Beobachtungsnacht vom 13.7.2002

Instrumentarium: - 8" f/6 Meade Starfinder (25mm Plössl, 6,4mm Super-Plössl + UHC)
                                 
Beobachter: Matthias Juchert - Beobachtung auf 52,4° n.B. im westlichen Brandenburg

Bedingungen: 6m2 - Durchsicht im Zenit gut aber am Horizont recht dunstig - nahezu windstill und daher sehr feucht 


Beobachtung:

Zeit: 1.00 Uhr - 2.30 Uhr

Am Abend weilte ich noch auf einer kleiner Abschlussfeier einer Freundin aus meinem Studiengang. Es war bedeckt und so hatte ich mich auf den gemütlichen Abend eingerichtet. Die Feier zog sich bis nach Mitternacht, als ich plötzlich Sterne durch die Bäume blitzen sah - wenig später war es völlig aufgeklart. Bombastisch! Die Milchstraße war sehr deutlich und schön strukturiert. So verabschiedete ich mich etwas überstürzt von meiner Freundin, und brach nach einem kurzen Plausch mit Freunden die ich auf der Rückfahrt traf, gegen halb 1 nach Haus auf. Schnell sämtliche Sachen zusammen gesucht, und den Starfinder ins Auto geladen - schon war ich wieder unterwegs. Und nach nur einer halben Stunde, die die gesamte Aktion beansprucht hatte, stand ich wieder neben dem Maisfeld. Nicht schlecht - und was soll ich sagen - ES WIRD ENDLICH WIEDER DUNKEL! Ein wunderbares Gefühl, endlich die Mitternachtsdämmerung überstanden zu haben. Die Schildwolke leuchtete, als wenn sie von Flugzeugscheinwerfern angestrahlt wurde - naja - fast :-).- allerdings war die maximale Dunkelheit mit meiner Ankunft bereits erreicht. Langsam fing es wieder an zu dämmern.

Auf Deep-Sky-Jagd im nördlichen Schützen

Der Schütze war als Wahl heute nicht sonderlich prädestiniert. Hier schlug der Dunst doch gewaltig zu, aber die bekannten Messier-Objekte überredeten mich doch - naja - außerdem hatte ich auf die schnelle nur die ausgedruckten Sagittarius-Karten greifen können.

M 22 (NGC 6656) (Gc) (Sgr) 5,1mag

Schon im Sucher konnte ich den riesigen Globular deutlich erkennen. Bei 190x verstreuten sich dann bereits bis ins Zentrum sehr viele Sterne. Es war nur ein kurzer Blick um die Augen ans teleskopische Sehen zu gewöhnen.

M 28 (NGC 6628) (Gc) (Sgr) 6,9mag

Dieser Haufen enttäuschte eher - keine Sterne konnten aufgelöst werden. Auch die angegebene Helligkeit, die die Ophiuchus-Haufen an Eindrücklichkeit übertreffen sollte - all das war Suggestion, die keine Erfüllung fand. Aber ich war ja auch noch nicht völlig adaptiert.

Weiter ging es dann zu einem der schönsten Sternhaufen im Schützen, der heute auch Startpunkt für eine kleine Rundreise sein sollte. 

M 23 (NGC 6494) (Oc) (Sgr) 5,5mag

Harrington beschreibt diesen Haufen als "just be visible to the naked eye on clear nights as a slightly brighter spot along the Milky Way". Dies kann ich heute leider aufgrund des Horizontdunstes nicht nachvollziehen. Doch da, wo mir der 63mm-Refraktor noch einen sternigen Nebel zeigte, löst der 8-Zoller den Haufen vollständig in eine sehr reiche Anzahl von Sternen auf. Ziemlich imposant, wobei schon bei 50x ein relativ lockeres Erscheinungsbild zu Tage tritt. Der Haufen wirkt insgesamt rund, wobei ein rechteckiger großflächiger Bereich, deutlich hellerer Sterne auffällt. Ein ähnliches übereinander projizieren kenne ich bereits vom Haufen M37.

Bernard 84a (Dn) (Sag)

Dieser Dunkelnebel liegt etwa 1 1/2 Grad nördlich von M23 - vielleicht lag es daran, das ich schon ziemlich müde war, jedoch zeigte der Dunkelnebel kaum Kontrast. Sicherlich - auf seiner Fläche waren kaum Sterne zu erkennen, aber das Umfeld war auch recht sternarm.

NGC 6507 (Oc) (Sag) 9,6mag

In naher Nachbarschaft des Dunkelnebels fand sich dieser Sternhaufen. William Herschel beschrieb in bei seiner Entdeckung im Jahre 1786 als "a cluster of scattered small stars, 8' diameter, not very rich". Im 8" wirkte der Haufen etwas Nord-Süd-elongiert und ziemlich schwach. Ein hellerer Stern war im Südbereich des Haufens deutlich auszumachen. Mit indirektem Sehen kamen weitere schwache Sterne hinzu - sie schienen etwas mit einem zaghaften Nebel vermengt.

NGC 6445 (Pn) (Sag) 13,0mag

Schon Steve Coe merkte an, das ihm dieses Objekt heller als 13mag erschien. Dem kann ich nur zustimmen, denn schon bei 50x war ein kleiner deutlicher Nebelfleck indirekt zu erkennen. Er wirkte etwas diffus und deutlich non-stellar. Bei 190x meinte ich in der Mitte eine deutlich hellere Stelle erkennen zu können. Dann der Versuch bei 50x mit Filter - jaaa - es ist ein planetarischer Nebel. Mit Filter wirkte er etwa 1/3 größer und ich konnte ihn auch direkt gut beobachten.

Im selben Gesichtsfeld wartete bei 50x schon das nächste Objekt - ein schwacher Kugelsternhaufen, der natürlich besser ohne Filter zu beobachten war.

NGC 6440 (Gc) (Sag) 9,7mag

Mit NGC6445 im Feld ein schöner Anblick. Ich kann das Objekt knapp bei direktem Sehen halten. Der Haufen ist ziemlich klein, und steigt in punkto Helligkeit stark zum Zentrum hin an. Sicherlich ein konzentrierter und weiter entfernter Kugelsternhaufen, der wohl von unserer Blickrichtung aus, hinter dem galaktischen Zentrum steht.

M 17 (NGC 6618) (Neb) (Sgr) 6,0mag

Dann warf ich einen langen Blick auf den Omeganebel - ich beobachtete bei 50x Vergrößerung und wechselte häufig zwischen Filter und filterloser Beobachtung. Wieso heisst er eigentlich Omeganebel, wenn der Schwan viel auffälliger ist? Naja - ich habe gespechtelt und nach einiger Zeit habe ich einen ziemlich hellen Fortsatz am Schwanz des Schwanes entdeckt - dieser Bogen ist von der Helligkeit her zwar schwächer als der Körper, aber mit Filter war er unübersehbar. 

Ich werde das bei gegebener Zeit einmal auf Papier bringen - Zeit die mir heut nicht mehr blieb da es langsam heller wurde.

NGC 6596 (Oc) (Sag) geschätzt 9mag

Hier zeigten sich auf größerer Fläche verteilt einige verstreute Sterne die kleine unscheinbare Grüppchen bildeten. Ich bezweifele, das der Sternhaufen die Trümpler-Klassifikation "rich" erhälten hätte - "middle" oder "poor" würde es treffender beschreiben. Bei längerem betrachten schienen sich einige Sternketten heraus zuformieren.

M 18 (NGC 6613) (Oc) (Sgr) 6,9mag

Der helle Messier-Haufen war mir dann auch einen kurzen Blick Wert. Die relativ locker angeordneten helleren Sterne zeigten sich zu einem Nord-Süd elongierten Oval angeordnet. Mit indirektem Sehen konnte ich bei 50x knapp 20 Sterne zählen.

Nach einem Starhopp über 3° Himmelsareal, war ich beim nächsten Zielobjekt angelangt.

Unbekannte Schätze

NGC 6561 (Asterismus) (Sag) geschätzt 8mag

South 700 AB/AC - (Ds) (Sag) 28,7"/19"

An dieser Stelle zeigte sich, wie die Klassifikation zeigt nur eine lose Sternverdichtung im recht sternreichen Umfeld. Das wahre Highlight war jedoch der im Zentrum der Verdichtung stehende Doppelstern South 700. Seine Hauptkomponente ist etwa 8m hell. Die etwas nördlich stehende Komponente in 28,7" Distanz war nur wenig schwächer, und sehr deutlich bei 50x getrennt. Dann musste ich doch 190x zücken um die schwächere Komponente klar erkennen zu können - einen 10m-Stern im Westen mit ca. 19" Distanz zum Hauptstern. Was für ein wunderbarer Mehrfachstern!

NGC 6645 (Oc) (Sag) 8,5mag

Auch diesen Sternhaufen hat Wilhelm Herschel von England aus aufgefunden. Er ist ein echter Geheimtipp unter den vielen Sagittarius-Sternhaufen, und noch dazu macht ihn seine relativ nördliche Position interessant für uns Mitteleuropäer. Bei 50x ist sofort ein großer ovaler Nebel zu erkennen, der sich per indirektem Sehen in einen unheimlichen Sternschwarm auflöst. Es verbleibt Restnebel und so ist der Haufen im 8" nicht vollständig auflösbar.

NGC 6647 (Oc) (Sag) 8,0mag (non-existent)

Dieses Objekt wird vom neuen "Kosmos Himmelsführer" als "kleine Sternwolke in der Milchstraße" beschrieben. Das dem nicht so ist, davon konnte ich mich am Okular überzeugen. Bei keiner Vergrößerung war eine markante Sternanhäufung zu finden. Eigentlich ziemlich sternenleer - die angegebene Position. Handelt es sich um eine Doppelbeobachtung von NGC6445 durch Herschel? Man kann nur mutmaßen. Im Revised-NGC ist das Objekt jedenfalls richtiger Weise als non-existent klassifiziert, und auch das Digital Sky Survey Bild zeigt keinen Haufen.

Ruprecht 171 (Oc) (Sct)

Ein sehr schwacher Sternhaufen im Schild - eigentlich unbeobachtbar im 8". Nur ab und an meinte ich einen sehr schwachen Nebel erkennen zu können. Unsicher.

M 25 (IC 4725) (Oc) (Sgr) 4,6mag

Dieser prächtige Sagittarius-Haufen füllt mein Gesichtsfeld bei 50x sehr schön mit vielen Sternen unterschiedlicher Helligkeiten. Mir fiel zum ersten Mal ein in seinem Zentrum liegendes schönes Sternmuster aus schwachen Sternen auf, die fast einen Ring bilden. Ein toller Anblick. 

Tr 33 (Oc) (Sgr) 7,8mag

Ein ziemlich Sternarmer Haufen, der auch bei 190x wenig Beobachtungsreiz bietet. Selbst dann sind nur 10 Sterne unterschiedlicher Helligkeiten in einer kleinen Sternkette aufgefädelt.

Dann noch der obligate Schwenk ins Sternparadies Messier 24.... 

NGC 6603 (Oc) (Sag) 11,1mag

Wieder war dieser seidenzarte Nebel zu erkennen, der einfach einen unglaublichen Kontrast zum Sternreichtum der Milchstraßenwolke bietet. Ganz vorsichtig blitzen die ersten Sterne auf, verraten den Nebel als Haufen schwacher Sterne. In den TOP 10 meiner Lieblingssternhaufen.

Zum Schluss - es wurde schon hell, kam noch der dickste Brocken...

NGC 6567 (Pn) (Sag) 11,5mag

Ganz tief im sternreichsten Teil von M24 eingebettet. er hat mich fast eine halbe Stunde gequält. Ein unglaublich schweres Objekt - kein Vergleich zu NGC2438 in M46, der ja deutlich non-stellar erscheint. Hier hat man ohne Filter keine Chance. Zuerst hatte ich die falsche Region abgesucht, dann die richtige mit 190x ohne Filter - ohne Erfolg - welches waren Sterne, und welches der Nebel. Dann erlöste mich der UHC in Kombination mit dem 25mm Okular von meinen Qualen. Da war ein Objekt - stellar, aber es schien auf den Filter anzusprechen. Ich versuchte mit 190x + Filter mein Glück, aber wieder keine Chance. Extrem schweres Objekt!

Dann hatte ich aber wirklich mehr als genug, und die Augen vermeldeten mir, das sie mich nur noch heil nach Haus bringen und dann sofort zufallen wollten. Dem Wunsch entsprach ich gern .-) Und so packte behutsam den Tubus auf die Rückbank, die Montierung in den Kofferraum, und fuhr nach Haus.

Clear Skies
Matthias


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