Beobachtungsnacht vom 14/15.8.2004

Instrumentarium: - 8" f/6 MEADE Starfinder EQ
                                 
Beobachtungsort:
Mittelmark/Brandenburg 52°19' n.B - 50m Meereshöhe

Bedingungen: Endlich wieder dunkler Himmel, und die Rückkehr zum angestammten Beobachtungsplatz, sorgten für eine freisichtige Grenzgröße von 6m8 in UMi. Bis auf leichten Bodennebel, der sich mit der Zeit über dem Feld bildete, gab es an dieser Nacht einfach nichts auszusetzen.


Beobachtung:

Zeit: 23.00 Uhr - 02.00 Uhr MESZ 

Es war die Nacht der alljährlichen, freudigen Rückkehr an meinen Lieblingsbeobachtungsplatz in der Mark. Hier habe ich in den Sommermonaten immer beidseitig ein hohes Getreidefeld vor der Nase. Wenn mich auch die eingeschränkte Sicht, oder die kurzen Nächte nicht davon abhalten können, dort zu beobachten ... die kleinen Überraschungen des Feldes (Wildschweine) können das schon. :-) Erstaunlich früh in diesem Jahr wurde die Ernte eingefahren, und so konnte ich schon 1-2 Monate früher als gewohnt hier beobachten. Der Himmel war fantastisch, und so habe ich zunächst einige alte Bekannte im Schützen begrüßt, bevor die Jagd nach Nebeln so richtig losgehen konnte.

NGC 6822 = IC 4895 (Gx) (Sgr) 8,7mag

Die berühmte Irreguläre Galaxie erscheint heute mit indirekter Sicht relativ deutlich. Sie zeigt sich als, in Nord-Süd-Richtung elongierte, große aber schwache Nebelwolke ohne auffällige Strukturen.  Auffallend sind die vielen Vordergrundsterne, die sich über den Galaxienkörper verstreuen. Die Suche nach den HII-Regionen endete sowohl mit, als auch ohne UHC-Filter erfolglos.

Von Albireo ins Unbekannte - Vulpecula

Nachdem ich den wunderschönen Doppelstern eingestellt hatte, und die fantastischen Farben (die einfach kein Foto so wiedergeben kann) genossen hatte, ging es Richtung Süd-Osten - immer an der Grenze von Vulpecula und Cygnus entlang, zu einigen atemberaubenden Anblicken.

NGC 6813 (Neb) (Vul)

Ein lohnendes Objekt in einem sehr hübschen Feld!!  Besonders die markante Sternkonstellation in Form des bekannten "Haus vom Nikolaus", die im umkehrenden Fernrohr auffällt, macht die Aufsuche zum Kinderspiel. Schon bei 50x ist ein kleines Nebelchen zwischen einem 9m und einem 11m-Stern sichtbar. Bei 126x zeigt sich ein recht deutliches, aber auch recht kompaktes Objekt. Ein Nebelfilter ist nicht unbedingt nötig, auch wenn der UHC den Kontrast noch etwas verbessert. Der helle Stern im Zentrum des Nebels fällt kaum auf, und wirkt eher wie eine Helligkeitskulmination innerhalb des Nebels. Am nordwestlichen Außenrand des Nebels findet sich noch ein weiterer etwa 13m heller Stern.

NGC 6815 (Oc) (Vul)

An der Position 19h40m40s +26°45'46" findet sich eine bei 50x und 98x auffallende, recht ausgedehnte Sterngruppe. Sie hebt sich trotz des sehr reichen Milchstraßenfelds gut ab. Die Form erinnert an eine kleine, gewundene Sternkette, die sich mit einem auf der Seite liegenden "S" vergleichen lässt. Bei 98x sind ca. 25 Sterne sichtbar - die meisten davon im Südosten der Sterngruppe.

NGC 6834 (Oc) (Cyg) 7,8mag

Ein sehr hübscher, schon bei 50x aus dem Feld hervorstechender Sternhaufen - wie aus dem Lehrbuch! Dominiert wird er durch eine von Ost nach West angeordnete Kette von 6-7 helleren Sternen - der hellste darunter befindet sich genau im Zentrum. Besonders nördlich und westlich diesen hellen Sterns sind bei 126x viele schwache Haufenmitglieder in insgesamt dreieckiger Anordnung aufgelöst. Ansonsten wirkt der Haufen nicht all zu sternreich. Auffällig sind zudem 3 Sternkondensationen im Umfeld des Haufens - zwei davon nördlich und eine im Süden.

NGC 6847 (Oc) (Cyg) 7,8mag

Hier handelt es sich um eine der sehr unsicheren Identifikationen des NGC. William Herschel beschreibt augenscheinlich eine Sternwolke in der Milchstraße. Die im aktuellen "Optically visible open clusters catalog" von Dias et al gegebene Position verweist auf Ra: 19h56m37.00s und De:+30°12'48" mit einer Größeangabe von 30'. Diese Position wird auch vom NGCIC-Projekt vermutet, was aber wie gesagt mit erheblicher Unsicherheit behaftet ist. Im Teleskop fällt bei 50x erst nach einiger Zeit eine teilweise aufgelöste Milchstraßenwolke mit leicht ovaler Gesamtform auf. Indirekt scheint das Feld mit mehreren kontrastschwachen Dunkelnebeln zersetzt zu sein. Die reiche Milchstraße ist scheinbar mit einigen gleichhellen, aber insgesamt schwächeren Sternen übersäht, was sie geringfügig vom Umfeld abhebt. Zudem wird die Wolke besonders nach Süden hin durch einige hellere Sterne begrenzt. Vielleicht Ansätze für Indizien, die Herschel hier einen Cluster vermuten ließen. 

IC 4954/ IC 4955 (Neb) (Vul) 
Roslund 4 (Oc) (Vul)

Roslund 4 ist ein eher unscheinbarer Sternhaufen, der in den Nebelkomplex von IC 4954 und IC 4955 eingebettet ist. Der Sternhaufen zeigt sich bei 50x nur als kleine längliche Gruppierung, die auch bei 126x nur etwa ein Dutzend Mitglieder zeigt. Dabei erscheint eine grobe Zweiteilung des Haufens. Der südwestliche Teil besteht aus einem hellen und wenigen schwächeren Sternen die sich in den Nebel IC 4955 einbetten. Der Nebel folgt der Elongation dieser Sterngruppe, und ist etwas heller als IC 4954. Dieser findet sich nordöstlich, und umgibt eine markante Sterngruppe, die sich aus einer engen Dreierkette und einem Doppelstern zusammensetzt. Direkt nördlich davon befindet sich ein hellerer Stern, der sich jedoch zumindest visuell außerhalb der Nebelschwaden zu befinden scheint.

IC 4954/4955 und Roslund 4 im  8" Newton bei 126x - Matthias Juchert

Nebel- und Sternfelder nördlich von Deneb und dem "Nordamerika"-Komplex

Dann war ich so richtig auf den Geschmack gekommen. Es war wohl die Nacht der Nebelgebiete. Zumindest lud die Transparenz des Himmels dazu ein, einige Beobachtungsideen aus dem Hinterstübchen bzw. Kartenstapel zu kramen, was mich letztlich in den doch schon so häufig besuchten Cygnus zog. Und es gab überraschender Weise noch so einiges unbekanntes zu entdecken.

B 350 (Dn) (Cyg)

Ein bei 50x visuell recht unspektakulärer, da unscheinbarer Dunkelnebel. Im Umfeld finden sich viele ähnliche Abdunkelungen des Hintergrunds, so daß sich zumindest visuell die Vergabe der Barnard-Nummer schwer nachvollziehen läßt.

NGC 6989 (Ast) (Cyg)

William Herschel katalogisierte hier aller Wahrscheinlichkeit nach nur eine kleine Sternwolke in der Milchstraße. Sein H VIII 82 (=NGC 6989) zeigt sich als unauffällige Ansammlung heller und schwacher Sterne in länglicher Form. Nach Süden hin wird die Ansammlung durch eine Kette heller Sterne eingerahmt. Nur durch den Kontrast zu dieser Kette, hebt sich das Feld etwas ab. 

Barkhatova 1 (Oc) (Cyg)

Barkhatova 1 erscheint bei 50x als recht große, nahezu ringförmige Sternansammlung südlich zweier heller Sterne. Mit indirekter Sicht sind insgesamt mehr als 35 meist schwache Sterne zu zählen. Allerdings umfasst das Helligkeitsspektrum auch 9 hellere Sterne. Insgesamt macht der Haufen einen gering kondensierten Eindruck. Niedrige Vergrößerungen sind somit zu empfehlen. 

NGC 6991 (Oc?) (Cyg)

W. Herschel beschreibt hier am 27.09.1788 einen "6m-Stern, umgeben von vielen Sternen, die einen brillanten, verstreuten Sternhaufen bilden". Der Stern ist eindeutig SAO 50246, und die vielen, ihn besonders nach Westen umgebenden Sterne fallen in jeden Sternkartenprogramm ins Auge. Visuell ist NGC 6991 sicherlich ein Objekt für niedrige Vergrößerungen. Dann ziehen sich vom hellen Stern nach Westen hin 3 parallele, längliche Sterngruppen. Die nördliche und südliche Gruppe erscheinen als einfache Sternketten, während die mittlere Sternansammlung deutlich im 20 unterschiedlich helle Sterne in einem irregulären Muster zeigt. Im Osten ist dicht bei dem hellen Stern auch schwach der Nebel IC 5076 erkennbar.

IC 5076 (Neb) (Cyg)

Dieser Nebel in der Umgebung des 5m7-Sterns SAO 50246 ist bei 50x schwach, aber doch deutlich erkennbar. Der helle Stern macht in seinem direkter Umfeld die Abgrenzung sehr schwer, und erzeugt "Geisternebel". Gut erkennbar sind jedoch die hellsten Partien westlich dieses Sterns. Sie erstrecken sich etwas nach Süden bis zu zwei 10m-Sternen in einem markanten Sternbogen. Mit der Zeit werden indirekt einige schwache Strukturen erkennbar - besonders ein Dunkelbänder oder Einschnitt im Süden. Der Nebel bettet sich auch in einige Sterne von NGC 6991 ein.

Zeichnung am 8" Newton bei 50x - Matthias Juchert

Sh 2-112 (Neb) (Cyg)

Um den 9m-Stern SAO 49801 ist schon bei 50x einer der helleren Sharpless-Nebel schwach aber deutlich auszumachen. Mit 98x und UHC-Filter wird der Eindruck deutlicher. Insgesamt erscheint ein relativ kleiner in Nord-Süd-Richtung elongierter Nebelarm, der sich an den hellen Stern anschmiegt. Seine Westseite ist recht scharf begrenzt, während er sich nach Osten hin langsam im Umland verliert. Der Nebel zeigt auch einige Helligkeitskulminationen. So findet sich sowohl bei dem hellen Stern als auch an seinem südlichen Ende eine erkennbare Kondensation.

*Von solch erfolgreichen Nebel-Beobachtungen angespornt, versuchte ich mich an einem ganz schweren Brocken - Sharpless 115. Leider ohne Erfolg - zumindest in dieser Nacht. Dafür war der eingebettete Sternhaufen Berkeley 90 erkennbar.*

Berkeley 90 (Oc) (Cyg)

Dieser Sternhaufen ist in die HII-Region Sh 2-115 eingebettet. Bei 126x war östlich eines markanten eine relativ verstreute, längliche Gruppe von 15 Sternen erkennbar, bei der es sich jedoch nicht um den Sternhaufen selbst handelt. Dieser ist nur bei etwas geringerer Vergrößerung (98x) als schwacher Nebel um zwei eingebettete Sterne erkennbar. Aufgrund der geringen Helligkeiten der Mitglieder verbleibt der Haufen komplett unaufgelöst und nebelig.

Meine Beobachtungsversuche an PK 85+4.1 = Abell 71 brachten letztlich ein unschlüssiges Beobachtungsergebnis - ich werde wohl unter besserem Himmel noch einmal beobachten müssen. Abell-Nebel sind halt eine besondere Gattung von Objekten, für die für meinen 8" doch eine Nummer zu groß sind. Nach 3 Stunden voller interessanter Objekte überkam mich doch die Müdigkeit, und ich machte mich auf den Heimweg. Der Wetterbericht für die nächsten Tage lies ohnehin noch auf weitere Beobachtungsmöglichkeiten hoffen.

Clear Skies
Matthias


* Visual Deep Sky Observing and CCD-Imaging: www.Serifone.de -- Contact: matthias.juchert@serifone.de *