbandfilter zu den HII-Regionen in Cygnus und Sagittarius

Jetzt ging die Beobachtung erst los - bei so einem Himmel stehen natürlich lichtschwache galaktische Nebel hoch im Kurs. Ich schraubte den UHC ins 40mm Okular und schwenkte ohne Karte in die Region um den Stern 52 Cygni. Und dann....

NGC 6960 (Neb) (Cyg) 9,0mag (Cirrusnebel - westlicher Teil)

Kaum zu glauben - bei 30x mit UHC zog sich ein ganz schmales, helles Nebelband durchs gesamte Gesichtsfeld, dicht östlich vorbei an 52 Cygni. Ich ärgere mich, das ich es nicht länger genossen habe, aber wir wussten nicht, wie lange der Himmel aufgeklart blieb. Auf jeden Fall sind höhere Vergrößerungen sinnvoll.

NGC 6992/NGC 6995/ IC 1340 (Neb) (Cyg) 7,5mag (Cirrusnebel - östlicher Bogen)

Bei diesem Teil des Nebels hatte es mich beinahe umgehauen. Als wenn mir jemand ins Okular gezeichnet hatte - einfach nur andächtiges Staunen bei uns. Der Bogen war bei 30x komplett im Gesichtsfeld. Besonders der Südteil mit den abgerissenen Filmanten der Objekte NGC 6995, und noch südlicher IC 1340 faszinierte wirklich! Mir erschien das ganze wie eine geisterhafte Hand, die ins dunkele greifen will. Minutenlanges verweilen....

NGC 6974/NGC 6979 (Neb) (Cyg) 10,0mag (Pickering's Triangular Wisp)

Für diesen Teil war leider keine Aufsuchkarte vorhanden. Schwach war in einem recht sternreichen Teil zwischen den beiden Bögen mit UHC eine Nebelfläche zu erkennen. Die gehört noch einmal angeschaut! 

Ich fragte Serina, was nun auf dem Plan stehen sollte - mir war es aber selbst schon klar - eine Reise nach Nordamerika.....leider stand der Nebel genau hinter einer Baumkrone, und so musste ich erst einmal das Teleskop ein gutes Stück weit tragen.

NGC 7000 (Neb) (Cyg) 5,0mag (Nordamerikanebel)

Wieder ging ich mit 30x und dem UHC auf die Suche und traute meinen Augen kaum, was dort ins Feld ragte. Ein ausgedehnter sehr heller Nebel - datailreich und mehrere Gesichtsfelder gross! Unglaublich! Am faszinierendsten - der "Golf von Mexiko", der fast das gesamte Gesichtsfeld ausfüllte, und an seinen Rändern von leuchtend hellem Nebelmaterial begrenzt war. Die Ostküste war auch mehr als deutlich. Nur an der Nordseite konnte ich keine gute Begrenzung erkennen. Später habe ich das Objekt mit bloßem Auge gesehen - jedenfalls die Sternwolke, die so freisichtig wirklich wie ein Mininordamerikanebel ausschaut. Mit UHC vor dem bloßen Auge wirkt dann der Nebel etwas heller als das Milchstraßenband.

IC 5067 (Neb) (Cyg) 7,0mag (Pelikannebel)

Wiederum mit UHC. Hier waren wir uns nicht ganz so einig über den Verlauf des Nebelgebietes. Am deutlichsten war die hellste Stelle östlich des hellen Sterns 57 Cygni. Von hier aus zogen sich schwächere Ausläufer gen Süden. Nicht so einfach - dieses Objekt.

Dann noch in tiefere Deklinationen dicht über die Wolkengrenze....

M 16 (NGC 6611) (Oc) + IC 4703 (Neb) (Ser) 6,0mag (Adlernebel)

Der Sternhaufen war natürlich wunderbar zu sehen bei 50x. Serina sah schon einige Teile des Emissionsnebels über den Sternhaufen verteilt. Der UHC-Filter brachte den Nebel dann schön zur Geltung, auch wenn er nicht mit Cirrus und Co, hoch oben im Cygnus mithalten konnte. Zumindest die ausgebreiteten Schwingen des Adlers konnte man nachvollziehen.

M 17 (NGC 6618)(Neb) (Sgr) 6,0mag (Omeganebel)

Noch einmal demonstriert der UHC-Filter gnadenlos seine Wirkung. Ohne ist der Nebel hell aber die Strukturen bieten nicht den harten Kontrast. Mit UHC bei 30x ändert sich das. Sofort tritt der Schwan deutlich hervor. Interessanter sind jedoch die "Ausschweifungen" des Nebels im Bereich des Schwanzes. Ein langer Bogen zieht nach Süden, um den nach einer 180° Drehung im Hintergrund zu verblassen.

Dann liess mich Serina allein weiter beobachten - dafür, das sie nur kurz schauen wollte, hat sie es ganz schön lang am Okular ausgehalten. Muss wohl gut gewesen sein... ;-) Ich besann mich nach all diesen Schauobjekten einmal auf mein Beobachtungsprogramm. Da warteten noch 2 nicht ganz einfache Objekte im Cygnus.

NGC 6888 (Neb) (Cyg) 10,0mag (Crescentnebel)

Dieses beinahe sagenumwobene Objekt ist eines der wenigen Beispiele für einen Nebel, der auf einen Wolf-Rayet-Stern zurück geht. Soweit ich weiss, ist dies erst das 2.te Objekt dieses Typ's nach NGC 2359, das ich beobachten konnte. Der helle Wolf-Rayet-Stern ist in diesem Falle HD 192163. Das aufsuchen gestaltet sich recht einfach - NGC 6888 hat ein ähnlich markantes Sternskellet, wie M20. Ich war überrascht, wie einfach der Nebel ohne jegliche Filter erscheint. Die beiden 9m-Sterne SOA 69611 und HD 192182 scheinen mit einem hellen Nebelbogen verbunden. Mit UHC ist dieser Bogen noch wesentlich heller. Nun ist auch der weitere Verlauf des Nebels zu verfolgen, der deutlich schwächer nördlich am W-R-Stern vorbei zieht, ohne die auf Fotos deutliche Abzweigung zum Stern zu zeigen. Der schwächere Fortsatz ist etwa auf der 1 1/2-fachen Länge des hellen Bogen nach Süd-Westen zu verfolgen wo er sich langsam verliert. Ein schönes Objekt, das auch unter weniger gutem Himmel zu sehen sein sollte.

Der nächste Nebel hatte gleich 2 Wegweiser - zuerst den schon mit bloßem Auge erkennbaren M39 und dann einen wunderbaren Dunkelnebel.

B 168 (Dn) (Cyg)

Dieses faszinierende Gebilde ist bei solch gutem Himmel eine wahre Pracht! Der Nebel erscheint selbst bei 50x deutlich als dunkeler Trichter im reichen Milchstraßefeld. Man kann ihn wunderbar Gesichtsfeld für Gesichtsfeld abfahren. An seinem östlichen Ende wird er durch eine deutliche Sternansammlung begrenzt, bei der auch der Cocoonnebel zu finden ist. 

IC 5146 (Neb) (Cyg) 10,0mag (Cocoonnebel)

Ohne UHC ist schon ein geisterhaftes Leuchten wahrnehmbar, zu schwach, um im Kontrast des Dunkelnebels zu wirken. Auch der UHC steigert den Eindruck des Nebels nur mäßig. Immerhin ist doch ziemlich deutlich ein schwacher Nebelvorhang erkennbar, der 2:1 in Nord-Süd-Richtung elongiert erscheint. 2 hellere Sterne befinden sich in ähnlicher Ausrichtung im Nebel - TYC3608-01446-1 und TYC3608-01659-1. Sie liegen jedoch nicht genau zentrisch, sondern erscheinen etwas an den südwestlichen Rand des Nebels verschoben. Mehr Details gab dieser geheimnisvolle Nebel nicht Preis.

Die Schätze des Südhimmels

Das Auftauchen von Alpha PSA (Fomalhaut) signalisierte, das der südliche Himmel doch etwas klarer geworden war. Da lockte ein Objekt, das mir schon lange Kopfzerbrechen bereitet hatte....

NGC 7293 (Pn) (Aqr) 6,3mag (Helixnebel)

Aufsucht war die Region leicht, und bei 30x hüpfte dann ein ziemlich großer Nebelblobb ins Gesichtsfeld. Das war ein beeindruckender Moment. Von Brandenburg aus hab ich den nur nur 1x mit dem 63mm-Refraktor sehen können, und das auch nur schwach indirekt. Hier in den Alpen war er schon ohne Filter deutlicher, jedoch nicht hell. Die bekannten Strukturen deuteten sich an. Ich zog 50x in Kombination mit einem UHC in Erwägung. Der Nebel war nun fast so groß, wie das halbe Gesichtsfeld und die Strukturen wurden deutlicher. Mein erster Gedanke war: "Das innere ist ja gar nicht so dunkel, wie auf Fotos!" . Weiterhin war vor allem die Gesamtform des großen "C" deutlich. Der Nordteil wirkte deutlich heller als die anderen Bereiche! Ich beobachtete eine Weile und wechselte auch zwischen filterloser und Filterbeobachtung um die Sterne besser zu erkennen. Ich erkannte Sterne bis zur 13. Größe - für den Zentralstern reichte es nicht ganz. In der Zeichnung, die ich angefertigt habe, sind die Kontraste überhöht. Das innere ist in Wirklichkeit heller. Leider macht auch der Scaner Probleme, und lässt fein aufgefüllte Flächen punktig erscheinen.

NGC 7293 - gezeichnet am 8" bei verschiedene Vergrößerungen mit und ohne UHC-Filter - © by Matthias Juchert

Einige Hische "überredeten" mich mit ihren bellenden Lauten doch, von der Wiese zurück vor's Haus zu gehen und dort weiter zu beobachten.

M 72 (NGC 6981) (Gc) (Aqr) 9,4mag

Der Kugelsternhaufen war schnell gefunden. Auch wenn er der schwächste des Messier-Kataloges ist, war er hell und einfach als Nebelball mittlerer Größe direkt wahrnehmbar. Ansatzweise erschien er etwas griesig.

M 73 (NGC 6994) (Ast) (Aqr) 8,9mag

Dieses Sternmuster habe ich erstmals in ganzer Pracht wahrgenommen. Die 4 Sterne waren bei 50x klar getrennt, und zeigten sich in Form eines auf der Seite liegenden "Y".

Beim herumschauen in den südlichen Regionen fiel mir auf, wie markant das Sternbild Steinbock (Capricornus) eigentlich ist. Im Prinzip wirkt es wie ein großes Dreieck, dessen rechter Winkel nach Süden zeigt. In diesem Dreieck ist die Sterndichte deutlich höher, als in der Umgebung! So markant habe ich dieses in Brandenburg recht tief stehende Sternbild noch nie wahrgenommen.

Die Leistungsfähigkeit des bloßen Auges unter exzellentem Himmel

Viel gab es zu sehen an diesem Abend - auch abseits des Okulares. Viele Sternschnuppen rauschten durch den Himmel - 5 von ihnen waren viel heller als alle anderen Sterne. Die meisten zogen eine wahrnehmbare Leuchtspur hinter sich her. Wohl eines der faszinierendsten Naturereignisse - und das Perseidenmaximum war noch in weiter Ferne!

Nachdem ich das Teleskop abgebaut hatte, machte ich es mir noch in einem Liegestuhl bequem. Einfach noch etwas mit dem blossen Auge den Himmel studieren - das war mein Ziel. Die ersten Objekte waren NGC884 und NGC 869, die einfach und sogar getrennt erkennbar waren, sowie M31. Wenn ich diese per direkter Sicht anvisierte war das helle Zentrum trotzdem erkennbar. Zu Haus verschwindet die Galaxie bei direktem Sehen eigentlich. Melotte 20 hingegen beeindruckte wenig, obwohl einige Sterne südlich von Alpha Persei erkennbar waren - allerdings war kein Nebel erkennbar. M13 war jetzt richtig auffallend, wenn man sich das Herkules-Viereck ansah. Ich versuchte immer wieder mein Glück an M11, war mir jedoch nie sicher - der Hintergrund der Schildwolke war einfach zu hell. M34 war hingegen einfach direkt erkennbar - wiederum regelrecht auffallend, und sogar flächig als Nebelfleck! Auch den hellen Sternhaufen NGC 752 konnte ich finden. Er wirkte wie ein großer körniger Fleck, der sich an einen hellen Stern anschmiegt. Die erste richtige Überraschung war dann jedoch M15. Er verschwam mit dem 6m-Stern in seiner Nähe zu einem deutlich länglichen, der an der Seite von M15 flächiger wirkte. Das bestätigte die Sichtung.

Das ermutigte zu einem gewagten Versuch. M33 mit bloßem Auge! Der erste Schritt war die Lokalisierung des Triangulums. Mit dem 6m-Stern HD 10348 bildet das Sternbild in etwa ein Parallelogramm. Und etwas über diesem Stern sollte die Galaxie liegen. Auf den ersten Blick zeigte sich erst mal gar nichts. Ich entdeckte in der Nähe noch einen weiteren Stern - HD 9714 - mit einer Helligkeit von 6m87 weit über den mir vertrauten Grenzgrößen. Ich konzentrierte mich beim Blick auf diesen Stern indirekt auf M33 und nach kurzer Zeit erschien sie als ganz schwacher Lichtfleck. Ich wiederholte es 4x und konnte immer wieder M33 freisichtig wahrnehmen. Es war sogar die Elongation der Galaxie erkennbar, die aussah wie eine kleine, aber doch flächige Linse.

Nach diesem wunderbaren Erlebnis stieg in müde, aber glücklich in die Federn.

Clear Skies
Matthias


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