Kurzbeobachtung vom 7.12.2002

Instrumentarium: - 8" f/6 Meade Starfinder mit 40mm, 25mm,12,4mm und  6,4mm Okularen + UHC-Filter, 8-24x50 Zoom Fernglas
                                 
Beobachtungsort:
südwestliches Land Brandenburg auf 52,4° n.B.

Bedingungen: Das Skandinavienhoch beendete an diesem Abend eine lange Phase, in der keine astronomischen Beobachtungen möglich waren. Der Himmel war blank geputzt bis zum Horizont. Es war kein einziges Wölkchen am Himmel zu finden. Das hatte natürlich seinen Preis. Die Temperatur war auf dem freien Feld auf unter -11°C gefallen. Zusätzlich erzeugten die recht großen Luftdruckunterschiede über Mitteleuropa eine frische Brise von 5 Beaufort - in Böen erreichte der eisige Ostwind aber auch mal Windstärke 7. All dies drückte die gefühlte Temperatur nach der Windchill-Skala auf -30°C, und macht aus meinem ungeschützten Beobachtungsplatz einen wahren Eisschrank. Kurzum - wenn ich mich nicht im Windschatten meines Autos schützen, bzw. immer wieder im Innenraum hätte aufwärmen können, wäre es ganz schnell um mich geschehen gewesen. Bei solchen Bedingungen hat der menschliche Körper keine Chance!
Ich hatte alle Vorkehrungen getroffen, und fand mich endlich unter einem kristallklarem 6m6-Himmel wieder. Trotz 4(!) Hosen und 3 Paar Socken, dicken Schuhen und dicker Daunenjacke musste ich trotzdem nach jedem Objekt in Auto fliehen, um Notizen zu machen


Beobachtung:

Zeit: 20.00 Uhr - 23.00 Uhr

Am heutigen Abend standen vor allem die herbstlichen Regionen mit ihren vielen Galaxien auf dem Programm. Hier lockten noch einige H400-Objekte. Nachdem ich mich endlich wieder am Himmel zurecht gefunden hatte (man verlernt viel in 1 Monat!), konnte die Jagd beginnen. Schwerpunkt des Abends war Pegasus mit seinen vielen Galaxien.

Ferne Galaxien im Pegasus

Nachdem ich am Kopf des geflügelten Pferdes den Kugelsternhaufen M15 als "Warmmacher" angeschaut habe, ging es zu den beiden deutlich mit bloßem Auge verfolgbaren Vorderhufen.

NGC 7332 (Gx) (Peg) 11,1mag

Ein ziemlich helles und einfaches Herschel-Objekt, das ich schon im 63mm-Refraktor beobachten konnte. Die Galaxie ist NW-SO elongiert und in deutlicher Kantenlage. An ihrer Südkante zeigt sie auf einen 11mag-Stern. Sie ist überraschend klein, hat aber eine hohe Flächenhelligkeit. Bei 98x konnte ich bei längerer Beobachtung sogar eine Andeutung des zentralen Bulges ausmachen, der deutlich heller wirkt, als der Rest der Galaxie.

NGC 7339 (Gx) (Peg) 12,2mag

Noch eine Galaxie in Kantenlage, ganz dicht bei NGC 7332 - also ein wunderschönes Gx.Pärchen. Die Galaxie ist ziemlich genau OW elongiert, und erscheint visuell etwas größer, als ihr hellerer Nachbar. Allerdings ist sie relativ schwach und nur indirekt gut zu erkennen.

NGC 7321 (Gx) (Peg) 12,9mag

Eine eher schwache Galaxie, die aber ein markantes gleichseitiges Dreieck mit 2 9mag-Sternen aufspannt. Mit indirektem Sehen ist sie aber bei 98x zweifelsfrei auszumachen und erscheint wie ein matter runder Fleck ohne Details.

NGC 7316 (Gx) (Peg) 13,0mag

In meinen Aufzeichnungen steht "nicht gefunden", da meine ausgedruckte Karte einen zu kleinen Maßstab hatte. Aber mir war bei genauer Betrachtung ein nebeliges Objekt aufgefallen, so das ich sicherheitshalber doch eine Skizze gemacht habe. Die Galaxie bildet mit einem 6mag und einem 11mag-Stern ein kleines Dreieck, und ist überraschend gut zu erkennen. Jedoch wirkt sie bei kleiner Vergrößerung fast wie ein Stern. Bei 98x mit indirektem Sehen ist das Objekt aber einwandfrei zu erkennen, und zeigt einen hellen Kern in kreisrundem Halo.

NGC 7241 (Gx) (Peg) 12,9mag

Die Galaxie ist deutlich NS elongiert und nur mit indirekter Sicht bei 98x als schwacher Nebel wahrzunehmen. Sie ist aber nicht genau in Kantenlage, da sie doch etwas breiter erscheint als z.B. das Gx.paar um NGC 7332. Sehr markant war ein heller der, der sich im Süden auf die Galaxie projeziert!

NGC 7177 (Gx) (Peg) 11,2mag

Ein überraschend schwaches H400-Objekt. Ziemlich klein und rund bei 50x - fast übersehen! Bei 98x dann eindeutig aber immer noch ziemlich schwach, mit zum Zentrum leicht ansteigender Helligkeit. Jetzt wirkt die Form auch leicht oval in OW-Richtung.

Damit war die erste Stunde reiner Beobachtung abgeschlossen, und ziemlich frierend zog ich mich auf einen warmen Tee ins Auto zurück.

Trotz eisiger Kälte weiter auf der Jagd

Nachdem ich mich wieder aus dem Auto wagte senkte sich der Pegasus schon bedenklich dem Westhorizont entgegen. Grund genug, nur noch einen kurzen Abstecher in die Region um Alpha Pegasi zu machen. Die NGC 7448-Gruppe lockte.

NGC 7448 (Gx) (Peg) 11,7mag

Ein schönes und deutliches H400-Objekt, und hellstes Galaxiengruppenmitglied. Es zeigt sich ein 3:1 elongierter per indirekter Sicht heller Nebel mit relativ gleichmäßiger Helligkeitsverteilung und wenig auffälligem Zentrum.

Sehr kompakt stehen östlich noch einige Mitglieder.

NGC 7465 (Gx) (Peg) 12,6mag

Hellste von 3 Galaxien, die sich dicht gedrängt in der Nähe eines 8mag-Sternes drängen. Einfach per indirekter Sicht wahrzunehmen. Form rund bis leicht oval. Mäßig helles Zentrum.

NGC 7463 (Gx) (Peg) 13,2mag

Habe ich zunächst für NGC 7464 gehalten. Das DSS-Bild verrät mir im Nachinein meine Sichtung als NGC 7463. Ziemlich schwach, aber indirekt noch deutlich erkennbar. Der nahe helle Stern stört etwas. Von der Form her erscheint die Gx aber nicht wie auf dem DSS-Bild mit schwachen Ausläufern elongiert. Man sieht nur das helle Zentralgebiet, und dies verleiht ihr einen rundlichen Eindruck.

*NGC 7464 konnte ich nicht sehen. Meine Karte war zu ungenau.*

Als nächstes versuchte ich mich am WLM - dem Wolf-Lundmark-Melotte-System, aber dieses war schon zu tief zum Horizont abgesunken, und ich konnte es ebenfalls nicht sichten.

Finale in Fornax

Da mir der eisige Wind schon zu sehr zugesetzt hatte, und ich meine klammen Finger kaum mehr bewegen konnte, beschloss ich zum Abschluss, die gute Horizontsicht zu nutzen, in noch einige Anblicke im Sternbild Fornax zu sammeln. Alpha Fornacis war trotz seiner geringen Höhe mit bloßem Auge zu Sehen.

NGC 1097 (Gx) (For) 9,5mag

Eine sehr interessante Galaxie im Fornax bei -30° Deklination. Man schaue sich unbedingt das DSS-Bild an. Der Wahnsinn! Zudem gehört die Galaxie zu den südlichsten Entdeckungen, die W. Herschel von England aus gemacht hatte - demzufolge muss die Galaxie sehr hell sein. Im Okular erscheint sie bei 50x und 98x als ein ovaler mittelgroßer Nebel, mit mäßig hellem Zentrum. Allerdings erschien die Galaxie aufgrund der geringen Hohe für 9m5 ziemlich schwach. Die elongation der Galaxie erkannte ich zu NW-SO mit einem Verhältnis von 1,5-2:1

South 423 AB-C (DS) (For) 27,8"

Ein hübscher auffälliger Doppelstern. Bei 50x einfach getrennt. Die beiden Komponenten sind mit ihren 8mag fast gleich hell.

NGC 1201 (Gx) (For) 10,7mag

Ein Objekt im nördlichen Fornax - wiederum von W. Herschel entdeckt. Das Objekt steht in recht sternarmen Umfeld, und erscheint bei 98x überraschender Weise sehr hell! Deutlich ist auch die langgestreckte Form, die sich durch eine NS-Elongation auszeichnet.

Das war es dann. Halb erfroren packte ich die Ausrüstung zusammen, und fuhr hochzufrieden nach Haus. 

Der traumhafte Morgen danach

Da die Bedingungen einfach zu gut waren, stand ich schon um 6 Uhr Morgens wieder am Teleskop - dieses Mal am kleinen Refraktor auf dem Balkon, und bestaunte die nun mittlerweile adaptionsgefährdend helle Venus, die sich auch bei 34x mit dem noch recht unscheinbaren Mars zusammen im Gesichtsfeld befand. Dann gönnte ich mir noch einige Minuten mit dem Sonnenaufgang. Dort stand der Rabe im Meridian, und die Frühsommersternbilder wie Libra und Ophiuchus säumten den Süd-Osthorizont. Wann gibts das sonst schon mal, das man fast den gesamten Himmel in einer Nacht zu Gesicht bekommt, wenn nicht im Winter. Von den Frühherbststernbildner wie Pegasus, bis zum frühen Sommer mit Libra war alles zu sehen - nur das echte Highlight - der Skorpion nämlich, versteckte sicht noch im Glanz der Sonne.

Clear Skies
Matthias


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