Beobachtungsabend vom 8.5.2002

Instrumentarium: 8" f/6 Starfinder

Bedingungen: Insgesamt am Horizont ziemlich dunstig, und überhaupt sehr feucht. Trotzdem habe ich an Ursa Minor die Grenzgröße auf besser. 6m2 bestimmt. Das Seeing war bescheiden, wenn auch nicht so schlecht, wie die Nächte zuvor. Mein Beobachtungsplatz ist ein Feldweg in Westbrandenburg, der zur Südseite mit einem Kornfeld gesäumt ist, nach Norden hin jedoch mit einem Acker. Hier bemerkte ich einen neu aufgebauten Hochsitz. Ich will mal hoffen, das der Jäger mich nicht eines Tages für ein jagenswertes Ziel hält. :)


Beobachtung: 

Zeit: 21.30 Uhr - 0.00 Uhr

Zunächst ein Blick zur wunderbaren Planetenkette am Abendhimmel. Hoch am Himmel Jupiter, dann weiter auf der Ekliptik gen Horizont, Venus, gesäumt von Mars im Osten und Saturn im Südosten. Der Ringplanet verabschiedete sich langsam - mein letzter Blick auf das Ringsystem bevor es im Glanz der Sonne unsichtbar wird. Merkur war freisichtig nicht mehr zu erkennen - der Dunst machte ihn erst im Fernrohrsucher sichtbar. Bei 190x könnte ich trotz des Seeings eine schöne, zu einem Viertel beleuchtete kleine Merkursichel erkennen.

Dann, als es endlich dunkel war, testete ich in aller Ruhe die Grenzgröße, und die naked-eye-Sichtbarkeit einiger Objekte. Zuerst hielt ich nach M13 Ausschau - dieses Objekt ist fast immer von meinem Beobachtungsplatz freisichtig erkennbar. Zwar nur als kleiner unscharfer Fleck, aber sogar direkt. Als nächstes dann Ikeya Zhang an der Reihe - deutlich und etwas größer als M13. M3 sollte dann ein wahres Prüfobjekt werden. Lange verglich ich die Sternkarte, identifizierte die Position im Übergangsbereich vom Bootes bis Canes Venatici. Mit sehr viel Augenverenkungen hab ich dann indirekt ein kleines unscheinbares Fleckchen erahnt. Ich konnte es nicht halten, aber es war da. Ronald Stoyan berichtet in seinem "DSR" sogar von der Sichtbarkeit von M92 für das bloße Auge - das war dann aber nicht mehr nachzuvollziehen. Hierfür muss man wohl unter knackigem Alpenhimmel beobachten. M5 stand noch zu tief, aber bald ist er in Reichweite...

Heute hatte ich eher ein verstreutes Programm - ständig des drohenden Taubeschlags trotzend. 

NGC 4244 (Gx) (Vir) - 10,4mag - Für mich eine der schönsten Galaxien! Beeindruckend langer Lichtstreif durchs Gesichtsfeld. Relativ schwach, und völlig ohne zentrale Aufhellung. Die Enden wirkten eher rund. Sehr schlanke edge-on! What a beautiful sight!

M53 (NGC 5024) (Gc) (Com) - 7,7mag - Mittelgroß und ziemlich hell. Kompakt zum Zentrum hin konzentriert. Aufgelöst am Rand bei 190x. Ein auffällig heller Stern im nördlichen Bereich am Rand des Haufens aufgelöst.

NGC 4147 (Gc) (Com) - 10,3mag - = NGC4153.  Ziemlich hell, und einfach sichtbar, aber im Vergleich zu vorherigen [M53] sehr klein. Der Kern wirkt fast stellar. Bei 190x immer noch ziemlich klein. Schwach körniger Eindruck.

NGC 4064 (Gx) (Com) - 11,4mag - Schwach definierte Ellipse, ohne deutliches Helligkeitszentrum. Ziemlich homogen - elongiert in NNW-SSE-Richtung. 

NGC 5694 (Gc) (Hya) - 10,2mag - Sehr südlicher Kugelsternhaufen in der Hydra - schwierig zu beobachten bei diesen Bedingungen. Nur 11 Grad über dem Horizont. Sehr schwach erahnbar. Relativ klein. Wunderschön eingerahmt von 3 helleren Sternen - einer davon ist ein weiter Doppelstern.

M83 habe ich wiederum nicht auffinden können. Sie ist sehr schwierig bis teilweise unbeobachtbar von Brandenburg aus.

Dann schraubte ich den UHC-Filter ins 25mm Okular und warf einen Blick auf...

NGC 7000 (Neb) (Cyg) - 4,0mag - Endlich kann der UHC seine Wirkung entfalten. Der noch  tiefstehende Nordamerika-Nebel war einfach abzufahren - zwar nicht leuchtend hell, aber im Gegensatz ohne Filter deutlich sichtbar. Florida, Yucatan, Texas .. alles vorhanden. So machts Spass.

Von ihm aus bin ich nochmal zu Gamma Cygni geflogen, habe NGC 6910 als schöne gebogene Sternkette bewundert - zwei helle Sterne involviert - sowie einige Fetzen von IC 1318 erhascht. Alles vorerst nur flüchtig bestaunt - der Sommer kommt.

Zum Schluss noch ein Versuch an 3C273 - ich hatte die Position endlich gefunden, aber konnte den Quasar nicht halten - unsichere Beobachtung - ich versuche es bei Zeiten noch mal.

Als die Optik im Dunst schon wegschwamm, packte ich zusammen.

Clear Skies

Matthias


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