Beobachtungsnacht vom 5.1.2002

Instrumente:  

4,5" Pluto/S f/4,3 + 9x63 Feldstecher auf Stativ + 8-24x50 Zoom Feldstecher

Beobachtungspunkt: freies Feld in Westbrandenburg. auf 52,5° n.B. 

Beobachter: Matthias Juchert, Martin Dietrich 

Zeit: 22.00 Uhr - 0.00 Uhr

Bedingungen:

Sehr guter Himmel, der enorme Durchsicht bis zum Horizont bot. Grenzgröße im Zenit etwa 6m3. Viele Nebel waren gut mit freiem Auge zu erkennen. Doch hatten die Meteologen aufziehende Wolken angekündigt, was zum Glück erst gegen Mitternacht der Fall war.

Beobachtung

Heute war einfach mal entspanntes beobachten angesagt, und so machte ich mich nur mit meiner Fotoausrüstung und dem Feldstecher auf den Weg. Solch leichtes Gepäck bin ich kaum mehr gewöhnt, und so nahmen wir zumindest noch Martins Pluto/S - ein ideales Reisefernrohr wie ich finde und den größeren 9x63 Feldstecher mit.

Wie viel schafft ein Feldstecher bei M35?

Diese Frage sollte uns am Anfang beschäftigen, und so beobachteten wir noch aus der Ortslage bei 5m5. Zunächst würde der Haufen mit bloßem Auge am Fuß der Zwillinge anvisiert - per indirektem Sehen war dann ein schwacher Nebel erkennbar - M35.

Mein  8-24x50 Zoom-Feldstecher wurde aufs Stativ gesetzt und der Sternhaufen intensiv beäugt. Per indirektem Sehen zeigten sich viele schwächere Sterne. 8 helle klar erkennbare und 5-6 weitere etwas schwieriger sichtbare konnte ich zählen.

Dann der Versuch mit dem 9x63 Feldstecher. Was für ein Unterschied! Ein viel angenehmeres Sehen ist das. Deutlich sind jetzt 15 - 20 klar strukturierte Sterne erkennbar. Dafür das der Feldstecher eher ein No-Name-Produkt ist ein wirklich gutes Teil. Per indirekter Sicht und reichlich Adaption waren vielleicht 25-30 Sterne sichtbar. Nicht schlecht.

Unterschiedliche Erscheinungen der Fuhrmann-Sternhaufen im Binokular

Die drei eng beieinanderstehenden Messier-Sternhaufen im Fuhrmann sind reizvolle Anblicke im Feldstecher. Der 9x63 kann sie so eben nicht ins Gesichtsfeld bringen.

M37: Schöner heller Nebel. Recht groß. Kein Stern aufgelöst. Scheint zur Mitte hin heller zu werden.

M36: Kompakter und recht heller Sternhaufen. Wenige Sterne aufgelöst. Deutlich länglich. Wirkt wie ein Sternknoten.

M38: Unscheinbarster Fuhrmann-Haufen für den Feldstecher. Deutlich großer als M36 - evtl. auch als M37. Keine Zentralkonzentration. Hebt sich weniger vom Hintergrund ab.

Dann noch ein paar Blicke auf anspruchsvolle Feldstecher-Objekte wie M78 - auch der Weihnachtsbaumsternhaufen ist nicht in seiner gewohnten Klarheit zu erkennen. NGC2244 war da schon viel deutlicher aber doch recht sternarm. NGC1647 war schon gut aufgelöst zu erkennen. Nur ein ehrfurchtsvoller Schwenk zu M42, der wieder blendend hell im Gesichtsfeld strahlte und dann sind wir bei bitterer Kälte in Richtung Feld gefahren...

Das aufbauen und ausrichten des Pluto/S ging zu zweit ganz fix. Eigentlich wollten wir nur fotografieren, doch der Himmel war so gut, das wir uns noch ein paar Blicke gönnten. Hubble's veränderlicher Nebel war das Objekt meiner Begierde. Hab es nie gepackt, den mit dem Zeiss-Refraktor aufzufinden, warum auch immer. Das Objekte mit der Nummer NGC2261 war dann so eben als Nebelerscheinung von NGC2264 aus aufgefunden. Im 10mm Okular bot sich dann ein deutlicherer Anblick. Ziemlich ovaler Nebel, der größer ist, als erwartet. Ganz dicht bei ihm war ein schwacher Stern zu erkennen.

Dann zeigte ich Martin nochmals kurz die Fuhrmann-Sternhaufen.

M37: Heller Sternhaufen. Kaum aufgelöst, aber das glitzern deutet die enorme Sternzahl an. Der gefällt uns. 

M36: Heller aber kompakter Sternhaufen. Er kann allerdings nicht so begeistern.

M38: Im kleinen Teleskop deutlich der schönste der 3 Haufen. Ein Sternkette arbeitet sich genau in den Haufen hinein. Um sie herum etwas Sternleere - dann wieder Sternanhäufungen. Ein schönes Objekt.

In der Nähe von M38 ist ein kleiner Sternknoten zu finden, der noch deutlich nebelig erscheint. Es ist NGC1907. An seinem Rand winden sich einige Sterne radial nach außen. Ganz nett.

Mit dem Feldstecher dann noch ein Blick nach Süden - NGC2354 hab ich wieder einmal vergeblich gesucht, während M41 und M47 schön aufgelöst erschienen. Beide Objekte waren mit etwas Übung deutlich ohne optische Hilfsmittel sichtbar. M46 war nur ein schwacher großer Nebel am Rande des letzteren.

Dann wurde noch etwas fotografiert und schließlich sehr durchgefroren der Heimweg angetreten.


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