Beobachtung vom 17.6.2001

Instrumente: Feldstecher 8-24x50 und 2,5" f/13,3 Refraktor

Ort: 52,5° n.B. 50 km westlich von Berlin

Zeit: 0.30 Uhr - 0.50 Uhr und 2.15 Uhr bis 2.45

Bedingungen:

Starke Aufhellung bedingt durch die Mitternachtsdämmerung. Die Straßenlaternen tun ihr übriges.

Die Durchsicht ist OK, so das für diese Aufhellung doch recht viele Objekte erkennbar sind! Allerdings trüben viele durchziehende Wolkenfelder den Spass!

Das Seeing ist eher mäßig, und so braucht man gar nicht erst versuchen, einstellige Millimeterokulare einzuschrauben! Nicht gerade ideal für Planeten und Doppelsterne!

Beobachtung:

* Wolken lassen mir nur ein kleines Fenster zur Beobachtung frei, das sich vom Herkules bis zum Adler erstreckt! Hier ist die Sicht recht ordentlich*

95 Herculis - Recht einfacher Doppelstern, den mein 25mm Okular schön trennt. Die Distanz beträgt etwa 6". Ich kann keinen Helligkeitsunterschied zwischen den Komponenten feststellen. Im 10mm Okular wird deutlich, das einer der Sterne gelblich leuchtet, und sich gut vom blaugefärbten Partner abhebt.

100 Herculis - Beide Sterne sind gleich hell, und von ähnlich bläulicher Färbung! Die Distanz von 14" müsste in meinem Feldstecher bei 24x noch zu trennen sein. Ja! Ein sehr schönes Prüfobjekt, für stärker vergrößernde Feldstecher! Im 40mm ist er daher auch ohne weiteres getrennt.

Gamma Delphini - beide Komponenten fast gleich hell - Die eine ist blau und die andere gelblich, was zu einem hübschen Farbkontrast führt! Die Distanz beträgt etwa 9" was ihn zu einem einfachen Objekt macht. Im 40mm Okular ist die Duplizität angedeutet und im 25mm ist das Paar schon weit getrennt!

*Dann war erst mal Zwangspause. Ausgerechnet in der Zeit, in der der Himmel am dunkelsten sein sollte, hielten sich dicke Wolkenpakete! Erst gegen 2 Uhr geben diese den Himmel wieder frei!*

Mars - Er kämpft sich tapfer durch den Dunst am Horizont, und erscheint trotz nur rund 10° Horizonthöhe gleißend hell. Bei 75x sind einige Dunkelgebiete zu erkennen, die sich besonders in höheren südlichen und nördlichen Breiten konzentrieren. Die große Syrte befindet sich im Augenblick nicht in Sichtweite. Dummerweise wendet uns Mars nun genau die etwas nördlich versetzte Äquatoransicht zu. Die Polkappen bleiben daher verborgen. Vielleicht ist auch gerade auf der Südhalbkugel Sommer, so das sich selbst diese bombastischere der Polkappen nicht blicken läßt! Die 175x kann ich mir sparen, weil Mars bei diesem Seeing keinen Detailzuwachs mehr vorweist! Er ist dann nur noch eine große wabernde Scheibe!

M8(NGC6523) - Der Lagunennebel tritt trotz der Aufhellung im Feldstecher noch recht gut in Erscheinung. Allerdings fällt hauptsächlich seine charakteristische Sternenkette in O-W-Ausdehnung auf. Erst im Teleskop ist der Nebel einigermaßen zu erkennen. Hab ich schon besser gesehen.

NGC6530 - Wie ein kleiner Bienenschwarm in der Osthälfte von M8. Irgendwas hat dieser Sternhaufen. Allerdings verliert er mit zunehmender Vergrößerung an Reiz! ich erkennen etwa 20 Sterne auf knapper Vollmondfläche!

M21(NGC6531) - Kleiner Sternhaufen. Stärker vergrößern! Sieht im 40mm eher aus wie ein Mehrfachstern. Bei 75x zeigen sich einige (3) Sternketten, die radial von ihm wegführen!

*Jetzt schlägt die Dämmerung zu! Grenzgröße nur noch 4m!*

M22(NGC6656) - Toll, wenn immer weniger Sterne am Himmel erkennbar sind, und dann kommt so ein heller Giesfleck! Kann ihn allerdings maximal im 25mm beobachten. Im 10mm ist der Kontrast zu schwach! Die körnige Struktur fällt sofort auf. Allerdings sind Einzelsterne mit meiner Ausrüstung bei diesen Bedingungen nicht machbar.

*Ich beschließe, Deep-Sky für heute abzuhacken*

15 Aquilae - Getrennt im Feldstecher. Kein Problem bei knapp 40". Deutlicher Helligkeitsunterschied und Färbung der Komponenten benötigt Teleskop! Die hellere Komponente erscheint gelb, die schwächere röt bis orange!

15 Sagittae - Unspektakulär. Wenn beide etwas heller wären, hätte man einen erstklassigen Augenprüfer! So bleibt im Teleskop bei möglichst kleiner Vergrößerung der Anblick eines über 3 Bogenminuten entfernten Sternenpaares, von denen der etwas hellere weißlich ist.

*Ich schwenke noch so ein wenig herum... Plötzlich!* 

M27(NGC6853) - Der Hantelnebel hebt sich bei dieser Aufhellung noch erstaunlich gut ab! Allerdings gehen durch die Dämmerung einige Details verloren. Immerhin hüpfte er förmlich in Blickfeld! Das macht Mut!

* Grenzgröße 3m!*

M15(NGC7078) - Die Umgebung ist Sternarm, und mit bloßem Augen ist allenfalls Enif noch halbwegs gut zu erkennen. Im Teleskop sind im näheren Umfeld noch maximal 3 bis 4 Sterne zu erkennen. Trotzdem hebt sich der Kugelsternhaufen noch gut ab. Im 25mm wird sogar noch die Kugelsternhaufennatur sichtbar, indem sich die Randbereiche körnig zeigen. Ist ein echt kompaktes Kerlchen. Aber lohnenswert!

*Ich will das Teleskop abbauen, da fällt mir ein, das es ja da noch etwas gibt, was einen Blick wert ist!*

M11(NGC6705) - Mit bloßem Auge sind nunmehr die Umrisse des Adlers zu erkennen. Ich ziele mit dem Feldstecher mal dahin, wo die Schildwolke sein müsste, et voila! Prächtig hebt sich ein heller Nebel vom aufgehellten Hintergrund ab! Im Teleskop sieht der Sternhaufen noch besser aus. Dreieckig von einem hellen Stern ausgehend! Wie ein Bienenschwarm, der sich auf ein etwa in etwa 4' Entfernung stehendes Sternenpaar etwa 8. Größe zu bewegt! 

Fazit: Ich hab heut gelernt, daß sinnvolle astronomische Beobachtungen  auch in der Mitternachtsdämmerung möglich sind! Letztes Jahr hab ich um den 21.6 mit meinem Teleskop da gestanden, und mich geärgert, das ich nichts sehen kann. Man muss nur relevante Objekte kennen, und schon ist das kein Problem mehr!


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