Beobachtungsabend vom 28.10.2002

Instrumentarium: - 8" f/6 Meade Starfinder mit 40mm, 25mm,12,4mm und  6,4mm Okularen + UHC-Filter
                                 
Beobachtungsort:
Land Brandenburg auf 52°19' n.B. - 50m über Meereshöhe

Bedingungen: Die Orkannacht war glimpflich überstandenen, und es ließen sich nach langer Pause mal wieder die Sterne blicken. Schon auf der Hinfahrt sah ich die Landstraßen gesäumt von abgeknickten Ästen. Allerdings wollte der sehr kräftige Wind kaum nachlassen und deshalb suchte ich lieber keinen Windschutz in Waldnähe. So wurde es natürlich keine genussvolle Spechtelrunde, weil ich hauptsächlich zu tun hatte, im Windschatten des Autos meine Karten zusammen zuhalten. An hohe Vergrößerungen war fast nicht zu denken, aber wenn ich mir den Windwiderstand vor Augen führe, den der 8" f/6 Netwon bietet, kann ich wohl noch ganz zufrieden sein. Zumindest war der Himmel exzellent - 6m6 habe ich im Polbereich knapp erreicht. Wohl zogen ab und an Cirren über den Himmel, doch diese wurden so kräftig vom Wind angetrieben, das sie nur kurz stören konnten. Die Sterne funkelten was auf eher schlechtes Seeing hinwies. 


Beobachtung:

Zeit: 19.30 Uhr - 21.30 Uhr

Gleich zu Beginn der Beobachtung erwartete mich eine Überraschung. Ich hatte kaum den Starfinder auf die Montierung gepackt, da strahlte auch schon ein ungewöhnlich heller Stern etwas östlich von Ursa Major auf. Er zog weiter Richtung Osten zum Horizont und verlor mit der Zeit deutlich an Helligkeit. Ich verfolgte das Objekt bei 50x - dann bei 98x, und meinte, ein kleines Rechteck zu erkennen. Es war wohl die ISS oder ein heller Satellit.

Die ersten Blicke galten den aufgehenden Plejaden und M31, der bei 50x seine beiden Begleiter M32 und M110 in einem Gesichtsfeld präsentierte. Das erste näher untersuchte Objekt befand sich im Delfin.

NGC 6934 (Gc) (Del) 8,9mag

Nach kurzer Suche mit 50x als sehr deutlicher, aber sehr kleiner Nebelfleck zu sehen. Nur 1-2' westlich des Haufens findet sich ein heller 9m-Stern, der den Anblick so charakteristisch und unverwechselbar macht. 98x ändert wenig am Anblick. Erst mit 190x kann ich in windstillen Momenten die Randbereiche auflösen. Dies gelingt aber auch nur mit indirektem Sehen. Mir fiel auf, dass sich besonders am SO-Rand des Haufens einige Sterne auflösen ließen.

NGC 7293 (Pn) (Aqr) 6,3mag

Ohne Filter sehr schwierig wegen dem aufgehellten Horizont. Eigentlich ist er nur durch die genauen Positionsvergleiche mit der Karte gut zu sehen. Mit UHC vollzieht sich dann das kleine Wunder und der Nebel wird deutlich erkennbar. Etwa 1/2 Dutzend Sterne verteilen sich über seine Nebelfläche - der Zentralstern ist jedoch nicht erkennbar. Mit indirektem Sehen wird die Ringform deutlich. Der Ring ist ziemlich breit, und das innere deutlich abgedunkelt, jedoch im Vergleich zu dem Ring-Inneren von M57 noch etwas heller. Bei genauer Betrachtung zeigt sich wieder die markante "C"-Form, was sich durch die etwas dunklere Westseite des Nebels ergibt.

Der extragalaktische Kugelsternhaufen Mayall II

Der Sturm wird wieder stärker. Der Wind ist dabei so eisig, das meine Finger schon fast unbeweglich sind. Es ist einfach nicht mehr möglich, den Stift richtig zu greifen. Die Notizen werden immer unleserlicher. Nach einer Aufwärmpause steht das Objekt der Begierde dieses Abends auf dem Programm. Der extragalaktische Kugelsternhaufen Mayall II gehört zu M31 und ist damit das entfernteste Objekt dieses Typs, das ich bisher versucht habe. Bisher nahm diese Rekordposition NGC 2419 im Lynx ein, den ich schon mit dem 2,5" sichten konnte. Doch bevor ich den Versuch wagen konnte, riss mir der Wind die Aussuchkarte aus den Händen. Nach 100m Jagd, konnte ich den Ausreißer jedoch stellen. Dann begann die spannende Suche...

Mayall II - G1 in M 31 (Gc) (And) 13,7mag

Ausgangspunkt der Suche war der helle Stern 32 Andromedae. Der Globular liegt 2,5° entfernt vom Zentrum der Andromedagalaxie - schon außerhalb des visuell erkennbaren Halos. Von dem auffälligen Muster bin über 3 weitere markante Sternfiguren zu BD+38 62 gehoppt. Dieser Stern ist wiederum der konkrete Startpunkt für die Suche. Von einem Sternpaar ausgehend bin ich dann bei 98x rasch auf einige, infrage kommende, schwache Sternchen gestossen - noch ein kurzer Vergleich, und schon war die Sichtung bestätigt. G1 ist bei dieser Vergrößerung per indirekter Sicht nicht schwierig. Er bildet mit zwei Sternen im Norden ein markantes spitzes Dreieck, an dessen Spitze er sich befindet. Ich probierte auch 190x, wobei sich jedoch keine merkliche Verbesserung einstellte. Auch wenn ich ihn ab und an flächig vermutete, so war wegen des kräftigen Windes keine sichere Aussage zu treffen. Bei 98x war G1 jedenfalls völlig stellar.

Übersichtszeichnung - Mayall II  am 8" f/6 Newton bei 98x

Interessanter Weise könnte ich den schwächsten Stern des Dreiecks um Mayall II nicht als Doppelstern auflösen. Es ist aber erstaunlich, wie hell und einfach dieser Kugelsternhaufen ist, dafür das er ein vielfaches weiter entfernt ist, als die Kugelsternhaufen der Milchstraße. Übrigens dürften etwa ein halbes Dutzend solcher Objekte unter guten Bedingungen mit dem 8" in M 31 beobachtbar sein.

Ich schloss den Abend mit einem kurzen Ausflug in die Eidechse (Lacerta) ab. Bei fortwährend starkem eisigem Wind suchte ich erst einmal das Zick-Zack-Muster dieses Sternbildes. Wenn man es erst einmal gefunden hat, ist es ziemlich markant. Da ich wegen dem Wind möglichst lange auf eine Aufsuchkarte verzichten wollte, suchte ich die Gegend etwas ab, bis ich den Sternhaufen NGC 7243 fand. Dieser ist ziemlich markant und zeigte 2 Gebiete mit helleren Sternen. Weiter ging es mit der Suche Richtung Norden, und schon bei 3 Lacertae hatte ich wieder zwei interessante Objekte im Gesichtsfeld. NGC 7296 zeigte sich prächtig als kompakter, aber schon bei 50x gut aufgelöster Sternhaufen. Der nahe NGC 7295 erschien bei dieser Vergrößerung nur als Nebelknoten. 

Weiter Richtung Norden, schon fast an die Grenzen des Kepheus ging es - direkt zu SAO 34240. NGC 7245 und King 9 sollten den 9m-Stern flankieren, doch jetzt zogen am Himmel dicke Wolken auf. Deshalb schnell ein Griff zum 12,4mm Okular, und schauen was zu erkennen ist. Aber auf den ersten Blick überhaupt nichts! Keine Kondensation im dichten Sternfeld. Mit etwas konzentration erkenne ich eine vom Stern nach Westen laufende Sternkette, die an ihrer Ostseite mit indirektem Sehen einen sehr schwachen Glow und einige Sterne zeigte. Dies war wohl NGC 7245. Von King 9 habe ich höchstens für einen kurzen Moment, wenige Photonen emfangen. Dieser Oc ist noch ein Stück schwieriger. 

Dann machten Wolken die längere Betrachtung unmöglich. Bei der nächstmöglichen Gelegenheit, werde ich aber sicher noch einmal in dieses schöne Sternfeld zurückkehren.

Clear Skies
Matthias


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