Beobachtungsnacht vom 5-6.4.2002

Instrumentarium: 8" f/6 Meade Starfinder

Bedingungen: Die dritte sehr klare Nacht in Folge, und meine (ich weiss es schon gar nicht mehr) ;) mind. 5 Beobachtungsnacht innerhalb der letzten 6 Tagen! Grenzgröße im Zenit wieder jenseits von 6m3. Fabelhafte Horizontsicht, aber ich musste mit einem gewissen Druck im Nacken beobachten, da für die spätere Nacht Wolken angekündigt waren. Diese ließen sich aber bis Beobachtungsende nicht blicken. Ein eisig-kalter Nordostwind und Temperaturen von -5° C machten das ausharren auf dem ungeschützten freien Feld aber sehr unangenehm, und so kauerte ich mit dem Starfinder im Windschatten meines Autos. Diverse Quellen hellten im Norden, Osten und ganz schwach heute auch im Süden den tiefen Horizont auf. Hier war es zum Glück recht dunkel.


Beobachtung: 

Zeit: 21.30 Uhr - 0.30 Uhr

Ikeya Zhang - Wiederum mit bloßem Auge erkennbar. Ein wirklich strahlender Komet im Blickfeld und der lange Schweif war sehr beeindruckend über mehrere Gesichtsfelder zu verfolgen.

*Dann hatte ich für mich eine neue Sportart entdeckt. Deep-North-Madness. Andromeda stand schon weniger als 9° überm Nordhorizont!*

M31 (NGC 224) (Gx) (And) - Deutlicher großer Nebel. Bei der Höhe war mit dem bloßen Auge nichts mehr zu machen Bei 50x schon deutlich größer als das Gesichtsfeld. Das längliche Zentralgebiet fällt besonders auf. 

M32 (NGC 221) (Gx) (And) - Sehr schwach zu erkennen, aufgrund der geringen Horizonthöhe. Indirekt ein schwacher runder Nebel, der zum Zentrum heller wird.

M110 (NGC 205) (Gx) (And) - Für die Höhe überraschend deutlich zu erkennen Wie eine Mini-Andromeda-Galaxie. Insgesamt ziemlich groß und hell.

*Die nächste Etappe führte mich in den südwestlichen Teil der Wasserschlange*

NGC 3242 (Pn) (Hya) - Sehr helle bei 50x noch durchschnittlich große Scheibe, die in deutlich bläulichem Farbton schimmert. Bei 190x will das Scharfstellen nicht gelingen, und so bleibt's bei einem fumsigen jetzt großen Kreis ohne Details.

NGC 3200 (Gx) (Hya) - Recht schwacher länglicher Nebelstreif, der sich in annährender Nord-Süd-Richtung ausstreckt.

*Die Suche nach der Galaxie NGC 3124 verlief zwar im Sand, aber dicht südlich der vermuteten Stelle fand ich einen schönen Doppelstern.

S 607 (Ds) (Hya) - South 607 - ein schöner auffälliger Doppelstern bei 50x Vergrößerung. Zwei annährend gleich helle 9mag Sterne stehen in etwa 9,6" Distanz zueinander. Sehenswert!

NGC 3091 (Gx) (Hya) - Entdeckt von Herschel und als H II 293 katalogisiert. Erkennbar, aber nur mit etwas Anstrengung. Eventuell länglich ausgedehnt?

NGC 2986 (Gx) (Hya) - Gesamteindruck diffus. Größere Galaxie, die allerdings recht tief steht, und so schwierig zu erkennen ist.

NGC 3109 (Gx) (Hya) - Sehr schwierig! Kaum 11° über dem Horizont. Beim beobachten fallen mir mehrere Sterne im besagten Bereich der Galaxie auf, die von einem sehr schwachen Leuchten umgeben erscheinen. Die gewaltige Ausdehnung der Galaxie ist bei weitem nicht zu erkennen. Später werfe ich daheim noch ein Blick auf das DSS-Bild und die Galaxie sieht sehr ungewöhnlich aus - bestehend aus einigen sehr ausgedehnten HII-Regionen und zudem ist sie schon teilweise in Sterne aufgelöst. Sehr verdächtig. Ein Blick ins Netz bestätigt meinen Verdacht - es handelt sich um ein Mitglied der Lokalen Gruppe!

*Dann ein Abstecher in den südlichen Ausläufer des Löwen.

Tau Leo und 83 Leo - Zwei schöne weite Doppelsternpaare im Gesichtsfeld meines 25mm Okulars Tau Leo besteht aus zwei helleren fast 90" getrennten Komponenten während der Nahe 83 Leo deutlich schwacher ist, aber beide Komponenten ebenfalls noch 28" getrennt sind. Ein durchaus reizvoller Anblick im Okular.

NGC 3640 (Gx) (Leo) - Ziemlich groß und recht hell, mit homogener Helligkeitsverteilung. Gesamtform oval bis rund. 

NGC 3641 (Gx) (Leo) - Ganz in der Nähe von NGC 3640. Mit indirektem Sehen ein heller sehr kleiner nebelhafter Stern. 

NGC 3630 (Gx) (Leo) - Schwieriger. Kleine diffus Galaxie, die nur mit Mühe erkennbar ist. 

NGC 3521 (Gx) (Leo) - Etwas ungeschickt aufzufinden, da in der direkten Umgebung kaum markante Sternfelder zu finden sind, aber wenn man die Galaxie erst einmal gefunden hat wird man wirklich belöhnt. Sehr große und sehr helle Galaxie, die sich in SSW, NNO-Ausdehnung darbietet. Die geschätzte Elongation beträgt 3,5:1. Dabei erscheint sie in ihrer Ausdehnung recht flächig, und besitzt einen hellen, gut sichtbaren Kern.

*Die war schön - nun aber doch noch auf eine Runde in den Virgo-Haufen. Heute war der Bereich südlich der hellen Zentralgalaxie M87 an der Reihe*

M87 (NGC 4486) (Gx) (Vir) - Sehr hell, sehr groß, rund und wiederum gesäumt von vielen Sattelitengalaxien. Sie war der heutige Startpunkt meiner Reise.

NGC 4452 (Gx) (Vir) - Kleine helle zur Nadelform elongierte Virgo-Galaxie, die per indirekter Sicht bestens erfassbar war.

NGC 4429 (Gx) (Vir) - Helle und ziemlich große ovale Galaxie, die sich etwas quer zur Ost-West-Richtung stellt, und dicht im Norden von einem recht hellen Stern begleitet wird. Im Südwesten steht in größerer Entfernung noch ein weiterer Stern.

M58 (NGC 4579) (Gx) (Vir) - Für eine Messier-Galaxie erstaunlich lichtschwach. Aber im Vergleich zu den vorherigen ziemlich hell. Eine große ovale Galaxie ohne jegliche weitere Struktur.

NGC 4564 (Gx) (Vir) - Kleine längliche Spindel, mit recht hoher Helligkeit und erkennbar hellem Zentrum.

NGC 4567/NGC 4568 (Gx) (Vir) - Die Siamesischen Zwillinge. Wunderschönes Galaxienpaar, das mich z.B. mehr beeindruckt als die Rattenschwanz-Galaxien im Corvus. Zunächst ist ein flächiger heller Nebel zu erkennen, die über eine beachtliche Ausdehnung verfügt. Sehr schnell wird im Südosten ein großer Einschnitt im Nebel evident, jedoch gelingt es nicht, die Galaxien auf voller Länge zu trennen. Sie scheinen wirklich an einem Ende zusammen gewachsen zu sein! Bei sehr genauer Betrachtung erscheint NGC4568 erkennbar heller zu sein!

NGC 4528 (Gx) (Vir) - Sehr kleine recht helle Galaxie in weitestgehend sternarmer Umgebung.´, was das aufsuchen etwas erschwert.

NGC 4503 (Gx) (Vir) - Recht große längliche Galaxie mit hellem Kern und auffällig hellem Stern am Ostrand, was einen schönen Kontrast bildet.

NGC 4596 (Gx) (Vir) - Helle große runde bis ovale Galaxie. Gesamtform kann als bauchig oder flächig beschrieben werden.

NGC 4608 (Gx) (Vir) - Gar nicht mehr auf meiner Karte - nur die Beschriftung ragt noch herüber. Trotzdem war die Galaxie leicht zu erkennen, und ähnelte ihrem Nachbarn NGC 4596 doch ziemlich, auch wenn ich sie als erkennbar schwächer in Erinnerung habe.

NGC 4440 (Gx) (Vir) - Recht schwach und oval, aber indirekt gut erkennbar. Nicht nach den Begleitern gesucht.

NGC 4371 (Gx) (Vir) - Ziemlich schwache Galaxie mit hellem Zentralbereich. Dabei zählt sie zu den größeren Galaxien.

NGC 4313 (Gx) (Vir) - Ziemlich schwache Lichtnadel die nicht exakt in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet scheint.

M104  (NGC 4594) (Gx) (Vir) - Die hatte ich irgendwie größer in Erinnerung. Obwohl sie größer war, als viele der letzteren Virgo-Galaxien enttäuschte der Sombrero heute doch. Die längliche ovale Form mit dem erkennbaren zentralen Bulg war am besten bei 190x zu beobachten.

NGC 5746 (Gx) (Vir) - Der Stern 109 Vir stört gar nicht so, wie der Karkoschka erzählt.  Die Galaxie ist schwach aber schön anzuschaun, und erstreckt sich ziemlich genau in Nord-Süd-Richtung edge-on.

M5 (NGC 5904) (Ser) (Gc) - Wieder ein schöner Schlusspunkt. Im 9x60 Feldstecher ein heller Nebelfleck. Mit bloßem Auge ganz evt. sichtbar als Nebelhafter Fleck nördlich des hellen Sternes 5 Ser. M13 war ja ebenfalls mit bloßem Auge deutlich. Bei 50x waren schon einige Sterne der Randgebiete in M5 aufgelöst. Bei 190x waren diesen Gebiete voll von schwachen Sternen und der helle Kern vereinte viele glizernde Sterne zu einem einheitlichen Glänzen. Insgesamt emfand ich rein von der Beobachtung her, das M5 hellere Einzelsterne hat als M13, aber vom Gesamteindruck hat mir M13 zumindest bei 190x doch besser gefallen, und schien sternreicher zu sein.

Clear Skies

Matthias


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