Beobachtung vom 20.10.2001

Instrumentarium: 2,5" f/13,3 Zeiss Refraktor + Taukappe, div. Sternkarten + Karkoschka, Rotlicht-Taschenlampe usw.

Zeit: 20.30 Uhr - 22.30 Uhr

Ich hatte am Abend nur kurz Mars und Atair in der hellen Dämmerung funkeln (Seeing ;) sehen, und bin sofort aufgesprungen, und hab das Auto beladen. Dafür, das dies der letzte wettermäßig brauchbare Abend dieser Neumondphase werden sollte, sagte ich kurzer Hand meine anderen Vorhaben ab, und stürzte mich Richtung Acker. Diesen Beobachtungsplatz hatte ich schon im letzten Bericht ausführlich beschrieben - nur noch mals soviel: Man ist sehr, sehr abgeschieden! Aber die Ernüchterung war groß! Der letzte Beobachtungsabend hier war doch wesentlich günstiger vom Wetter ausgestattet. Aber dann besann ich mich auf alte Tugenden, und tröstete mich damit, das nicht jeder Abend über 6m Grenzgröße bieten kann.

Dunst hing tief, und versteckte den südlichen Teil des eigentlich schon sichtbaren Fuhrmanns. Das Band der Milchstrasse wurde in Höhe Perseus sichtbar, zeigte sich dann doch schön strukturiert im Zenit, und verschwamm dann zusehends in Richtung Schild. Deutlich war der Nebel und der Horizontdunst zu spüren. Deep-Sky hab ich dann ganz schnell abgeschrieben. Bei 5m0 packe ich eigentlich keine Aufsuchkärtchen aus, sondern tröste mich eher mit den beliebten Schauobjekten. Aber zum warm werden wollte ich mir dann noch eine bisher unbespechtelte Karkoschka-Seite mit Doppelsternen gönnen. Die Wahl fiel auf N4.

Epsilon Persei - DS 9,0"

Dieser stand noch entsetzlich tief in der Dunstsuppe. Ich lese nur 9" Distanz. Na dann aber schnell - doch mit  dem 40mm kann ich nichts erreichen. Da erkenne ich das Malheur - fast 5. Größenklassen Unterschied. Was solls, wo ich ihn angepeilt hab, trenne ich ihn auch. Im 25mm wieder nichts. Im 10mm muß es gelingen, und es klappt. Der Helligkeitsunterschied macht ihn wirklich recht schwierig.

57 Persei - DS 120,0"

Der war leicht zu erkennen. Das schöne an den weiten Karkoschka-Doppelsternen ist, das sie meist sofort aus dem Feld herausstechen, auch wenn sie 300" entfernt sind und in sternenreicher Gegend stehen. Hier handelt es sich um ein unspektakuläres Objekt. Kein Farbkontrast - auch in Sachen Helligkeit kaum ein Unterschied. Das 40mm Okular braucht sich hier nicht quälen.

NGC1528(Oc)(Per)

Bevor ich Perseus verlasse, will ich wenigstens noch ein Deep-Sky-Objekt mitnehmen. Da liegt der helle Sternhaufen NGC1528 - genau in der abzuwanderden Strecke zu nächsten Doppelstern 1 Cam - genau richt. Doch was ist das - ich hab Mühe, den Haufen im 40mm sauber aufzulösen. Himmel - was sind das für Bedingungen?

Ich mache den Pegasustest, und bemerke beim aufschauen, das die Bedingungen ja doch schon merklich besser geworden sind. Also schnell, aber konzentriert die Sterne in der Sudosthälfte des Pegasusvierecks ausgezählt, was inklusive der drei Ecksterne zu 7 - 8 Sternen führt. Das macht laut dem "Kosmos Astro.Jahr 2000/2001" eine Grenzgröße von 5m7 bis 5m9. Da ich noch schwanke sagen wir besser 5m8. Wow - ist doch besser als erwartet. Da knacke ich im Zenit die 6m wohl locker.  

1 Camelopardalis - DS 10,3"

Wenn man nach solchen Schlappen ans aufhören denkt, dann kommt so ein wunderschöner Doppelstern gerade recht. Auf einmal könnte man aufhören, und der Abend wäre alle Strapazen wert. Zwei nur knapp in Helligkeit unterscheidbare Sterne werden vom 40mm schon getrennt. Das 25mm bietet wie immer den besseren Eindruck.

Ich will mich eben auf 2 Cam stürzen, da tritt beim Blick auf die Distanz wieder kurze Ernüchterung ein. Ach - hätte ich doch nur ein größeres Teleskop. also ein Schwenk ins Dreieck. M33 würde mir sowieso keine weiteren Details offenbaren, deshalb umgehe ich ihn gleich komplett.

15 Trianguli - DS 142,2"

Hey - der ist ja schöner als erwartet. Gestraft soll der sein, der über weite Doppelsterne wettert. Ein wunderschöner Farbkontrast zwischen dem orangefarbenen Hauptstern und dem blauen Begleiter - da stört doch die Weite gar nicht mehr!

Dann passierte etwas an und für sich gewöhnliches, was einem jedoch in meiner Situation höchst unwahrscheinlich erscheint. Man sitzt da so Mutterseelen allein auf dem Feldweg, und auf einem wird das Teleskop hell erleuchtet. Da ich ja völlig mit dem Himmel beschäftigt war, bekomme ich einen wahnsinnigen Schreck (+Adaption futsch), und schnappe die Ausrüstung, und hab sie wohl in 30sec im Kofferraum meines am Wegrand parkenden Autos "geworfen". Doch Entwarnung: Auf einem benachbarten Feldweg in einigen 100 Meter Entfernung fährt soeben ein Auto entlang. Beruhigung. Man kann auch über sich selbst lachen, und so baue ich dann immer noch etwas verstört wieder auf. Der eiskalte Wind beruhigt mich schnell, und lässt mich auf andere Weise bibbern. 

Gut ich orientiere mich nun in größere Höhen. Die Nordpolkarte fällt mir in die Hände,  so das ich den letzten, noch vergessenen Doppelstern anvisiere.

41, 40 Draconis - DS 18,8"

Wunderbares Beobachtungsobjekt für kleine Vergrößerungen! Die weißlich gelbliche Färbung fällt mir kaum auf. Auch ein Helligkeitsunterschied ist nicht erkennbar. Trotzdem ein lohnendes Objekt.

Ich packe den Karkoschka weg, und krame aus der Sternkartensammlung die von der Gamma-Cephei-Region heraus. Ja, die steht schön hoch, und da lockt sein Wochen ein Objekt.

Collinder 463(Oc)(Cas)

Ein recht abseits der Ballungsgebiete liegendes Objekt, aber durchaus ein lohnendes. Ich suche, und suche, und schließlich stoße ich auf einen sehr großen Haufen, mittelheller bis heller Stern. Eigentlich recht locker, aber doch ziemlich sternenreich. Man kann leicht verschiedene Ballungsgebiete erkennen. Ich denke, er ist auf jeden Fall eine Empfehlung für kleine Teleskope und größere Binokulare!

Dann kommt das Highlight des Abends....

NGC40(Pn)(Cep)

Das Aufsuchen dauerte Vergleichsweise ewig, und verlangte differenzierte Starhopp-Künste. ;-) Der helle Stern in seiner Nähe war einfach im 40mm Okular zu erkennen. Doch noch nichts vom Nebel. Die Orientierung fällt schwer, da dieser helle Sterne der einzige Bezugspunkt ist. Bei 80x Vergrößerung zeigt sich dann folgendes Bild. In Richtung NGC 40 stehen zwei schwache, dicht benachbarte Sterne genau in dieser Linie. Schnell erkenne ich indirekt links neben der Linie einen kleinen Nebelfleck, der einen helleren Stern in seinem Zentrum zu besitzen scheint. Das Objekt ist nun doch recht hell und leicht zu beobachten.

Der eiskalte Wind setzt mir kräftig zu. Die gefühlte Temperatur liegt deutlich unter Null... noch ein Objekt, und dann rücke ich ab! Ich entscheide mich für..

NGC110(Oc)(Cas)

Eingentlich eher eine schlechte Wahl. Angegebne wird der Oc mit  Sternen 9. bis 12. Größe. Bei der Größenangabe fehlt der Wert komplett, also schon keine guten Vorzeichen. Ich meine ab und an etwas nebeliges um einen Stern herum zu erkennen, kann dies allerdings nicht bestätigen. Das Objekt ist zu schwach.

Das ist mir das Wetter endgültig in die Glieder gestiegen. Bin wohl noch nicht ganz abgehärtet für die kommenden eisigen Winternächte. So bin ich dann bei jetzt recht gutem Himmel nach Hause aufgebrochen - alles mit der festen Ambition, dort vom Balkon noch Jupiter und Satrun zu beobachten...

Ich wollte mich eigentlich nur mal kurz ausruhen, und bin doch tatsächlich eingeschlafen. Als ich wieder aufwachte, war es draußen immer noch sehr klar, aber die Morgendämmerung war schon zu weit fortgeschritten. Immerhin konnte ich neben Jupiter noch Sirius und Venus begutachten - alles wunderbare Objekte. Da ärgert es mich doch etwas, das ich mir einen solchen Fauxpas geleistet habe. ;)

Fazit: Man ist halt auch nur ein Mensch. Schade ist es schon, aber ich kann ja nun auch nicht jede klare Minute zum beobachten verwenden. So wäre es ja nichts besonderes mehr. Naja - eben nur das schönste Hobby der Welt.


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