Beobachtungsnacht vom 15/16.8.2002

Instrumentarium: - 8" f/6 Meade Starfinder mit 40mm, 25mm und 6,4mm Okularen + UHC-Filter
                                 
Beobachtungsort:
südwestliches Land Brandenburg auf 52,3° n.B.

Bedingungen: Es war eine gute Nacht - am Abend verzogen sich die Wolken im Westen, und nachdem der Mond untergegangen war, zeigte sich die Sommermilchstraße prächtig strukturiert. Das Seeing war gut, die Transparenz bis zum Horizont vorhanden. Nur die große Luftfeuchtigkeit nach den starken Regenfällen der letzten Tage war problematisch. An meinem präferiertem Beobachtungsplatz zwischen Maisfeld und Wiese zogen schnell Nebelbänke auf, und so fuhr ich wieder etwas zurück zu einem kleinen Hügel an einem abgeernteten Getreidefeld. Hier war es zwar heller, aber dafür nicht so feucht. Die Grenzgröße betrug im Zenit 6m3.


Beobachtung:

Zeit: 22.30 Uhr - 2.00 Uhr

Nachdem der Mond untergegangen war habe ich noch einige teils per Hand nachgeführte Aufnahmen der Sommermilchstraße gemacht. Das Provisorium das ich auf die Gegengewichtsstange des Zeiss montiert habe ist zwar alles andere als ideal, aber ich mach das ja mehr aus Freude an der Sache. Es waren immer noch viele Sternschnuppen unterwegs am Himmel - vielleicht ist ja auf meinen Strichspuraufnahmen etwas drauf. Dann versuchte ich M22 mit bloßem Auge wahrzunehmen - ab und an leuchtete zwar ein matter Fleck auf, jedoch war ich mir nicht sicher, ob dieser real war. Dann ging es los. Zwischen Schütze und Steinbock warteten 2 sehr schwierige Objekte.

M 55 (NGC 6809) (Gc) (Sgr) 7,0mag

Dieses Objekt steigt für Brandenburg nur 7 Grad über den Horizont. Alles was ich erkennen konnte war ein eindeutiger, aber sehr schwacher und recht großer Nebelfleck. Enttäuschend - den habe ich von Italien aus selbst mit dem Feldstecher besser gesehen!

NGC 6822 (Gx) (Sgr) 8,8mag (Bernard's Galaxy)

Endlich habe ich sie sicher gesehen. Die Galaxie steht in einem fast sternleeren Gebiet, an das sich gleich nach Süden ein sehr sternreiches anschmiegt. Bei 30x und 50x war ein großer und schwacher in Nord-Süd-Richtung elongierter Fleck wahrzunehmen. Bei Tubusbewegung bestand kein Zweifel mehr an der Sichtung.

Zentrales Thema des Abends - die Schildwolke

Die leuchtend helle Schildwolke war ohne Probleme selbst in der Dämmerung bei 40° Abstand vom Mond erkennbar. Sie erscheint mit bloßem Auge dreieckig begrenzt, wobei besonders an der Nordostseite der Übergang in die anderen Milchstraßenwolken fließend ist. Sie ist eines der reichsten Deep-Sky-Jagdgebiete am Himmel.

M 11 (NGC 6705) (Oc) (Sct) 5,8mag (Wildduck-Cluster)

Zweifellos das Schmuckstück der Schildwolke! Schon bei 30x ein leuchtend heller Nebel mit einem hervorstechenden hellen Stern - umringt von duzenden schwacher Haufensterne. Bei 50x ist der Haufen eine Augenweide! Sehr viele Sterne! Ein Meer von Haufenmitgliedern - einfach ein Hochgenuss. Immer wieder.

Basel 1 (Oc) (Sct) 8,9mag

Recht interessant. 3 hellere Sterne geben dem Haufen eine dreieckige Form. Insgesamt sind bei 50x etwa 10 Sterne zu zählen, die sich mit etwas Nebel vermengen.

NGC 6704 (Oc) (Sct) 9,2mag

Etwas kleinerer kompakter Sternhaufen. Er fällt im Gesichtsfeld auf, ist etwa mittelhell und bei 50x in ca. 5 Sterne aufgelöst. Auch hier erscheint der Hintergrund nebelig.

Dicht nord-östlich bei ihm ist mir ein schöner Doppelstern aufgefallen.

WFC 213 (Washington Fundamental Catalogue) (Ds) (Sct) 8,8"

Ein wunderbares, bei 50x deutlich getrenntes Paar von exakt gleichhell erscheinenden 10m-Sternen, die im Abstand von 8,8" stehen. Ein echter Geheimtipp des Sternbildes!

Tr 35 (Oc) (Sct) 9,2mag

Fällt kaum im Gesichtsfeld auf. Länglicher ziemlich schwacher Sternhaufen - nicht auflösbar - nur indirekt ist die Sternhaufennatur erkennbar. Er wirkt dann aber sehr sternreich!

Do 32 (Oc) (Sct)

An der angegebenen Position ist ein sternleeres Loch zu finden. Ich suche bei 50x die Umgebung ab. Im Westen ist eine längliche lose Sternansammlung zu finden, im Osten scheinen sich um einen hellen Stern einige schwächere zu gruppieren. Ich tendiere zum letzteren, da mir diese Ansammlung am ehesten Haufenähnlich erschien.

NGC 6682 (Plate Defect) (Sct)

Am Nordende einer gebogenen Sternkette soll angeblich ein Haufen liegen, aber bei keiner Vergrößerung ist auch nur ein Stern zu erkennen. Plate Defect ist somit recht wahrscheinlich, aber ich habe zumindest nachgesehen.

NGC 6683 (Oc) (Sct) 9,4mag

Dieses ist ein unbekanntes aber exzellentes Objekt im Scutum. Interessant. Sehr sternreicher Milchstraßenhintergrund. Bei Tubusbewegung und schon bei indirekter Sich ist im Gesichtsfeld ein schwacher aber auffälliger Fleck zu erkennen - er erschein komplett nebulös, jedoch verteilen sich vermutlich Vordergrundsterne gleichmäßig über seine Fläche. Ein spannendes Objekt!

NGC 6664 (Oc) (Sct) 7,8mag

Mit diesem Objekt hatte ich schon immer Sorgen. An der in Cartes du Ciel angegebenen Position findet sich just eine Dunkelwolke. Ich habe bei der Beobachtung vermerkt: "Kein Haufen". Bei der Recherche stelle ich später fest, das die Position von CdC falsch ist und der Haufen die lockere aber markante Sternansammlung östlich von Alpha Scutii sein soll, die ich zum auffinden der Position verwendet hatte. So ist der Haufen ei 50x direkt auffällig und auch sehr einfach zu finden. Es handelt sich um eine halbkreisähnliche Anordnung mittelheller Sterne nahe Alpha Sct, die wohl schon im Feldstecher sichtbar sein könnte.

Tr 34 (Oc) (Sct) 8,6mag

Sehr schwach. Nur mit Mühe kann ich eine kleine Sternkondensation erkennen. Bei Trümpler-Haufen lohnt es durchaus, einmal zu höheren Vergrößerungen zu greifen. Bei 190x sind nur wenige helle Sterne zu erkennen, die sich länglich anordnen. Bei 50x konnte ich noch eine Art Nebelkern erhaschen, der wohl auf eng zusammenstehende schwache Sterne zurück geht. 8" Öffnung sind für dieses Objekt definitiv zu wenig.

M 26 (NGC 6694) (Oc) (Sct) 8,0mag

Ein markantes Objekt - es erscheint unregelmäßig nebelig, wobei per direkter Sicht 4 Sterne durchscheinen, die in etwa ein Kreuz bilden - einer von ihnen ist besonders hell. Per indirekter Sicht sind dann viele Sterne besonders im Zentrum aufgelöst. Ein schönes Objekt, wie ich finde.

NGC 6712 (Gc) (Sct) 8,2mag

Ein weiteres Schmückstück des Schildes. Der Nebelball ist bei 50x mittelgroß und hell!! Auch wenn Hartung etwas anderes erzählt, so löst mein 8" den Haufen bei 190x nicht auf. Ich kann keine Sterne direkt erfassen - indirekt erscheint es wohl etwas angelöst, aber nicht mehr.

Bei 50x im selben Gesichtsfeld steht ein planetarischer Nebel....

IC 1295 (Pn) (Sct) 12,7mag

Dieses Objekt konnte ich ohne Filter nicht erkennen. Es ist selbst auf den Aufnahmen des DSS nur schwach sichtbar! Mit UHC-Filter war es dann schwach aber eindeutig erkennbar. Auf der von NGC 6712 abgewandten Seite eines 11m-Sternes, ist ein schwacher 2:1 elongierter Nebel zu erkennen, der in seinem Zentrum etwas dunkeler wirkt. Das Objekt ist am besten indirekt zu erkennen. 

Die Schildwolke neigte sich nun deutlich dem Horizont.

NGC 6649 (Oc) (Sct) 8,9mag

Sehr schwacher oval-länglicher Sternhaufen an der Ostseite eines 9m-Sternes. per indirekter Sicht sind nur 1-2 Sterne aufgelöst. Auffällig ist der dunkele Himmelshintergrund (sternarm!).

NGC 6625 (Oc) (Sct) 9,0mag

Ein große und lockere Sternansammlung die wohl eher auf den reichen Milchstraßenhintergrund zurück gehen dürfte. Es zeigen sich verschiedene Sterngruppen, ohne das zu einem Zeitpunkt die Haufenform erkennbar gewesen wäre. Auch von der, von vielen Beobachtern beschriebenen "S"-Form konnte ich nichts erkennen.

Dann gönnte ich mir zum Abschluss noch einige Blicke auf den Nordamerkia- und Pelikannebel, und dann führ ich langsam nach Haus. Die Plejaden waren schon mit 10 für das bloße Auge sichtbaren Sternen aufgegangen, und am Südhorizont kündigte Fomalhaut langsam den Herbst an.

Clear Skies
Matthias


Visual Deep Sky Observing and CCD-Imaging: www.Serifone.de

Lob, Kritik, Fragen und Anregungen an matthias.juchert@serifone.de