Beobachtungsabend vom 13.11.2001

Instrumente:  3" f/10 Zeiss Refraktor; 4,5" Bresser Pluto, 9x60 Feldstecher, Spiegelreflexkamera Exa 1a mit 50mm Objektiv

Beobachter: Matthias Juchert, Martin Dietrich

Zeit: 20.00 Uhr - 24.00 Uhr

Ort:  Land Brandenburg auf 52,5° n.B. - freies Feld mit Rundumsicht

Bedingungen:

Endlich gab mir der bisher verregnete November eine Möglichkeit, meine 1. Beobachtung für diesen Monat abzuliefern. Schon der Abendhimmel war sehr klar, aber mit einigen Cirren durchzogen. Die Temperatur war zur Abfahrt auf -3° Celsius gesunken, aber später bei der Beobachtung auf dem Feld dürften es wohl minus -10° Celsius gewesen sein. Anfänglich hielt sich noch Bewölkung, die sich gegen Mitternacht aber schnell verzog. Danach bot sich ein sehr dunkeler Himmel, mit kristallklarer Durchsicht! Bin mir nicht sicher, jemals so gute Bedingungen gehabt zu haben. Aus 20 Metern Entfernung war kaum mehr das weiße Teleskop zu erkennen!

Grenzgröße, unadaptiert durch Schleierwolken 6m3 (nach Durchzählung im Pegasus)!! Im Zenit waren es später wohl mindestens 6m6! Die Durchsicht reichte bis zum Horizont. Wäre es nicht so kalt gewesen, hätte ich wohl die ganze Nacht durchgemacht!

Naked-Eye-Objekte: M31(sehr deutlich), M34, M35(großer Nebel) M39, M42, M44 M45, NGC752, NGC869, NGC884, NGC2244 Mel20, Cr69

Beobachtung

Dick eingepackt bauten wir alles auf, um uns erst einmal über die vielen Wolken zu ärgern. Wolkenlückenhopping war angesagt.

M39(NGC7092)(Oc)(Cyg)

Bereits mit freiem Auge ein hellerer Schimmer in der Milchstraße. Gänzlich aufgelöst im Teleskop. Form etwa dreieckig. Sehr unauffällig im Teleskop. Heute verschwand der Haufen einfach im Sternenmeer.

*Die Wolken im Süden  waren jetzt in den Zenit gezogen, also... 

37 Ceti (Ds)

Sehr einfach im 40mm Okular zu trennen. Ein Feldstecher-Doppelstern! Komponenten mit 5,1 und 7,8 mag gut zu erkennen. Kaum ein Farbkontrast erkennbar. - Distanz 49,1"

Ganz in der Nähe führte mich mein Weg zu...

Laetitia (Asteroid Nr. 39)

Dieser Asteroid stand mit seinen 9,9mag heut nahe dem Stern SAO129183. Der Abstand zum 9,7mag hellen Stern betrug nur ca. 15". Ich beobachtete durch leichte Bewölkung, aber trotzdem waren beide Objekte gut zu erkennen. Den minimalen Helligkeitsunterschied konnte ich nicht wahrnehmen. Der Asteroid zeigte sich wie alle anderen im kleinen Teleskop sternförmig.

Saturn

Da die Wolken nun das gesamte Milchstraßengebiet abdeckten und er sich völlig unbedeckt zeigte war ich einen 1/4-stündigen Blick auf ihn. Nach längerem Beobachten waren die Monde Titan und Reha, die Cassiniteilung im Saturnring, und einige Oberflächenstrukturen erkannt werden. Hier fiel besonders ein dunkeles Äquatorband auf. Sehr schön wurde bei hoher Vergrößerung der dreidimensionale Eindruck des schwebenden Ringes um die abgeplattete Planetenkugel. Zuletzt erkannt ich auch, das der äußere Teil des Ringes dunkeler war, als der innere. Beeindruckend! 

*Satrun stand nahe bei NGC1647, und überstrahlte ihn fast!*

NGC1647(Oc)(Tau)

Recht großer aber sehr lockerer Sternhaufen. Der Anblick ist trotzdem interessant, da sich einige Mittelhelle und viele schwache Sterne im Haufen befinden. Auffälligste Struktur ist ein in Nord-Süd-Richtung verlaufende Sternkette hellerer Sterne. Im Zentrum habe ich eine im 40mm gut trennbaren, aber schwachen Doppelstern aufgefunden. Leider kein Objekt aus Struve's Katalog.?

NGC1746(Oc)(Tau)

Hierbei handelt es sich um eine lockere Sternwolke mit einigen verstreuten hellen Sternen. Der Haufen grenzt sich kaum von der Milchstraße ab, und auch die Abgrenzung der anderen mit ihm assoziierten Sternhaufen NGC1758 u. NGC1750 ist nicht möglich.

*Nun war endlich auch wieder der Pegasus halbwegs freigezogen - Zeit, um ein in "Sky & Teleskop" November 2001 angepriesenes Highlight näher unter die Lupe zu nehmen*

NGC7626 + NGC7619(2xGlx)(Peg)

Ein aufsehenerregendes Paar von zwei elliptischen Galaxien findet sich in der Südhälfte des Pegasus. Beide Objekte haben die 1. Größenklassen, sind aber als Elliptische Galaxien einfacher zu beobachten, als ihre Spiralkollegen. Aber selbst bei diesem Himmel verlangt ihre Sichtung im 3" absolute Konzentration und mittlere Vergrößerung. Dann sind zwei matte Lichtflecke sichtbar, deren Brillanz nicht mit den hellen Elliptischen Systemen des Virgo-Haufens mithalten kann. Wohl eher etwas für größere Lichteimer - schon allein wegen der umgebenden Galaxiengruppe!

*Da war doch noch etwas interessantes im Walfisch*

NGC246(Pn)(Cet)

Schwieriges Objekt der Marke Helixnebel. Mit Konzentration erscheint ein blasser Nebelfleck, der leicht unregelmäßig erscheint. Die scheinbare Sichtung eines mittelhellen Sternes im Objekt kann ich nicht bestätigen.

Der Komet C/2000 WM1 LINEAR

Endlich hab ich ihn auch gesehen. Danke an Lothar Singer für einige Hinweise. Hab ihn aber auch ohne Aufsuchkarte gefunden. Einfach Nu Persei eingestellt, und nach 5 sec konnte ich einen hellen ovalen Lichtfleck erkennen. Wow - der geht auf jeden Fall im Feldstecher. Kann mich an meine erste C/2001 A2 Linear erinnern, der zu diesem Zeitpunkt noch etwas brillanter erschien. Immerhin - mein 3. Komet nach diesem und Hale-Bopp. Konnte blickweise einen Schweifansatz erblicken. Ich denke nun doch, das er eventuell "naked eye" werden könnte. 

M1(NGC1952)(Snr)(Tau)

Ich finde M1 immer etwas schwierig. Auch bei den sehr guten Bedingungen war kaum mehr als ein ovaler Fleck zu erkennen. Immerhin war dies mit direkter Sicht der Fall.

NGC1662(Oc)(Ori)

Recht sternarm und etwas verstreut. Zentralbereich besteht aus wenigen mittelhellen Sternen, die aber auf kompakterer Fläche angeordnet sind. Dieser Fakt macht die Beobachtung interessant.

*Dann noch ein Zwillingssternhaufen - aber im Stier...*

NGC1807(Oc)(Tau)

Ca. 10 mittelhelle Sterne in länglicher Anordnung zu erkennen. Recht unspektakulär.

NGC1817(Oc)(Tau)

Liegt direkt neben NGC1807. Der erste Anblick entspricht auch dem vorherigen. Nur erscheint diese längliche Anordnung von 10-15 erkennbaren Sternen etwas lichtschwächer. Von den vielen schwachen Sternen ist leider nichts zu erkennen. Im großen Teleskop wohl ein schöner Anblick.

M35(NGC2168)(Oc)(Gem)

Ein Juwel des Winterhimmels. Ganz fantastisch, wie viele Sterne sich hier auf großer Fläche drängen. Bereits mit bloßem Auge konnten wir ihn deutlich als Nebel erkennen. Ach - *schwärm* - ein absoluter Hingucker! Er geht langsam ins reiche Sternfeld um. Trotzdem erschien mir der Haufen etwa dreieckig.

NGC1535(Pn)(Eri)

Mittelheller planetarischer Nebel. Weil mein 4 und mein 10mm Okular dann zugefroren waren konnte ich ihn nur als kleinen Stern wahrnehmen. Hat mich aber nicht wirklich vom Hocker gerissen.

Alpha Forncis (Ds)

Schwierig zu erkennen da sehr tiefstehend. Der Begleiter wurde dann im kurzzeitig aufgetauten 10mm Okular sichtbar. Gekennzeichnet ist das System durch einen großen Helligkeitsunterschied. - Distanz 4,9".

*So langsam wurde mir wirklich kalt! Martin fuhr schon Heim, aber ich wollte noch etwas den wunderbaren Himmel geniessen. Kein Wölkchen war mehr am rabenschwarzen Himmel zu finden. Einzig die glizernden Sterne und das wirklich grelle Band der Milchstraße unterbrachen die Dunkelheit.

NGC1360 wollte einfach nicht sichtbar werden. Er steht einfach etwas zu tief....

Fazit: Schweren Herzens brach ich dann auf. Die Eisschicht auf dem Teleskop war nur für Ästheten schon anzusehen - die arme Optik. Wir hatten noch viele weitere Objekte beobachtet - so z.B. die Fuhrmann-Sternhaufen M36, M37 und M38 (Feldstecher und Teleskop) als auch die Schwertregion des Orion. Habe ev. sogar NGC2024 wahrgenommen, bin mir aber nicht sicher. Die Leoniden waren uns auch ein Versuch Wert. Mittels Langzeitbelichtung wurden Aufnahmen gemacht - bin gespannt auf die Ergebnisse. Ein Feuerball mit ca. -5mag rauschte dann auch an uns vorbei. Ja - so viele Eindrücke... und nun lockt schon wieder ein sehr klarer Himmel. Deshalb hier jetzt das Fazit. Eine wundervolle Nacht voller beeindruckender Erlebnisse. Es geht nichts über so eine durchgefrorene Winternacht. 

Clear Skies an alle Sternfreunde.


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