Beobachtungsnacht vom 13/14.12.2001

Instrumente:  3" f/10 Zeiss Refraktor, 4,5" Pluto/S f/4,3, 8-24x50 Zoom Feldstecher

Beobachtungspunkt: freies Feld in Westbrandenbg. auf 52,5° n.B. 

Beobachter: Matthias Juchert, Martin Dietrich 

Zeit: 23.00 Uhr - 03.00 Uhr

Bedingungen:

Extreme Bedingungen - daheim waren es schon vorm Aufbruch -12° C. Auf dem Feld schätze ich es wegen der ungeschützten Lage auf mindestens -15°C!! Hinzu kam ein schneidender Ostwind der Windstärke 4 bis 5, der die gefühlte Temperatur deutlich unter -20° drückte. Ich denke wohl, das ich noch nie unter solch extremen Bedingungen beobachtet habe. Ohne unsere Schutzvorkehrungen, das regelmäßige aufwärmen im Auto und viel Bewegung hätte man nach 4 Stunden sicherlich mittelschwere Erfrierungen davon getragen! Der Himmel erwies sich als anfänglich gut, später jedoch nur noch befriedigend. Sicher hat die schlechter werdende Konstitution zur Verstärkung dieses Eindrucks beigetragen. Immerhin war es nicht all zu feucht, und die Eisschicht die sich überall bildete hielt sich in Grenzen. Das Seeing war für einen so plötzlichen Kaltlufteinbruch (innerhalb von 48 Stunden 20 Grad Temperatursturz!) erstaunlich gut.

Beobachtung

Zuerst einmal haben wir unsere Autos in Windrichtung geparkt und zwischen ihnen eine Decke aufgespannt, die den Wind recht gut abhielt. Dann hab ich mich noch in eine dicke Decke eingewickelt, und hab begonnen, den Winterhimmel zu bestaunen. Was gleich am Anfang auffällig war, ist das sehr viele Meteoriten über uns hinwegzischten - ich hatte nicht mit den Geminiden gerechnet. Der Strom fiel derart reichhaltig aus, das er schnell die Beobachtung der Leoniden, 3 Tage vor ihrem Maximum in den Schatten stellte. Viele dieser Objekte waren deutlich heller als Sirius. Martin beobachtete einen Feuerball, der mit mind. -7m quer durch Orion zog. Teilweise bildeten die Meteore Stafetten die nacheinander hinunter gingen - dies war im Randprogramm der Deep-Sky-Beobachtung ein sehr schönes Erlebnis.

Dann schwenkte ich erst einmal auf der Suche nach bekannten "naked eye" Objekten über den Himmel. NGC884 und 869, die das Zentrum der Sternassoziation Perseus I bilden, waren sogar von daheim gegen eine Straßenlampe auszumachen. In meiner Hochschulbibliothek hatte ich in einer "Festschrift des Max Planck Instituts 1958" interessante Informationen über das Alter und das Ausmaß der Sternentstehung in dieser Assoziation erfahren. In den Zwillingen war ein weiteres Objekte von nebligem Charakter auszumachen - der helle Sternhaufen M35 zeigte sich als runder Nebel. Selbstverständlich waren auch leichtere Objekte wie M42 und M44 dem freien Auge zugänglich. Letzteren vermochte ich sogar in ein oder 2 Sterne vor dem großen Nebel aufzulösen.

Die Planeten standen heute ja wirklich prächtig. Jupiter rang gerade mit seinem Mond Io, der kurze Zeit später seinen Schatten auf den Planeten warf - die anderen Mond waren auf der anderen Seite aufgereiht, wie eine Perlenschnur. Ich konnte etliche Bänder und ansatzweise einige Flecken erkennen (Vergr. 80x u. 180x). Saturn ist ebenfalls ein wunderschöner Anblick - so kurz nach seiner Opposition. Die Cassiniteilung in den Ringen konnte ich bis knapp vor den Planeten verfolgen. Zu dem waren die Monde Titan, Rhea und ansatzweise Dione sichtbar.

Nun aber genug an Testobjekten - die Nacht war zu kalt zum Testen, und so hab ich dann auch das leidige feststellen der Grenzgröße weggelassen. Nun die interessantesten Wegpunkte meiner Deep-Sky-Odyssee in Stichpunkten.

M42(NGC1976)(Neb)(Ori)

Also irgendwie konnte ich es nicht lassen, ihn nochmals anzupeilen - ist ja auch zu schön, das Teil. Herrliche Strukturen! Formatfüllend selbst im kleinen Teleskop.

NGC2024(Neb)(Ori)

So langsam wird der Nebel ein einfacheres Objekt - Alnitak wird außerhalb postioniert, eine mitllere Vergrößerung eingelegt, und schon sind die beiden hellen Nebelteile zu erkennen, die von einem breiten dunklen Staubband getrennt werden. Schönes Objekt.

Beta Monocerotis (Ds)

Schöner Mehrfachstern! Dreifach ist er im 40mm Okular sichtbar, und im 10mm Okular wird er dann zum Vierfachstern. Hier kommt man schnell ans Limit des Seeings heute Abend.

NGC2250(Oc)(Mon)

Ziemlich schwacher Nebelfleck - keine Sterne auflösbar. Im Osten des Haufens schmiegt sich ein hellerer Stern an den den schwachen Nebel an.

NGC2232(Oc)(Mon)

Sehr groß und hell! Etwa 30 hellere Sterne verstreuen sich auf sehr große Fläche - keine Konzentration erkennbar. Der hellster Stern des Haufens ist 10 Mon. Um ihn herum gruppieren sich etwas dichter gedrängt einige mittelhelle und schwache Sterne, die den Anblick des Haufens recht hübsch machen - aber nur bei kleinster Vergrößerung. Dann ein Versuch mit bloßem Auge - jaa - das ich den bisher übersehen hab. Er bildet ein deutliches Dreieck mit Beta Mon und Gamma Mon. Ziemlich großer hellerer Nebel.

NGC2215(Oc)(Mon)

Schöner Sternhaufen! Zarte recht konzentrierte Ansammelung vieler nadelfeiner Sterne - ja ein echtes kleines Highlight. Mit mittlerer Vergrößerung kann man im SW des Haufens das hellste Haufenmitglied erblicken.

*...kriege eine Riesenschreck, als mir ein Geminidenmitglied durchs Bild rauscht*

NGC2225(Oc)(Mon)

Ganz kleiner schwacher Sternhaufen, der nur mit mittlerer Vergrößerung und viel Konzentration erkennbar ist. Wo da NGC2226 sein soll kann ich nicht erkennen.

M50(NGC2323)(Oc)(Mon)

Schöner Sternhaufen! Einer der besten Messier-Sternhaufen. Der Feldstecher zeigt ihn als auffälligen Nebel, der aber kaum aufgelöst erscheint. Noch nicht vollständig aufgelöst im 25mm Okular. Viele Sterne - insgesamt runde Form, mit einigen Sternketten. Gar nicht so leicht zu finden in dem Sternenreichtum der Wintermilchstrasse! 

NGC2343(Oc)(Mon)

Kleinerer, aber auffälliger Sternhaufen mittelheller Sterne. Im Osten befindet sich am Haufenrand ein heller Stern. Die Gesamform des Haufens ist etwas dreieckig. Bei mittlerer Vergrößerung wird die relative Sternarmut erkennbar.

NGC2335(Oc)(Mon)

Eigentümlich - nur etwa 10 Sterne bei mittlerer Vergrößerung. Eventuell liegen die Mitglieder außerhalb meiner Reichweite. Am Objekt selbst besteht kein Zweifel - es hat sich sogar eine OCL-Nummer verdient, was die Haufennatur bestärkt.

NGC2353(Oc)(Mon)

Prachtstück! Wunderbares Objekt für den Refraktor. Von dem hellen Stern HD 55879 geht diese schöne Sternenansammelung aus, und erstreckt sich hierbei nach Norden. Sie bildet dabei ein schönes Dreieck. Recht dicht nördlich bei HD 55879 befindet sich das zweithellste Haufenmitglied - HD 55901. Viele hauchzarte Sterne sind zwischen etwas helleren verstreut. Lohnendes Objekt.,

NGC2396(Oc)(Pup)

Sternenansammelung, die sich nahe eines helleren Sternes gruppiert. Recht hübsches, aber unauffälliges Objekt.

*Aufwärmpause*

Das Sternbild Taube

Hier nun wieder etwas für meine Kategorie "Deep-South-Madness".

Es ist nunmal leider ein Fakt, das für mich hier in Westbrandenburg der Horizont bei etwa -37,5° Grad Deklination die Sicht nach Süden begrenzt. Mein Beobachtungsplatz ist nun in Sachen Südsicht schon fast optimal, aber trotzdem kann ich diese natürliche Barriere nicht überwinden. Aber ich kann versuchen, mich langsam an sie heranzutasten. So stand dann heute das Sternbild Taube (Columba) auf dem Programm, das ganz knapp über den Horizont tritt. Es bietet sich förmlich an, da es aus einer in Ost-Westrichtung ausgedehnten Ansammelung von Sternen der 3. und 4. Größe besteht. Der helle Stern Zeta CMa war deutlich mit freiem Auge zu erkennen. Er stand etwa 7 Grad über dem Horizont. Im Feldstecher waren dann schnell Delta und Kappa Columbae zu erkennen. Nach Westen schloß sich in etwas Entfernung eine Überraschung an - der Stern Alpha Columbae war überraschend hell und deutlich zu erkennen. Schließlich konnte ich im Teleskop ohne weiteres auch noch Beta Columbae erkennen. Dieser hatte genau 1,41° Höhe über dem Horizont. Das ist ein deutliches Indiz für sehr klaren staubfreien Himmel. Und das Beste - ich hatte das Gefühl, noch etwas Platz nach unten zu haben. Ich werde wohl im Frühjahr einen neuerlichen Versuch an Theta Centauri machen.

M41(NGC2287)(Oc)(CMa)

Der helle Sternhaufen im Großen Hund gefällt mir heute im 40mm Okular wirklich gut. Viele helle Sterne, die sich von ihrer Zentralkonzentration ins "Umland" verstreuen. 

Cr 140(Oc)(CMa)

"The Tuft in the tail of the dog" - ein schon seit jeher bekanntes Objekt, das schon vom Mittelmeer aus als deutlicher Nebel am Schwanzstern des Großen Hundes zu erkennen ist. Dieser "Schweif" besteht aus durchweg sehr hellen Sternen - trotz der Höhe bei etwa -32° Dekl. konnte ich etwa 15 Sterne ausmachen die sich länglich anordnen. Würde ich gerne einmal etwas weiter südlich mit dem Feldstecher beobachten. Im Teleskop war die Haufenstruktur schon fast undeutlich.

*Bedingungen jetzt deutlich schlechter...*

Cr 132(Oc)(CMa)

Ziemlich sternreiche Gegend, obwohl das Objekt so tief steht. Wenn man weiter südlich beobachtet, könnte Collinder 132 ein schönes helles Feldstecherobjekt darstellen. 

Cr 121(Oc)(CMa)

Eigentlich keine wirklich auffällige Sternanordnung. Enorm groß. 5 helle Sterne bilden eine Kette, die in Nord-Süd-Richtung orientiert ist. Sonst kaum Haufenmitglieder sichtbar. Wenig lohnend.

M47(NGC2422)(Oc)(CMa)

Schöner Sternhaufen - oft beobachtet, aber immer wieder lohnend. Viele helle Sterne vermengt mit noch mehr dunkleren Sternchen. Verschiedene Konzentrationszentren.

M46(NGC2237)(Oc)(CMa)

Heute nur Nebelförmig erkennbar. Die Bedingungen haben doch nachgelassen. Erst im 25mm ansatzweise hellere Mitglieder erkennbar. Erinnert mich heute eher etwas an NGC7789. 

NGC2423(Oc)(Pup)

Langgestreckter schwächerer Sternhaufen am Nordende von M47. Daher leicht zu finden, aber schwierig zu beobachten. Viele schwache Sterne, die durch wenige mittelhelle ergänzt werden..

*Bedingungen jetzt viel schlechter als zu Beginn...aber für zwei wunderbare höherstehende Objekte reicht es noch...*

NGC2360(Oc)(CMa)

Wow - hebt sich deutlich vom Umfeld ab. Ziemlich großer heller Nebel. Es will partout nicht gelingen, irgendwelche Einzelsterne aufzulösen, aber der Haufen hat auch so seinen Reiz. Unverständlich, das die Angabe der Sternhelligkeiten bei 9mag beginnen soll. Ich schätze die hellsten Sterne auf 10 - 11mag. Naja - es war schon viel zu kalt, und die Grenzgröße ist auch deutlich herunter gegangen.

*Der helle Wolf-Rayet Nebel NGC2359 wollte einfach nicht sichtbar werden - der Nebel zählt zu dem interessantesten, was der Winterhimmel zu bieten hatte - Schade.*

NGC2301(Oc)(Mon)

Das Beste zum Schluss. Wow - als ich dem Tubus den letzten Schub in Richtung NGC2301 gab, stach dieser sofort aus dem recht reichen Sternenumfeld heraus. Sofort war die auffällige Struktur erkennbar - eine langgestreckte Sternenkette - die mich sofort an eine Miniaturversion von Kembles Kasskade erinnerte. Diese Kette ist in Nord-Süd-Ausrichtung orientiert, und bildet das Hauptgerüst des Sternhaufens. Sie ist gewunden, und zeigt viele Sternknötchen und Verdickungen. Mir fällt die Konzentration schwacher Sterne besonders im Norddrittel der Sternenkette auf. Ein äußerst lohnendes Objekt!!

Dann habe ich mir langsam Sorgen gemacht, als ich meine Zehen nicht mehr richtig spüren konnte. Aber die Passion war noch einmal stärker, und ich wanderte noch schnell die hellen Leo-Galaxien NGC2903, M65 und M66 ab. Dann ging es mit schmerzenden Händen und Füssen ans abbauen. Die 4 Stunden sind wie im Fluge vergangen.

Daheim war ich heilfroh, das ich der anfänglichen Erfrierung doch noch mal entkommen bin - das Gefühl kehrte aber nur sehr langsam in meinen Körper zurück. Ich hab mir geschworen, mich etwas in Sachen Dauerbeobachtung im Winter zurückzunehmen. 

"Sprach es, während er in Gedanken schon wieder bei der nächsten Observation war..." ;-)


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