Beobachtungsnacht vom 7.7.2002

Instrumentarium: - 8" f/6 Meade Starfinder (25mm Plössl, 6,4mm Super-Plössl + UHC)

                                    - 4.5" f/4,3 Pluto/S (25mm , 10mm, 6mm Plössl )

                                    - 8-24x50 Feldstecher, 25x10 Feldstecher (1"!), Spiegelreflexkameras usw.

                                    - und ganz wichtig - 4 (fast) unermüdliche Beobachteraugen


                                 
Beobachter: Matthias Juchert, Martin Dietrich - Beobachtung auf 52,35° n.B. im westlichen Brandenburg


Bedingungen: 

Der Himmel erwies sich trotz positiver Wettervorhersage als äußerst "Cirren-gesätigt". Dazu kam dann ziemlicher Dunst am Horizont, so das sich die heutigen Beobachtungen fast nur in Richtung Zenit richten konnten. Es war extrem feucht - in der angrenzenden Muldenlage unseres tiefer liegenden Heimatortes hatte sich der Nebel gesammelt, doch hier draussen auf dem Feld, etwa 40m höher war es frei. Allerdings wurden wir mit absoluter Windstille, und damit einer extrem triefenden Nacht mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit gesegnet. Infolgedessen waren meine Autoscheiben schon zu Beobachtungsbeginn zu! Die Grenzgröße in dieser dunstig-lauen Nacht erreicht nicht ganz 6m0, obwohl M13 gut freisichtig auszumachen war.


Beobachtung:

Zeit: 0.00 Uhr - 2.00 Uhr

Unbekannte Sternhaufen im Cygnus

Während Martin sein Teleskop einordnete entschied ich mich in meinem Berg von gedruckten Karten für den Cygnus. Besonders der südliche Flügel, und der zentrale Teil um Gamma Cygni hielten noch einige galaktische Haufen für mich bereit. Zuerst die Region um Epsilon Cygni.

Ruprecht 173 (Oc) (Cyg)

Ein sehr einfacher und unbekannter Sternhaufen im Cygnus. Bereits im 6x30 Sucher aufgelöst! Füllt bei 50x mehr als das Gesichtsfeld unregelmäßig mit helleren Sternen. Dabei ist ein Ringförmig angeordneter Bereich hellerer Sterne, der fast 1 Grad im Durchmesser misst am deutlichsten. Auch dies war schon im Sucher erkennbar. Der Haufen liegt im sehr reichen Sternfeld. Meine Zählungen der hellsten Haufenmitglieder reichte bis über 50 Sterne, wobei viele wohl nur zufällig in der Sichtlinie stehen.

Ruprecht 175 (Oc) (Cyg)

Der kleine Nachbar von Ruprecht 173 - aber ein schöner Sternhaufen. Er füllt bei 50x etwa 1/6 des Gesichtsfeldes und hebt sich recht gut vom Umfeld ab. Ca. 15 helle, und weitere schwache Sterne, die per indirektem Sehen sichtbar werden, vermengen sich zu einem recht lockeren Haufen.

Dolidze-Dzimselejsvili 11 (Oc) (Cyg)

Bei 50x zeigt sich der Haufen auf Anhieb als längliche Anordnung von 15 helleren Sternen - darunter jeweils 1 Mitglied der 8. und eines der 9. Größenklasse, die beide zum Norden des Haufens hin liegen. Im Newton (umkehrend!) erscheint die Ansammlung wie ein Lambda. Mit indirektem Sehen sind sogar 25-30 Sterne sichtbar, die aus dem Lambda ein Kreuz kreieren. Alles in allem sehr interessant. 

*Ich verbringe so ungefähr 20min damit, den Haufen zu zeichnen, während Martin gerade seine M27-Skizze vervollständigt. So macht Beobachten Spass! Dann ein Schwenk in die Gamma Cygni Region. Heute sollen auch hier die Oc's beobachtet werden. Der Gamma Cygni Nebel wird in den Alpen fällig sein.*

NGC 6910 (Oc) (Cyg) 7,4mag

Herschel entdeckte diesen schönen Sternhaufen, und trug ihn als Nr. 56 in die Sternhaufenkategorie seines Kataloges ein. Es gehört auch noch zur Cygnus-OB9 Assoziation und wird von einem K2-Riesen dominiert, der mit Abstand das leuchtkräftigste Haufenmitglied darstellt. Bei 50x im 8-Zoller zeichnen sich interessante Sternketten ab, die einem "T" ähneln. Bei dieser Vergrößerung sind ca. 20 kompakt stehende Sterne zu erkennen. Bei 190x steigt die Zahl weiter und auch schwächere Mitglieder rücken in den Erkennbarkeitsbereich.

Dolidze 6 (Oc) (Cyg)

Dieser unscheinbare Haufen ist in Cartes du Ciel etwas zu weit östlich eingetragen. 4 hellere Sterne spannen ein mittelgroßes Dreieck auf, in dem insgesamt 10 Sterne gezählt werden können. 

Collinder 421 (Oc) (Cyg) 10,1mag

Hier handelt es sich um eine nette, bei 50x gut erkennbare Sternanhäufung in etwa rechteckiger Form. Bei dieser Vergrößerung erscheint ein Teil des Haufens noch unaufgelöst nebelig, wobei nur mehr 10 mäßig helle und schwache Sterne direkt erfasst werden können. Indirekt breitet sich ein sehr schöner, schwach glimmender Sternenschweif aus. 

Dolidze 9 (Oc) (Cyg)

Auch dieser Haufen ist in Cartes du Ciel etwas zu weit östlich eingetragen. Etwa 5' westlich davon findet sich eine lockere Gruppe von 5-6 hellen Sternen. Die Verdichtung wird von einem 7m-Stern im Westen dominiert.

Dolidze 11 (Oc) (Cyg)

Hier ist bei 50x eine lose Sterngruppe etwas süd-westlich der eingezeichneten Position zu finden. 4 hellere Sterne sind umgeben von 10 weiteren etwas schwächeren. Eine Vergrößerung von 50x ist definitiv zu hoch!

Collinder 419 (Oc) (Cyg) 5,4mag

Die große Helligkeit des Haufens resultiert aus dem Hauptstern HD193322, der sogar noch mit bloßem Auge sichtbar ist. Der Haufen selbst ist bei50x nur andeutungsweise zu erkennen. Besser ist eine Vergrößerung von 190x, wobei 10-12 sehr schwache Sterne dicht um den hellen HD193322 sichtbar werden. Ein interessantes, ziemlich kompaktes Objekt. 

Bernard 343 (Dn) (Cyg)

Ein deutlicher Dunkelnebel, einige Gesichtsfelder von Gamma Cygni entfernt. Bei 50x erscheint er so groß wie 1/3 des Gesichtsfeldes. Die Gesamtform erscheint oval.

Dolidze-Dzimselejsvili 10 (Oc) (Cyg)

Dieser Haufen erscheint als sehr große lockere Ansammlung von etwa 40 Sternen, die man mühsam aus dem Sternfeld herausarbeiten kann. Hier ist es interessant, das die große, weit ausgedehnte Sternfläche verschiedene Verdichtungen zeigt. Das Objekt ist jedoch schwierig abgrenzbar. Der Übergang ins Milchstraßenumfeld erfolgt nahezu nahtlos. 

*Dann hatte mir der Tau eine weitere Beobachtung unmöglich gemacht. Meine Unterlagen waren durchgeweicht, der Tubus tropfnass, und die Okulare liefen permanent an. Ich verpackte den Newton unter einem Plastiksack, und spechtelte noch etwas mit dem bloßen Auge. Die Milchstraße war zumindest bis zur Schildwolke sehr schön zu erkennen. Aber selbst helle Objekte wie M8 waren im 4,5" nur mühsam aus dem Dunst zu fischen.*

Deep Sky mit 1 Zoll Öffnung.

Martin hatte heute glücklicherweise seinen kleinen Pocketfeldstecher mit den Daten 10x25 (also ein Einzoller!) mitgebracht. Das Gerät ist wegen des sehr moderaten Gesichtsfeldes, und seiner Lichtschwäche (vgl. hohe Vergrößerung) nicht sehr gut in der Astronomie einsetzbar - trotzdem war ein Reiz vorhanden, nun die Probe aufs Exempel zu starten.

Zuerst in den Schwan...

M39 - überraschender Weise sofort in einige Sterne vor Nebel aufgelöst! Der Sternhaufen war heute als ganz matte Aufhellung vor der hellen Cygnus-Milchstraßen freisichtig auszumachen. Ein kleiner flächiger Nebel immerhin.

Dann bin ich etwas in der Eidechse umhergeschwenkt, und habe schließlich NGC7209 als deutlichen Nebel erkennen können. NGC7243 hatte ich phasenweise vermutet, aber dann doch nicht gefunden.Leichte Beute waren dann die Objekte M13, M15 und M11. Alle Nebel waren deutlich als helle Milchwölkchen zu erkennen. Besonders M11 war brilliant. Der letzte kleine Schwenk galt der Cassiopeia. In der Delta Cassiopeiae Region fand ich dann schließlich noch M103, der als schwacher länglicher Nebel erschien, sowie per indirekter Sicht NGC 663 und NGC 457.

Dann ging es nach langwierigem Scheiben frei wischen, durch den mittlerweile recht kräftigen Nebel, zurück nach Haus.

Clear Skies
Matthias


Visual Deep Sky Observing and CCD-Imaging: www.Serifone.de

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