Beobachtungsnacht vom 3.4.2002

Instrumentarium: 8" f/6 Meade Starfinder, 4,5" f/4,3 Pluto/S

Beobachter: M. Juchert, M. Dietrich

Bedingungen: Erstmals seit Tagen wieder klarer dunstfreier Himmel über Brandenburg. Der fast stürmische Wind hatte wohl sämtliche Schwebstoffe in der Luft weggeweht, und sorgte für exzellente Horizontsicht. Die Aufhellung am Beobachtungsplatz hielt sich in Grenzen und so schätze ich den Himmel vielleicht auf 6m3. Seeing spielte beim heutigen Programm keine Rolle. Der schon angesprochene Wind trieb die gefühlte Temperatur deutlich unter Null. Zu dem gab es auf dem freien Feld so kräftige Böen, das der gesamte große Starfinder-Tubus immer wieder von ihnen ergriffen wurde und teilweise sogar aus der Balance kippte. (Ja Lotz - das wird mit dem 10" noch wesentlich windanfälliger ;) - der kleine Pluto hingegen stand völlig unbeeindruckt auf seiner Montierung.


Beobachtung: 

Zeit: 20.30 Uhr - 23.30 Uhr

Nach der Ankunft am Beobachtungsplatz erst einmal eine Schrecksekunde. Das Feld wurde gerade mit einem gut beleuchteten Traktor gepflügt. Was nun? Abbruch? Andere Location? Das Problem löste sich von selbst, und der Landwirt machte sich im wahrsten Sinne des Wortes "vom Acker".

Aufbauen der schweren zerlegten Starfinder Montierung (autsch mein Rücken ;).. )- Sucher an Venus kalibrieren und die Dämmerung geniessen - so fängt eine schöne Nacht an. 

Martin war dann mit der Foto-Ausrüstung angerückt und wir begannen in der bürgerlichen Dämmerung mit der Suche des Kometen.

Ikeya Zhang und M31 - Das war natürlich ein prachtvoller Anblick im Gesichtsfeld. Auch schön - der Anblick durchs 200er Objektiv der Kamera. Ein länglicher Nebelfleck zusammen mit einem ovalen strahlend hellen. Später habe ich den Kometen, der seit kurzem für die Breite Brandenburgs zirkuumpolar ist, wunderbar mit freiem Auge beobachten können. Die Länge des sichtbaren Schweifes habe ich mit Hilfe von Cassiopeia auf gut 3° geschätzt! Ich warf später noch oft einen Blick über den Tubus hinweg auf den kleinen Lichtstreif.

Dann ging es aber ans beobachten. Vielleicht ein letzter Blick (für diese Saison) zum Canis Major.

M41 (NGC 2287) (Oc) (CMa) - Schön hell aber weit gestreut im Gesichtsfeld bei 50x. Ein dezentraler Doppelstern involviert.

Tombaugh 1 (Oc) (CMa) - Sehr kleiner fumsiger Lichthauch. Wirklich extrem schwer. Dann noch neben der Saison beobachtet - das probiere ich nächsten Winter nochmal. Tombaugh 2 war nicht aufzufinden.

M47 (NGC 2422) (Oc) (Pup) - Wunderbarer, recht reicher großer Sternhaufen. S1121 schön getrennt. S1120 nicht versucht.

M46 (NGC 2422) (Oc) (Pup) - Großer hübscher Sternhaufen. Wie ein Meer aus feinen Lichtpünktchen - einfach Genuß pur, diesen Haufen aufzulösen!

NGC2438 (Pn) (Pup) - Deutliche blasse Scheibe am Nordrand des vorherigen. Deutlich ohne Filter zu erkennen. Ziemlich groß!

Ruprecht 57 (Oc) (Pup) - Erkennbar aber schwach. Gesamtform oval. Ein oder zwei helle Sterne stechen hervor. Der Rest bleibt schwach nebelig.

NGC 2566 (Gx) (Pup) - Knapp an der Wahrnehmungsgrenze. Sehr schwierig da tiefstehend. Ev. Ost-West-Ausrichtung.

NGC 2613 (Gx) (Pyx) - Länglich und sehr schwach, ev. aufgrund der geringen Horizonthöhe. 

Dann mal wieder ein Muntermacher für die Augen...

M42/43 (Neb) (Ori) - Mich beeindruckt die Intensität und Ausdehnung immer wieder. Heute ist die Sicht so gut, das ich wieder die bläuliche Farbe wahrnehmen kann. Sehr interessant. Aber schon spannend, Martin zuzuhören, wenn er den Verlauf der Dunkelwolken durch den 8" schauend beschreibt.

Jetzt zum Virgo-Haufen. Markarian's Galaxienkette hatte ich schon lange auf dem Programm aber der 3" zeigte mir nur wenige Mitglieder. Das Festmahl für den Starfinder war schon angerichtet

M86 (NGC 4406) (Glx) (Vir) - Sehr hell und ziemlich groß - insgesamt leicht oval, aber ansonsten völlig strukturlos.

M84 (NGC 4374) (Glx) (Vir) - Ganz ähnlich wie M86. Sehr hell und ziemlich groß, jedoch minimal kleiner als M86. Rundlicher - ebenfalls völlig strukturlos.

Dann ein starker Windstoss und M86 und M84 sind verloren - das ganze Teleskop schwenkt aus der Balance Richtung Zenit. Die Windböe war genau seitlich in die Tubusöffnung gedrungen wo sie am meisten Angriffsfläche hatte. Nach 10min Suche, habe ich nach unzähligen "falschen Nebeln" endlich mein Pärchen wieder gefunden. Weiter gehts also.

NGC 4438 (Glx) (Vir) - Langgestreckt, hell, gut sichtbar mit hellem Zentralbereich. Mit NGC 4435 das schönste Gx-Paar in der Gx-Kette!

NGC 4435 (Glx) (Vir) - Helligkeit vergleichbar mit NGC 4438, aber eher runder Galaxie. Heller Zentralbereich. Paar mit NGC 4438.

NGC 4458 (Glx) (Vir) - Trotz 12,1mag direkt gut erkennbar! Recht klein. Interessantes Paar mit NGC 4461!

NGC 4461 (Glx) (Vir) - Laut CdC 11,2mag Helligkeit. Man könnte denken, sie ist wesentlich heller als NGC 4458. Ist sie nicht! sogar wesentlich schwächer. Kurios! Großer schwacher Nebel - in Nord-Süd-Ausrichtung langgestreckt.

NGC 4402 (Glx) (Vir) - Dicht nördlich bei M86. Längsausrichtung in Ost-West. Ziemlich schwache Galaxie.

NGC 4387 (Glx) (Vir) - Wesentlich schwerer als die vorhergehenden. Sehr klein schwach. Nur mit indirektem Sehen gut auffindbar.

NGC 4388 (Glx) (Vir) - Recht hell. Deutlich langgestreckt und sehr schön anzuschauen. Schönste Galaxie der Kette? Vielleicht.

Zurück zum weiteren Verlauf der Kette - jetzt im Haar der Berenike.

NGC 4473 (Glx) (Com) - Ziemlich hell und flächig. Gesamtform deutlich oval. Eines des größeren Mitglieder also. Gut beobachtbar.

NGC 4477 (Glx) (Com) - Noch heller als die vorherige. Ziemlich groß und eher oval.

NGC 4479 (Glx) (Com) - Selbst indirekt nur schwach, klein und diffus zu erkennen.

NGC 4459 (Glx) (Com) - Heller Stern dicht im Süd-Westen der Galaxie bildet einen schönen Kontrast. Ansonsten recht helle und große Galaxie.

M88 (NGC 4501) (Glx) (Com) - Endpunkt der Galaxienkette, obwohl diese Galaxie schon deutlich abgegrenzt liegt. Viel helle als alle vorherigen Objekte. Allerdings etwas schwächer als M84 oder M86.

M91 (NGC 4548) (Glx) (Com) - Ziemlich ausgedehnt aber insgesamt recht schwach ohne helles Zentrum. Nur diffuses Leuchten.

NGC 4267 (Glx) (Vir) - Gut sichtbar. Recht hell und insgesamt runde Form. Dabei durchschnittliche Ausdehnung.

NGC 4216 (Glx) (Vir) - Beeindruckende langgestreckte helle Galaxiennadel. Nicht ganz Edge-On, aber lohnendes Objekt.

NGC 4206 (Glx) (Vir) - Der kleine Bruder der vorherigen. Kleine lichtschwache langgestreckte Galaxie mit ähnlicher Ausrichtung.

M87 (NGC 4486) (Glx) (Vir) - Sehr hell deutlich und groß! Beeindruckende Galaxie wenn man weiß was man vor sich hat!

NGC 4478 (Glx) (Vir) - Kleiner runder ziemlich heller Begleiter von M87.

NGC 4476 (Glx) (Vir) - Ganz ähnlicher Begleiter von M87 - nur deutlich lichtschwächer. Größe vergleichbar.

NGC 4486 A (Glx) (Vir) - Und noch ein Begleiter von M87. Wirkt wie ein heller, aber sehr kleiner unscharfer Stern.

M89 (NGC 4552) (Glx) (Vir) - Rund, recht groß und hell mit hellem Zentrum. Wirkt insgesamt wie M94 im Dreizoller.

NGC 4550 (Glx) (Vir) - Ziemlich klein und undeutlich. Enges Paar mit NGC 4551.

NGC 4551 (Glx) (Vir) - Wie vorherige klein und undeutlich. Enges Paar mit NGC 4550. Beide bilden ein schwaches "L".

Das genügte mir - der Wind war einfach zu kalt, und so zog ich mich erst einmal zurück. Dann ging's noch auf einen kurzen Abstecher in den Raben.

M68 (NGC 4590) (Gc) (Hya) - Großer aber schwach erkennbarer Kugelsternhaufen. Der schwache Eindruck rührt von der geringen Horizonthöhe her. In Österreich konnte der Starfinder den Haufen zumindest Sprenkelweise bei 190x auflösen.

NGC 4038/4039 (Glx) (Crv) - Rein zufällig ist mir beim umherschwenken im Raben ein Nebelfleck aufgefallen. Der Nebel war deutlich gut erkennbar und hatte insgesamt eine rundliche Form. An der Südseite fiel mir jedoch eine Unregelmäßigkeit auf - so etwas wie ein fehlendes Stück oder ein Einschnitt. Spätere Recherchen ergaben, das ich die "Ringtail Galaxy" - eine der prominentesten Galaxien überhaupt per Zufall aufgefunden hatte. Der Einschnitt ist die Trennung der beiden Galaxien, die sich am anderen Ende berühren. Die Rattenschwänze konnte ich aber nicht erkennen.

Dann noch zur Jagd auf den 3.ten Kleinplaneten.

M67 (NGC 2682) (Cnc) (Oc) - Schöner deutlicher, gut aufgelöster Haufen. Am Rand ein heller Stern. Der Rest ein Meer aus schwachen Sternen - nicht ganz so reich wie M46 aber sehr attraktiv. 

Juno - Per Starhopping vom vorherigen gefunden. Nicht sehr spektakulär. Ein kleines helleres Sternchen unter vielen. Aber immerhin. Jetzt habe ich jeden der 4. erstentdeckten Kleinplaneten aufgefunden.

Dann war mir so kalt, das ich nur mehr abbauen wollte. Aber einen Blick gönnte ich mir bei diesem Himmel noch. 

M13 (NGC 6205) (Her) (Gc) - Bei 50x fingen die Randbereich schon an sich aufzulösen. Bei 190x war es dann wirklich schön. Das gesamte Gesichtsfeld war mit aufgelösten Sternen gefüllt. Diese standen im Zentrum so dicht, das sie schon wieder zu einem gleichmäßigen Glanz verschmolzen. Noch ein Blick...und noch ein Blick...und noch ein ganz kleiner Blick..........* 

Clear Skies

Matthias


Deep-Sky und Planetenbeobachtung mit kleinen Teleskopen: www.Serifone.de

Lob, Kritik, Fragen und Anregungen an matthias.juchert@serifone.de