Beobachtungsnacht vom 17/18.5.2002

Instrumentarium: 8" f/6 Meade Starfinder (25mm Plössl, 6,4mm Super-Plössl + UHC), 4,5" f/4,3 Pluto/S

Beobachter: M. Juchert, M. Dietrich

Bedingungen: 

Der frühsommerliche Abend, bot die besten Sichtbedingungen seit 2 Monaten. Der Himmel war endlich mal dunstfrei, und die Durchsicht war unheimlich gut. Leider haben wir immer noch nicht herausgefunden, woher die beiden Aufhellungen im Südwesten und Südosten herrühren, aber sie beeinträchtigen die Sichtbarkeit der Horizontobjekte doch merklich. Leider hielt das gute Wetter nicht. Gegen Mitternacht arbeiteten sich langsam Cirren von Westen herauf, über den gesamten Himmel. Ein Szenario, das mir von der vorherigen Nacht noch schmerzlich in Erinnerung ist (da hatten wir  umsonst aufgebaut). Die anfangs angenehmen Temperaturen sanken wegen des klaren Himmels von 20°C auf 5°C. tau war leider auch wiederum ein Problem, aber wenn man die Optik in den Beobachtungspausen verpackt, und die Okulare im Auto wieder erwärmt, kann man trotz durchweichter Sternkarten sehr gut beobachten. 


Beobachtung:

Zeit: 22.15 Uhr - 2.30 Uhr


Der Abendhimmel war bombastisch. Die schönsten Dämmerungsfarben der letzten Zeit, gepaart, mit der Kette aus zunehmendem Mond, Jupiter und Venus ergaben einen sehr ästhetischen Eindruck. Ich habe sogar noch den kleinen schon recht schwachen Mars freisichtig über den Bäumen auffinden können - bei knapp 1° Horizonthöhe. Was für eine Durchsicht!

Also schnell den Starfinder samt Säule aus dem Auto gehieft, aufgebaut, und erst einmal ohne dicke Jacke - nur mit T-Shirt (es war schon recht frisch) die Planeten und den Mond beobachtet. Venus sieht immer mehr, wie ein Ei aus. Sie wächst nur sehr langsam auf eine ansehnliche Größe. Mars war immerhin ein kleiner non-stellarer roter Fleck auf der anderen Seite des Sonnensystems, während Jupiter von seinen Monden umgeben, brilliant, und noch recht hochstehend vom Himmel strahlte.

Der Mond war heute nicht nur auf seiner beleuchteten Seite interessant. Anscheinend war das aschgraue Licht heute besonders intensiv, und so konnte ich bei 50x ohne Probleme den Krater Schickard als dunklen elongierten Fleck in der Nähe des sonnenabgewandten Mondrandes erblicken. Das war gegen 22.30h. Die geschätzte Grenzgröße betrug zu dieser Zeit trotz Mond und gerade einmal nautischer Dämmerung 5m3! Nicht schlecht - ein Indiz für den guten Himmel.

Daraufhin folgte eine kleine Feldstechertour, bei der ich M13 (kleiner kompakter Nebel), Ikeya Zhang (größerer diffuser, etwa gleichheller Nebel), Alpha Librae (sehr weit getrennt) sowie M3 und M5 betrachtete. Gegen 22.50h war Antares, nur knapp 1° überm Horizont, als tiefrot glimmender auffälliger Stern auszumachen! Der Skorpion, wie er für diese geografische Breite (52.5°) sichtbar wird, war schon jetzt vollständig. Leider war der Südwesthorizont und der Westhorizont von Cirren verdeckt. Trotzdem beobachtete ich noch einige Objekte in dieser Region.

NGC 4361 (Pn) (Crv) 10,9mag

Trotz Mond, aufkommender Cirren und geringer Höhe noch wahrnehmbar - jedoch nur mit UHC, wo er sich indirekt als deutlicher Nebelfleck, mit runder Gesamtform.

M 68 (NGC 4590) (Gc) (Hya) 8,2mag

Noch tiefer stehend, nur knapp über der Wolkengrenze. Im 25mm Okular bei indirekter Sicht deutlicher größerer Nebel, mit leichter Zentralaufhellung. Jede höhere Vergrößerung des Objektes verschlechtert die Sichtbarkeit - bringt es sogar zum verschwinden.

Um 23.25h dann war die Grenzgröße, trotz immer noch strahlendem Mond auf 5m8 angewachsen. Sowohl M13 als auch Ikeya Zhang waren dann mit freiem Auge sichtbar, wobei der Komet etwas schwieriger geworden ist. Das läutete die heutige Canes Venatici-Ursa Major-Observation ein.

NGC 4490 (Gx) (CVn) 9,8mag

Deutliche Galaxie. nicht ganz so langgestreckt - eher flächig oval, aber in jedem Fall sehr hell und direkt sichtbar. 

NGC 4485 (Gx) (CVn) 11,9mag

Eine schwache Begleitgalaxie von NGC4490. Wegen des Mondes nur indirekt als länglicher Nebel indirekt wahrzunehmen.

M 106 (NGC 4258) (Gx) (Cnv) 8,4mag

Eine meiner Lieblingsgalaxien, und auch eine der größten am Firmament. Ich hatte sie elongierter in Erinnerung. Sehr helles Zentrum, mit angedeutetem länglichen Zentralgebiet. Trotz langer Beobachtung keine Helligkeitsunterschiede im Halo wahrnehmbar.

NGC 4217 (Gx) (CVn) 11,2mag

Eine indirekt deutlich wahrnehmbare Galaxie. Schön langgestreckt, ohne wahrnehmbare Aufhellungen. An ihrem Nordende stehen 2 Sterne, einer 9.Größe sowie noch dichter ein Stern 12.Größe, in ansprechendem Kontrast.

NGC 4220 (Gx) (CVn) 11,4mag

Kleinere länglich-ovale Galaxie mit wahrnehmbar hellem Zentrum. Recht gut indirekt zu finden, trotz sternarmer Umgebung.

NGC 4144 (Gx) (UMa) 11,6mag

Etwas schwierig wahrnehmbar, diffus und insgesamt sehr homogen. Zeigt sich eigentlich nur indirekt. Im NGC als "Pretty faint" deklariert. Von Herschel aufgefunden, und als Nr.747 in seiner Kategorie II vermerkt.

NGC 4096 (Gx) (UMa) 10,9mag

Wunderbare Galaxie. Recht groß, ziemlich hell und beeindruckend langgestreckte Galaxie in fast Kantenlage. Keine Helligkeitsdifferenzierungen wahrnehmbar. Trotzdem ein lohnendes Ziel!

NGC 3949 (Gx) (UMa) 11,1mag

Relativ heller Nebel. Recht klein, gut wahrnehmbar, mit deutlichem hellen Kerngebiet. Auffallend viele schwache Sterne in der Umgebung, deren diffuses Leuchten ich zunächst für eine Nachbargalaxie gehalten habe.

NGC 3877 (Gx) (UMa) 11,0mag

Interessante zarte, fast zerbrechlich anmutende Nadel, die mich etwas an NGC 5746 erinnerte. Dazu trät auch der nahe helle Stern Chi Ursae Majoris bei. Wirklich vergleichsweise kleine Galaxie - aber sehr attraktiv. Zudem ein weiteres Herschel 400 Objekt für das Projekt, das ich momentan mit Lothar Singer durchführe.

NGC 3893 (Gx) (UMa) 10,5mag

Ziemlich helle Galaxie mit mäßiger Zentralaufhellung. Nicht sonderlich langgestreckt - eher oval. Wie fast jede andere hellere NGC-Galaxie von Herschel entdeckt. Was für eine Beobachtungsleistung!

Dann zu zwei Galaxien in der Nähe eines markanten "Y" aus Sternen, das das aufsuchen enorm erleichtert.

NGC 4088 (Gx) (UMa) 10,6mag

Nördlich des markanten "Y" ist die Galaxie leicht zu finden. Sie ist deutlich, recht hell, nicht ganz in Kantenlage, von der Gesamtform her länglich-oval, und recht homogen.

NGC 4085 (Gx) (UMa) 12,4mag

Per indirekter Sicht ein kleines schwaches Wölkchen, mit ovaler Gesamtform nahe des Stern-"Y".

NGC 4100 (Gx) (UMa) 11,2mag

Indirekt deutliches langgestrecktes Nebelchen mit etwa 5:1 visueller Elongation. Von im NGC erwähnten Strukturen konnte ich besonders die sehr zaghafte Helligkeitszunahme zum Zentrum wahrnehmen.

NGC 4157 (Gx) (UMa) 11,4mag

Hübsche indirekt gut sichtbare Nadel, die etwas an die vorher beobachtete NGC 3877 erinnert.Sie zeigt im Westen direkt auf einen 10m-Stern, der einen wirklich reizvollen Kontrast bildet.

NGC 4026 (Gx) (UMa) 10,8mag

Deutliche Galaxie. Klein, oval und mit sehr hoher Flächenhelligkeit. Eventuell kann ich auch deshalb (Überstrahlung) keine feineren Details aus dem Galaxienkörper herausarbeiten. 

NGC 4346 (Gx) (CVn) 11,1mag

Noch kleiner als die vorherige [4026] und auch etwas schwächer. Trotzdem kann ich nicht mit der NGC-Bezeichnung "very faint" übereinkommen. Die Galaxie ist indirekt deutlich als kleine 3:1-Ellipse zu erkennen.

Dann war erst einmal Aufwärmpause - die Optik war vom Tau sehr durchnässt. Leider arbeiteten sich die Wolken sehr langsam aber stetig von Westen heran. Wie ich später beim Blick auf den Sattelitenfilm bemerkte rissen von einem Tiefdruckgebiet über den Britischen Inseln immer wieder Wolkenmassen ab, die dann durch das Hoch über Skandinavien nach Brandenburg gelenkt wurden. So zog ich mich aus der Westhälfte des Himmels zurück, und beobachtete einige "alte Bekannte". Im Herkules-Cygnus-Bereich hatte der Himmel nun etwa 6m2.   

M 57 (NGC 6720) (Pn) (Lyr) 9,4mag

Mit 50x ist eine kleine Scheibe erkennbar. Die Ringform ist angedeutet. Sehr schöne Beobachtung bei 190x mit UHC-Filter. Die Ringform ist klar zu erkennen, das Ringinnere ist deutlich heller als der Himmelshintergrund.

M 56 (NGC 6779) (Gc) (Lyr) 8,3mag

Im Vergleich zu den Galaxien brillant hell. Sehr schönes Objekt in reichem Sternfeld. Deutlich zum glänzenden Zentrum hin kondensiert. Schön auch bei 190x. Je länger man beobachtet, desto mehr Sterne kommen zum Vorschein. Am Rand war der Kugelsternhaufen deutlich aufgelöst. Im Zentrum bot sich das Kugelsternhaufentypische Glimmen vieler eng beieinander stehender Sterne.

Ein direkter Vergleich mit einem anderen Kugelsternhaufen.

M 71 (NGC 6838) (Gc) (Sge) 8,3mag

Im 2 1/2 Zoller war der Nebel immer unaufgelöst. Jetzt verstehe ich, wieso manche diesen Haufen auch als offenen klassifizieren. Der Haufen ist deutlich unsymmetrisch mit teils dreieckiger bis fast rechteckiger Form. Bei 50x sind noch wenig Sterne zu sehen - ein etwas untypischer Kugelsternhaufen ohne helles Zentrum. Aber bei 190x ist die gesamte Fläche aufgelöst - mit einem Schwung kommen viele schwache Sterne hinzu, die dem Haufen wirklich den Anblick eines offenen Haufen geben. Der Hintergrund bleibt immer noch nebelig unaufgelöst. Sehr interessant.

M 27 (NGC 6853) (Pn) (Vul) 7,3mag

Dies war mit Abstand das beeindruckendste Objekt des Abends. Wir haben uns beide um den Blick durchs 25mm-Okular mit UHC-Filter gerissen. Was für ein Wahnsinn. Der Apfelgriebs aus dem 2 1/2-Zoller wird zu einem Oval, denn mit UHC sind die Ohren sehr deutlich, und füllen die sonst eher dunkleren Einschnitte mit Nebel auf. Diese beeindruckende Größe, Helligkeit und Ausdrucksstärke dieses Objekts sind wohl einmalig. Wir haben mind. 20 Minuten nur gestaunt.

NGC 7000 (Neb) (Cyg) 4,0mag

Mit dem Filter vor dem bloßen Auge, konnte ich den Nebel als matte Ausbuchtung nahe Deneb sehen. Das dies nicht die Milchstraße war, ist gesichert, den das matte Milchstraßenglimmen wurde vom Filter völlig verschluckt. Aber auch im Teleskop vollbrachte der Filter wieder kleine Wunder. Die Nebelmassen grenzten sich beinahe 3-dimensional vom Hintergrund ab, und waren besonders am Golf von Mexico deutlich begrenzt.

Dann stellte ich einfach mal zu Versuchszwecken die Optik auf 52 Cygni, und warf einen Blick durchs immer noch Filterbestückte Okular...

NGC 6960 (Neb) (Cyg) 9,0mag

Wow - dieses Objekt hatte ich ohne Filter viele Nächte vergeblich versucht - nun war er deutlich und unübersehbar. Ein sehr schlanker Nebelstreif war nördlich von 52 Cyg sichtbar - nur wenige Bogenminuten breit! Bei genauerer Betrachtung zog er nicht direkt über den hellen Stern, sondern etwas nach Osten versetzt an ihm vorbei. Deutlich schwächer werdend zog dieses Filament dann nach Süden weiter.

NGC 6992 (Neb) (Cyg) 7,0mag

Noch sehr viel heller, als NGC6960. Ein deutlicher leicht gekrümmter Nebelbogen, der sehr unregelmäßig ausschaut. Wiederum war ich begeistert von meinem Filter - eine gute Investition.

NGC 6995 (Neb) (Cyg) 7,0mag

Fortsetzung des NGC6992-Bogens, der jedoch separat zu stehen scheint, da er von einer Dunkelwolke(?) unterbrochen zu sein scheint.

M 11 (NGC 6705) (Oc) (Sct) 5,8mag

Die Wildenten standen noch zu tief, und der übergreifende Cirrus (nicht NGC6992 ;-) - die Wolken) verhinderte eine ähnlich genussvolle Beobachtung wie an Serina's 8-Zoll-SCT in Kärnten. Immerhin war der Haufen schon weitgehend aufgelöst, aber ich hatte noch mehr erwartet.

Tief in der Wolkensuppe hatte ich dann noch M17 und M16 im Okular. Beide zeigten deutliche Details mit Nebelfilter. M17 war deutlich als Schwan zu erkennen, während M16 einen schwachen Nebelbalken quer zur Richtung des Sternhaufens zeigte.

M 101 (NGC 5457) (Gx) (UMa) 7,9mag

Angeregt durch Markus Langlotz und dem tollen Interstellarum-Artikel "Im Bann des Feuerrads" von Stoyan und Domenico habe ich mich für die restliche 1/2 Stunde unter mittlerweile ziemlich wolkigem Himmel dieser Galaxie gewidmet. Sie ist recht schwach, aber von der Ausdehnung her riesig! Leider war der Anblick heute nicht ganz so berauschend. Trotzdem versuchte ich, mit allen Mitteln, einige Details zu erhaschen - der UHC-Filter wirkte für die HII auch nicht wie erhofft. Nach einiger Zeit erst bemerkte ich das ich die Orientierung der Gx falsch gedeutet hatte. Der 11m-Stern über dem Zentrum war deutlich und lag in nördlicher Richtung. Also noch ein Versuch, und nun konnte ich zwei recht schwache HII-Regionen einsammeln, die den östlichen Spiralarm andeuten.

NGC 5461 (HII in M101) - recht kleiner Nebel bei 50x - wirkt im ganzen undeutlicher als NGC 5462

NGC 5462 (HII in M101) - deutlich non-stellarer etwas länglicher Nebelfleck - recht hell, aber ziemlich klein - geschätzt 2x1' 

Beide HII-Regionen waren ziemlich schwach - vielleicht sollte ich in einer besseren Nacht noch eine Stunde beobachten und dann auch zeichnen.

Gegen Ende der Beobachtung, waren wir beide ziemlich durchgefroren, aber zufrieden. Martin hatte die Zeit mit dem belichten seines Dia-Films verbracht - der Komet und M13 stehen ja noch reizvoll dicht beieinander - noch schwärmend vom letzten Film mit einigen richtig guten Fotos vom Winterhimmel. ;-) Das Teleskop war schon so feucht, das das Wasser regelrecht herunterlief. Als ich zu Haus alles aus dem Auto geräumt hatte war die Morgendämmerung schon deutlich spürbar.

Clear Skies
Matthias


Visual Deep Sky Observing and CCD-Imaging: www.Serifone.de

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