Beobachtungsabend vom 6.10.2001

Instrumente: 2,5" f/13,3 Zeiss Refraktor, Logitech Quickcam Pro 3000 (Okularprojektion), Mustek-Webcam (Aldi)(Fokalaufnahme) 

Zeit: 1.00 Uhr - 6.00 Uhr

Bedingungen:

Es war eine wirklich fantastisch klare Nacht! Da aber der Erdtrabant vom Himmel brannte, und sich mit 88%iger Beleuchtung auch noch enorm hell zeigte, blieb mir nur mehr eine Planeten- und Doppelsternobservation. Wie gesagt - die Durchsicht war vom feinsten, aber das es sich trotzdem um eine Grenzgröße von 5m0 handelte, lag keines falls an atmosphärischen Störungen. Das Seeing zeigte sich sehr wandelnd - mal konnte ich jauchzend enge Doppelsterne trennen, dann wieder hatte man gar Mühe, durch Luftschlieren die beiden deutlichsten Wolkenbänder von Jupiter zu erkennen! Zumindest war die Nacht nicht all zu feucht, und so konnte ich mit den Webcams auf Hochtouren arbeiten, ohne, daß ich befürchten müßte, ihnen all zu großen Schaden zu zufügen! ;-) 

Beobachtung

Eigentlich begann ich die Observationen am Nordfenster mit einigen Doppelsternen im Drache und der umgebenden Regionen. Aber davon später mehr - zu sehr beherrschte Luna die Nacht.

Der Mond befand sich heute im Sternbild Stier und stand hoch am Himmel - die in 10 Grad Abstand gelegenen Plejaden, wurden heute völlig überstrahlt, und so konnte ich sie mit bloßem Auge nicht erfassen!

Diese Aufnahme wurde am 40mm Okular mit der Quickcam projeziert. 



Da der Mond zu groß ist, um ihn durch die enge Öffnung des 4mm-Okulares in ausreichender Größe zu projezieren, verwendete ich für Detailaufnahmen die Mustek-Webcam (Aldi-Webcam), die lange nicht so gute Bilder wie die Quickcam liefert, dafür aber ein abschraubbares Objektiv besitzt!

Das Bild zeigt nahe der Terminatorgrenze wunderbar die Krater Atlas (rechts) und Hercules (links). Zwar noch auf der beleuchteten Mondseite, aber doch sehr auffällig ist der dunkele Krater Plato! Etwa in der Mitte dieser Fomationen zeigen sich die beiden Krater Aristoteles und Eudoxus in Nord-Süd-Ausrichtung!

Diese Aufnahme entstand, indem ich einfach etwa 20 Bilder mit einer 50%-Transparenz per Photoshop überlagerte. Giotto gelang partout keine saubere Addition der Bilder - deswegen diese etwas umständliche Methode!


Diese Aufnahme stellt den Terminatorbereich, südlich des Mondäquators dar! Bei etwa 10° südlicher Breite ist der markante Krater Gutenberg situiert, der durch seine längliche Form auffällt. Im Sud-Westen schließt sich dann das Mare Nectaris an. Es zählt zu den kleinsten Mare auf dem Mond, kann aber mit dem bloßen Auge trotzdem gut erkannt werden. Im Osten wird es durch die Pyrenäen begrenzt, die soeben im dunkelen verschwinden. 

 Im südlicheren Terminatorbereich zeigen sich viele Kratersysteme, die sich teilweise überlagern, zu ihnen gehören die großen Krater Metius, Fabricius und Pitiscus!

Die Aufnahme entstand durch Kombination von zwei Fokal-Aufnahmen. Jede wurde nach der vorher beschriebenen Technik aus etwa 15 Aufnahmen addiert, und so das Rauschen herausgemittelt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Nun wandte ich mich den Doppelsternen zu .... 

Zum aufwärmen stand Mizar, der erste, überhaupt als Doppelstern erkannte Stern, auf dem Programm.

Die linke Aufnahme entstand am 40mm Okular, die rechte am 4mm Okular. Besonders interessant ist, das der Begleiter von Mizar und Alkor die gleiche Helligkeit haben, was mir erst nach dieser Aufnahme bewusst wurde. Zudem ist wohl Alkor auch noch ein ferner Begleiter von Mizar - zwar in einer sehr großen Distanz, aber es macht Mizar zum einzigen mir bekannten Stern, in dem die, in physikalischer Beziehung stehenden Komponenten mit bloßem Auge zu trennen sind!

Dann habe ich einige weite Doppelsterne im Draco observiert.

Psi Draconis -  ein hübscher Doppelstern, der leicht im 40mm-Okular getrennt wird. Die Farben die in Helligkeit leicht unterschiedlichen Komponenten nahm ich als weiß wahr. Distanz - 30,1"

Ny Draconis - Ein sehr schönes Beobachtungsobjekt für Fernglaser. Die beiden genau gleich hellen Komponenten stehen stehen in etwa 1' Abstand voneinander. Das Bild macht deutlich, das die Farbe beider Sterne blau ist!

Projeziert am 40mm Okular des 3" Refraktors

Am Südost-Horizont war mittlerweile Orion aufgegangen. Er war das einzige Sternbild, das durch die Mondbeleuchtung nicht an Brillanz verlor. Da bot es sich an, hier noch einige Doppelstern zu observieren.

22 Orionis - Heller Doppelstern - einfach getrennt im Feldstecher. Mit bloßem Auge bei 4' einen Versuch wert! (Webcam-Bild demnächst in der Doppelstern-Sektion)

23 Orionis - Getrennt im 40mm Okular. Deutlicher Helligkeitskontrast! (Webcam-Bild demnächst in der Doppelstern-Sektion)

Delta Orionis - Ja - auch der rechte Gürtelstern ist ein einfacher Doppelsterne für kleine Fernrohre. Leicht im 40mm Okular zu trennen. 25mm bieten aber wegen der großen Helligkeit der Hauptkomponente den besseren Gesamteindruck. (Webcam-Bild demnächst in der Doppelstern-Sektion)

Lambda Orionis - 10mm Okular notwendig! Deutlicher Helligkeitskontrast! Umgeben vom Sternhaufen Collinder 69.

Sigma Orionis - Sehr schönes Mehrfachsystem. Jedes Okular hat sozusagen seine eigene getrennte Komponente. Der Stern soll wohl mindestens 5-fach sein, wobei A und B nur 0,2" auseinander stehen. Das Webcam-Bild zeigt ihn auf jeden Fall dreifach!

Projeziert am 10mm Okular des 3" Refraktors

42,45 Orionis - Anregende Sterne für den "Running Man Nebula" (NGC1973,1975,1977) Unspekatkulär - wohl schöner im Feldstecher! Ev. bloßes Auge!

Theta Orionis - DER Paradestern unter den Mehrfachsystemen. Er besteht sicher aus einem Duzend Komponenten. Der Feldstecher teilt den anregenden Stern des Orionnebels in Theta 1 und 2. Theta 2 sieht man hier wiederum doppelt. Theta1 ein ist das bekannte "Trapez"! Das Trapez besteht aus vielen Komponenten - habe schon von G und K-Komponenten gelesen! Die Komponenten A - D sind im Teleskop bei 40mm eigentlich schon zu erkennen. D bereitet wegen Lichtschwäche und geringem Abstand noch Probleme. Deshalb empfehle ich das 25mm Okular, oder besser das 10mm! Mein Bild zeigt Theta Orionis schon 6-fach! Ganz schwach kommt die 8mag-Komponente D zum Vorschein. Zur Not mit dem Karkoschka vergleichen!

Projeziert am 10mm und am 4mm Okular des 3" Refraktors

Iota Orionis - Netter Doppelstern fürs 25mm Okular. Riesiger Helligkeitskontrast!

...die anderen Doppelsterne hab ich dann nicht mehr geschafft, oder sie gleich sein lassen - das Seeing war wie gesagt eher bescheiden!

Nun aber zu den beiden Stars am derzeitigen Nachthimmel...den beiden Gasplaneten Jupiter und Saturn.....

Jupiter - wie schon beschrieben, visuell war das südliche Äquatorband kaum zu erfassen (Seeing!) Auch die Monde trieben eben ein seltsames Versteckspiel vor, neben und hinter der Planetenscheibe. Im Schatten war ein Mond so geschwächt, das er wohl nur noch 9 oder 10 mag hatte! Hier zwei Bilder, die aus 150 Aufnahmen mit Giotto addiert und gefiltert wurden. Alle Aufnahmen wurden projiziert! Bin mir nicht sicher, ob der große rote Fleck erkennbar ist, oder ob das nur ein anderer Wolkenstrudel ist. Die blaue Farbe resultiert aus der zwangsläufigen Unterbelichtung der Aufnahme bei Projektion. Bei farbkräftigen Einstellungen (längere Belichtung) würde der Planet hoffnungslos überbelichtet!

                  

Projeziert am 4mm Okular des 3" Refraktors

Saturn - Der Ring kam in ruhigen Momenten schon sehr gut heraus. Titan war überdeutlich, nach anderen Monde hab ich heute nicht Ausschau gehalten - war auch zu hell durch den Mond. Die Cassiniteilung kam fast durch - wird wohl in den nächsten Wochen noch klappen - eine Nacht mit ruhigem Seeing, und schon hab ich sie! Zwei unterschiedlich gefilterte Projektionsaufnahmen und eine Fokalaufnahme können im folgenden verglichen werden...

         

Projeziert am 4mm  Okular des 3" Refraktors

Etwas unscharfe Fokalaufnahme am 3" Refraktors bei knapp 800mm Brennweite

Der Abschluss des Abends sollte einem Versuch dienen....Deep-Sky mit der Webcam.

M44 - der helle Sternhaufen Praesepe stand Pate für die zweite Probe - an M45 konnte ich mit der Webcam ja bereits etwa 30 Sterne abbilden. Hier wurden nun 100 Bilder addiert, der Kontrast verstärkt und viel gefiltert

Projeziert am 40mm  Okular des 3" Refraktors

Wie man erkennt, scheint eine leichte Bilddrehung um den zentralen Stern stattzufinden, was auf ungenaue Nachführung, und fehlerhafte Addition per Giotto zurückzuführen ist! Ich bin da noch am basteln, aber es wird schon irgendwann. Das zentrale "Nikolaushaus" von M44 ist aber schon fast zu erkennen - es zeigt nach rechts-oben mit dem weiten Doppelstern als Dach.

Mit dem Aufgang der Venus am Morgenhimmel ist meine heutige Mission abgeschlossen! :)

Fazit: Schon allein der Fakt, das ich drei Tage damit beschäftigt war, das Rohmaterial zu sichten, spricht für den Erfolg des Abends! So hab ich auch viele Doppelsterne im Orion jetzt schon auf Bild gebannt, und muss meinen PC dann nich in der winterlichen Kälte quälen. Die viele Details - besonders der Jupiter-Bilder überraschen - was kann ich da noch heraus holen, wenn ich die Technik verbessere?....! 

Clear Skies an alle fleißigen Beobachter!


Deep-Sky und Planetenbeobachtung mit kleinen Teleskopen: www.Serifone.de

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