Beobachtungsnacht vom 6/7.10.2002

Instrumentarium: - 2,5" f/13,3 Zeiss-Refraktor + UHC-Filter
                                 
Beobachtungsort:
Land Brandenburg auf 52,4° n.B.

Bedingungen: Tja - so kann's gehen. Ist der Urlaub vorbei, verziehen sich die Wolken im großen Stil. Für eine Fahrt zum angestammten Beobachtungsplatz reicht die Zeit nicht. Also baue ich meinen kleinen Refraktor bei exzellentem Himmel auf dem etwas von Straßenlampen beleuchteten Balkon auf. Trotz der Beleuchtung ereiche ich noch etwas mehr als fst 6m0. Etwas schwächere Sternbilder wie Pisces oder Cetus waren vollständig nachvollziehbar, und selbst Fomalhaut sandte noch tief über einem Hausdach einige Photonen in meine Richtung. 


Beobachtung:

Zeit: 22.00 Uhr - 01.00 Uhr

Eine klare Nacht also - warum nicht einmal wieder die Grenzen des 2,5" ausloten, wo der Herbsthimmel doch immer als Wüste für kleine Instrumente gilt... Das war das Thema des Abends. Los ging es im Delfin und gleich im Anschluss tief in den Wassermann.

Struve 2725 (Del) (Ds) 6,1"

Ein schönes Paar, gut getrennt bei 84x, wobei der etwas weitere Ds Gamma Del auch noch getrennt im Feld erscheint. Der Helligkeitskontrast ist gering und der Positionswinkel ist annährend 0°.

NGC 7293 (Pn) (Aqr) Pn 6,3mag

Das Aufsuchen der Position ist einfach, aber ich sehe selbst mit einigen Augenverrenkungen nichts. Dann halte ich bei 21x einfach mal den UHC zwischen Okular und Auge und sofort konnte ich einen großen schwachen Nebel orten. Mit 34x ohne Filter war nun auch vage etwas zu erkennen. Bei dieser Vergrößerung mit Filter vor dem Auge, konnte ich sogar schon ein ansatzweise dunkles Zentrum, und einen helleren, begrenzten Rand erkennen! Zusätzlich waren ohne Filter 2 10mag-Sterne im Nebel wahrnehmbar.

Dann war eine ganze Stunde Wolkenpause - Zeit für ein Blick auf den Satellitenfilm und zum heraussuchen interessanter, neuer Objekte. 

3 Pegasi  (Ds) 40,1"

Schon bei 21x einfach getrennt. Ein weißer Hauptstern, und ein scheinbar gelber Begleiter stehen im PW von etwa 330° zueinander.

Struve 2848 (Peg) (Ds) 10,7"

Schön! Mit Mühe ist ein ganz leichter, an der Grenze meiner Wahrnehmung liegender Helligkeitskontrast von 0,2-0,3mag zu erkennen.

Im selben Blickfeld bei kleiner Vergrößerung ist....

SHJ 336 AB (Peg) (Ds) 95,1"

Gleicher PW wie der nahe Struve 2848! Im Teleskop selbst bei 21x weit und unspektakulär. Ein 8mag und ein 9mag-Stern in enormem Abstand.

Die Nacht war so ungewöhnlich gut für meinen Balkonbeobachtungsplatz - da musste ich einfach die schwachen Galaxien im Pegasus/Pisces-Bereich versuchen. Für den Einstieg: Der helle Kugelsternhaufen M 15 war zwar einfach als heller Nebel zu sehen, zeigte aber keine Auflösung. 

NGC 7479 (Gx) (Peg) 10,9mag

Sehr, sehr schwach im 2,5". Dieser Nebel scheint in N-S-Richtung zu einem hellen Stern hin elongiert. Bei hoher Vergrößerung sieht man ihn zwar nicht mehr, aber ein Sternchen scheint hindurch zu blitzen.

NGC 7332 (Gx) (Peg) 11,1mag

Schon bei 21x blitzt dieser Nebel kurzzeitig auf. Er ist deutlich einfacher erkennbar, als der vorherige. Ich bestimmte die Elongation der kleinen hellen Spindel zu NNW-SSO.

NGC 7814 (Gx) (Peg) 10,6mag

Wiederum eindeutig. Bei 34x mit indirekter Sicht ganz gut zu halten. Relativ kurzer, breiter Nebelbalken NW-SO ausgedehnt.

Ich entdeckte im Karkoschka dann einige noch nicht beobachtete Doppelsterne im Bereich Pisces. Das sind immer lohnende Objekte für den Refraktor, wie ich finde.

35 Piscium (Psc) (Ds) 11,5"

Die beiden Sterne sind 6m0 bzw. 7m6 hell, was zu einer aufsummierten Helligkeit von 5m8 führt. Der Stern war mit etwas Konzentration recht einfach für das freie Auge sichtbar (siehe fst oben). Die Trennung gelingt bei 21x knapp, besser sind aber 34x. Ein schönes Exemplar.

Zeta Piscium (Psc) (Ds) 22,8"

Schon im 40mm Okular (21x) ist dieser helle Doppelstern einfach getrennt. Ich schätze den Positionswinkel auf 30°, wobei der Helligkeitsunterschied erkennbar ist. Die Sterne zeigte jedoch eine "normale" weiß-bläuliche Färbung.

Psi1 Piscium (Psc) (Ds) 29,8"

Wunderschön bei 21x getrennt. Hier handelt es sich wohl auch um einen Feldstecher-Doppelstern, den ein 10x50 wohl packen sollte. Beide Komponenten sind fast gleich hell. Es liegt wirklich hart an der Grenze meiner Wahrnehmung (0,3mag Differenz) , aber ich habe mich dann doch sicher für den PW von etwa 180° entschieden.

South 398 (Psc) (Ds) 69,0"

Beim drüberschwenken gefunden. Ein weites Paar aus einem 6mag und einem 8mag-Stern im Positionswinkel von 90°. Bemerkenswert ist eigentlich nur die Farbe des gelben Hauptsterns.

Etwas südlich dieses Sternes bin ich noch über ein ähnliches, nur weitaus schwächeres Pärchen von Sternen gestolpert. Dieses ist jedoch nicht im Washington Double Star Catalogue verzeichnet. Eigentlich suchte ich ja nach einigen schwachen Pisces-Galaxien. Keine leichte Beute, wie sich schnell herausstellte.

NGC 488 (Gx) (Psc) 10,3mag

Schon recht schwierig beobachtbar. Nur bei 34x mit indirektem Sehen und leichtem Spiel an der Feinbewegung zu halten - dann aber sicher. Mittelgroß aber ohne erkennbares Zentrum. Ein 10m-Stern steht dicht im Westen.

NGC 474 (Gx) (Psc) 11,5mag

Sehr schwierig. Nur phasenweise sichtbar, aber ich kann sie noch knapp erkennen. Kleiner als NGC 488 und etwas länglich(?).

NGC 520 und IC 1613 (ein Mitglied der lokalen Gruppe) lassen mir dann keine Chance mehr. Sie sind definitiv nicht sichtbar. Zum Abschluss noch die bekannte schwierige Messier-Galaxie in den Fischen.

M74 (NGC 628) (Gx) (Psc) 9,4mag

Schwierig? Erstaunlicherweise ist sie heute ziemlich gut wahrnehmbar - zumindest im Vergleich zu den NGC-Galaxien die ich vorher beobachtet hatte. Sie erscheint als deutlicher diffuser Blob mit erkennbar hellem Zentrum, und war knapp mit direktem Sehen zu erkennen. Ich darf  mich wohl beim Himmel bedanken, denn sonst war M74 erst von meinem Beobachtungsplatz auf dem Feld mit dem 2,5" wahrzunehmen.

Dann habe ich die Sachen gepackt und mich etwas wehmütig zur Ruhe begeben. Es war wirklich sehr kalt geworden, wovon der Himmel jedoch nur profitierte. Orion glitzerte schon fast vollständig über dem Horizont. Aber ich musste am nächsten Tag früh raus. Was soll es - die nächste klare Nacht kommt bestimmt.

Clear Skies
Matthias


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