Beobachtungen vom 5.11/6.11.2002

Instrumentarium: - 8" f/6 Meade Starfinder mit 40mm, 25mm,12,4mm und  6,4mm Okularen + UHC-Filter
                                 
Beobachtungsort:
Mittelmark/Land Brandenburg auf 52,4° n.B.


Beobachtung am 5.11.02:

Zeit: 21.00 Uhr - 0.00 Uhr

Nach der Anfahrt zu meinem Beobachtungsplatz fand ich mich auf immer noch Schneebedecktem Feld im dichten Bodennebel wieder. Was für ein Anblick - der dichte Nebel, der die Sichtweite auf wenige Meter begrenzte, aber beim Blick in den Zenit die strukturierte Herbstmilchstraße. Keine Frage - ein andere, höher gelegener Fleck musste her. So begab ich mich auf eine 1 Stunde dauernde Fahrt zu verschiedensten alten Beobachtungsplätzen in der nähen, aber keiner wollte mich so recht überzeugen. Es war schon 22 Uhr, und ich hatte das Teleskop immer noch nicht aufgebaut. So beschloss ich kurzerhand, noch einmal zu meinem "Nebelfeld" zu fahren - dort wollte ich beobachten, oder gar nicht. Und siehe da - der Nebel hatte sich völlig aufgelöst!

Leider war die Nacht sehr kalt mit knapp an die -10°C auf dem Feld (selbst in der Ortslage hatte es -7°C). Die Nacht war leider nicht ganz so exzellent, wie die vorherige. Die Grenzgröße erreichte immerhin 6m4. Aufgrund von Horizontdunst beschloss ich nur noch eine kurze Jagd im Cetus für diesen Abend. Leider waren die ansässigen Objekte überraschend schwer.

NGC 1055 (Gx) (Cet) 10,6mag

Ziemlich groß, langgestreckt aber doch ziemlich "breit". Überraschender Weise nur indirekt deutlich wahrnehmbar. 2 hellere Sterne stehen direkt auf bzw neben dem Nebel und beieinträchtigen die Wahrnehmung deutlich! Eine Seite der Galaxie wirkte heller.

M 77 (NGC 1068) (Gx) (Cet) 8,9mag

Die Überraschung des Abends. Sehr deutlicher kleiner Nebel bei 30x, bei 50x deutliche Nebelscheibe direkt westlich neben einem 11m-Stern. Jetzt wurde der kleine Nebel interessant. Bei 190x ist der Kern extrem deutlich und verliert im Vergleich zur Galaxie kaum an Helligkeit. Der Nebel wirkte nun nicht mehr rund sondern leicht oval. Bei längerer Betrachtung bemerkte ich zwei Windungen im Halo der Galaxie - zuerst unsicher, dann ohne Zweifel. Ich machte eine kleine Skizze. Es sah für mich aus, als wenn sich aus dem Kern zwei Fragmente "herauswachsen", wobei ich sogar eine jeweils deutliche Windung im Uhrzeigersinn wahrnahm. Bei der späteren Kontrolle mit dem DSS-Bild erschienen an den gezeichneten Punkten tatsächlich die beiden hellsten Arme der hellen Seyfert-Galaxie. Wirklich sehr kompakt, aber bei der recht großen Entfernung kaum verwunderlich.

M 77 bei 190x im 8" f/6 (Norden ist oben - Osten links)

Beim nächsten Objekt konnte ich sehr überraschender Weise nichts erkennen - genau wie beim Folgeobjekt. NGC 1090 und NGC 1087 - eine 12m bzw. 11m-Galaxie waren nicht sichtbar. Lag es am Dunst in den niedrigeren Deklinationen? Überraschender Weise, war der viel schwächere Kompanion NGC 1094 sichtbar.

 

NGC 1094 (Gx) (Cet) 12,5mag

Bei 190x ist ganz in der Nähe eines hellen Sternes deutlich ein kleiner diffuser Nebel mit indirektem Sehen wahrzunehmen. Wieso beschreibt Steve Coe die Galaxie als Limit für seinen 13"? Hohe Vergrößerung ist der Schlüssel zum Erfolg.

NGC 1032 (Gx) (Cet) 11,6mag

Bei 98x relativ einfach als kleine helle Spindel erkennbar. Überraschend war die hohe Flächenhelligkeit. Die Galaxie ist deutlich in Kantenlage.

NGC 1073 (Gx) (Cet) 11,0mag

Das komplette Gegenteil zu NGC 1032. Es zeigt sich ein sehr großer diffuser Nebel - relativ schwierig zu sehen. Am besten war die 50x bei indirektem Sehen. Die Galaxie ist von der Flächenhelligkeit her sehr dunkel. Dafür zeigt sie auf dem DSS-Bild wunderbare Strukturen.

NGC 1016 (Gx) (Cet) 11,6mag

Schon bei 50x mit indirektem Sehen deutlicher runder Nebel. Er steht laut Karte in einem dichten Galaxienhaufen, der jedoch nicht erkennbar ist. Das dichte Sternfeld erstickte meine Versuche im Ansatz - nur NGC 1004 hatte ich vermutet.

Aufgrund der Kälte packte ich doch bald die Sachen, aber eine kleine Feldstecher-Tour durch die Objekte des Winter und Herbsthimmels ließ ich mir nicht entgehen. Äußerst überraschend war der deutliche Anblick von M33. Es war im 8x50 kein strukturloser Fleck zu erkennen, sondern vielmehr ein deutlich ovaler Nebel, der sogar schon Ansätze von Struktur präsentierte. Es schien, als hätte der ovale Nebel an den gegenüberliegenden Seiten jeweils eine kleine Unregelmäßigkeit. Hier deuteten sich wohl die Spiralarme an!

 

Beobachtung am 6.11.02:

Zeit: 20.00 Uhr - 23.30 Uhr

Beobachter: Matthias Juchert, Daniel Förder

Auch dieser Abend war noch einmal zum Beobachtungsabend erklärt worden. Angesetzt war eigentlich nur ein kurzer Spechtelabend mit einem Studienkollegen, aber wie man sehen kann sind es fast 4 Stunden bei weiterhin eisigen Temperaturen geworden. Leider war der Himmel an diesem Abend nicht ganz so gut, und es schien sich im weiteren Verlauf noch etwas einzutrüben. Die Luft schien angereichert von Feuchtigkeit, und selbst entfernte Autoscheinwerfer streuten in enormem Maße. Überraschender Weise war Berlin nicht wahrzunehmen, jedoch war nun die etwa 2km-Luftlinie entfernte Produktionsstätte eines Getränkeherstellers störend. Grenzgröße heute von 6m3 bis 6m0 gegen Ende der Beobachtung.

Trotzdem stürzten wir uns voller Tatendrang in die Beobachtung. Nach einigen Einstiegsobjekten begannen wir parallel mit der Beobachtung am 8-Zoller und am Feldstecher. Ich gebe hier nur ein Objekt zum besten...

NGC 752 (Oc) (Tri) 5,7mag

Schon deutlich mit indirektem Sehen als recht großer Nebelfleck für das bloße Auge sichtbar. Schöner Anblick im 8x50. Die große Nebelwolke gibt etwa 20 hellere Sterne Preis. Darunter sind verschiedenste Helligkeiten vertreten. Am Westrand steht das helle Sternpaar 56 Trianguli.

Dann kamen wir zum Hauptobjekt des Abends - M 33. Endlich wollte ich einmal die Spiralstruktur der Triangulum-Galaxie erkennen. Leider war die Nacht nicht optimal für diesen Versuch, aber die Erfolge des Vortages mit M77 gaben Antrieb.

M 33 (NGC 598) (Gx) (Tri) 5,7mag

Beobachtet wurde mit sämtlichen Vergrößerungen, vorzugsweise aber mit 50x, da wir ja nach Struktur in der Galaxie sehen wollten. Insgesamt haben wir trotz eisiger Temperaturen fast 2 Stunden(!) nur M33 beobachtet. Die ersten Anblicke der Galaxie bei 30x waren eher enttäuschend. Der ovale Nebel war zwar deutlich, aber er ertrank tatsächlich im Himmelshintergrund. 50x lieferte zwar nicht die optimale Austrittspupille, aber dafür heute die besten Ergebnisse. Nach kurzer Beobachtung vermutete ich einen, sich nach Süden - entgegen des Uhrzeigersinns windenden - Spiralarm. Nach längerer Beobachtung entdeckten wir dann im Nordteil die winzige HII-Region NGC 604, die man bei dieser Vergrößerung leicht übersehen kann. Bei 190x mit UHC fast diese jedoch deutlich 2:1 elongiert als Nebel erkennbar. Am Ende der 2 Stunden hatte wir 3 Spiralarme entdeckt. 

1. - den südlichen, schon am Anfang vermuteten, der auch am größten erschien. Ich meinte, noch 2 etwas abgesetzte Knoten erkennen zu können. 

2. - den nordöstlichen Spiralarm, an dessen visuell erkennbarem Ende die schon genannte HII-Region stand. Er war ziemlich kurz, aber im Ansatz recht breit, und in seinem Endbereich schien er mit zahlreichen hellen Sternen verziert. 

3. -  den zuletzt entdeckten, und anfangs nur von mir gesehenen Arm - ein sehr kurzer, sich aus dem Kern nach Osten bewegte, und bei einem hellen Stern abrupt sein Ende fand. Bei 98x war dieser dann aber ziemlich deutlich, und stellte sich auf späteren Vergleichen mit einigen Bildern auch als real heraus.

Insgesamt ist die Spiralstruktur bei diesen Bedingungen eine ziemliche Herausforderung, und es hilft sehr, gesehene Details auf einer Skizze zu vermerken um nicht im großen Halo der Galaxie verloren zu gehen. Leider haben wir an diesem Abend keine höheren Vergrößerung angewandt, denn so wären wahrscheinlich noch einige Knoten erkennbar geworden. So bleibt dies vielleicht eine Aufgabe für die nächste Beobachtungsnacht.

M 33 bei 50x im 8" f/6 (Norden ist oben - Osten links)

 

M 77 (NGC 1068) (Gx) (Cet) 8,9mag

Nach einer kurzen Aufwärmpause noch einmal  in den Cetus. Aber trotz intensiver Betrachtung sind die Spiralarme heute nicht zu erkennen. Wohl aber haben wir eine gewisse in NS-Richtung elongierte Aufhellung des Zentralgebietes bemerkt. Eine ganz andere Welt als M33. Klein, kompakt und ziemlich flächenhell, was die hohen Vergrößerungen völlig problemlos möglich macht.

Und zum Abschluss noch 2 wunderbare Objekte...

M 42/M 43 (NGC 1976/ NGC 1982) (Neb) (Ori) 4,0mag

Wunderbarer Gasnebel mit unvergleichlichem Anblick. Der UHC-Filter bringt deutlich mehr Details. Die zentrale Huyghens-Region fasziniert mit beeindruckend gemottelten Details. Das Sinus Magnus dringt von Nordosten her in den Nebel ein. M43 ist einfach als ovale Nebelwolke um einen 7mag-Stern zu sehen.

Saturn

Exzellent. Titan, Reha, Dione und Tethys einfach bei 190x zu erkennen. Deutlich ragt ein Teil der Ringe über den Planeten und verleiht dem Anblick die unvergleichliche Dreidimensionalität. Cassini-Teilung deutlich. Auch etliche Strukturen auf der Planetenoberfläche. 

Dann war aber wirklich Schluss und die mit einer kräftigen Reifschicht belegten Scheiben der Autos, boten ohnehin noch genug Aktivitätsraum. Mit kalten Füssen und fast nicht mehr beweglichen Fingern begab sich jeder auf den Heimweg.

Clear Skies

Matthias


Visual Deep Sky Observing and CCD-Imaging: www.Serifone.de

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