After-ITV Observation vom 11.5.2002

Instrumentarium: 2 1/2" f/13,3 Zeiss Refraktor, 10" GSO Dobson

Beobachtungsplatz: Bannewitz etwas südlich von Dresden

Beobachter: Matthias Juchert, Martin Schoenball

Bedingungen: 

Viele Wolken zogen über den Himmel. Trotzdem war bis zum Beobachtungsende immer eine Lücke am Himmel zu finden. Dresden schlug am Nord und Osthorizont kräftig mit der Aufhellung zu. Die Wolken waren gut beleuchtet. Aber zumindest im Süden und Westen war es recht dunkel. Grenzgröße habe ich auf etwa 5m3 geschätzt.


...die aus dem Schlamm kamen. (oder auch "Ein kleiner ITV-Rückblick")

Die 400km Fahrt zurück von Hessen steckten uns noch in den Knochen, und ich war zufrieden, das ich noch nicht nach Brandenburg aufbrechen musste. Ja - das ITV hat mich immer noch beschäftigt in Gedanken. Viele nette Leute kennen gelernt (Ronald Stoyan, Lothar Singer, Christian Schreiner, Rohrspecht, Martin Schoenball auch :) und viele weitere) und tolle Geräte bewundert. Das war schon ziemlich eindrucksvoll. Auf der anderen Seite waren unsere Schuhe immer noch reichlich mit Vogelsberger Wasser gefüllt, und die langsam trocknende Schlammkruste bildete interessante Muster an deren Außenseiten. :-) Ich bin froh, das wir  das Auto noch halbwegs heil vom Platz bekamen, und nicht vom MASH-Zelt anmoderiert werden mussten. ;-) Naja - wir waren jedenfalls fertig, aber die Beobachtung wollten wir uns, nachdem wir schon wieder kleine Ewigkeiten über Martins "Interstellarum"-Sammlung und der hervorragenden "Night Sky Observers Guide" verbracht haben, doch noch gönnen.

Beobachtung:

Zeit: 23.00 Uhr - 1.30 Uhr (?)


Mit der "Night Sky Observers Guide" und der "Uranometria" rückten wir heute einem interessanten Katalog auf die Pelle. Dolidze Dzimselejsvili [kurz DoDz] war eine anfangs recht obskure Ansammelung von Sternhaufen, aber die 5 beobachteten Haufen bereiten wirklich Freude. So wurde es dann ein munteres vergleichen zwischen Zeiss und Dob.

DoDz 6 (Oc) (Her) - Im Zeiss bei 21x noch ein länglicher recht deutlicher Sternknoten in der Nähe von M13. Bei 84x dann ein Paar von 9m-Sternen sowie ein 10mag und ein 11mag Stern in länglich verzerrter V-Form. Im 10" Dob habe ich dann noch einen weiteren schwachen Stern erkannt. Die Größe des Haufen beträgt vielleicht 3x1,5' und nicht 17' im Durchmesser wie angegeben.

DoDz 5 (Oc) (Her) - Im Zeiss kann man den Haufen bei 34x ideal beobachten. 9 recht helle etwas verstreute Sterne im Bereich um 10. Größeklasse sind zu erkennen. Das Muster hebt sich noch recht gut vom Umfeld ab. Im 10" Dob wird erkennbar, das ein 11m-Stern einen 12m-Begleiter in ca. 30" hat. Insgesamt sind wir auf 10 erkennbare Haufenmitglieder gekommen.

M 13 (NGC 6205) (Lyr) - Ein kleines Testobjekt. Im 2 1/2" Zeiss noch nicht aufgelöst, zeigte sich nur ein heller deutlicher, zentral kondensierter Nebel. Der Anblick im Dob überraschte mich dann sehr. Im 8" konnte ich mich manchmal schon kaum lösen, aber hier kam jetzt auch deutlich die Spinnenartige Struktur des Objektes heraus. Sehr schön dieser Klassiker.

*Da Herkules dann hinter Wolken verschwand, inspizierten wir noch etwas die Coma-Region. Am Sternhaufen Melotte 111 merkte ich am ehesten den Unterschied zu den Himmelsbedingungen bei mit zu Haus. Es waren deutlich weniger Sterne freisichtig zu zählen.*

M 53 (NGC 5024) (Com) - Sofort im Dobson bewundert. gleich auf den ersten Blick ist im Norden ein auffällig heller Stern aufgelöst. nach einiger Zeit konnte ich dann noch etwa 4 weitere Sternchen deutlich direkt halten.

NGC 5053 (Com) - Von M53 angefahren. Wir mussten einige Male mit der Uranometria vergleichen, und die Haufenposition auszumachen.. Dicht bei einem hellen Stern haben wir uns bei 74x die Augen verrenkt. Ich habe wirklich alles versucht, aber mehr, als ein kleiner griesiger Eindruck einiger sehr schwacher Sterne bot sich uns nicht - zu wenig, um dieses Objekt als gesehen zu klassifizieren.

DoDz 7 (Oc) (Her) - Dieser Haufen war schwach im Zeiss-Refraktor zu erkennen, und zeigte einige schwache Sterne. Im Dob bot sich auch hier der bessere Eindruck. Das Hauptgerüst bildet ein Dreieck aus helleren Sternen 10. Größe. Von einem, dieser hellen geht ein Rechteck 3 mittelheller Sterne (11. Größe) ab. Dieses wird noch umgeben von schwächeren. verstreuten Sternen. Insgesamt habe ich im Haufenbereich 11 Sterne gezählt.

DoDz 8 (Oc) (Her) - Einfach von Delta Herculi aufzusuchen, fand ich ein helles Sternmuster - einfach erkennbar im Zeiss. Dies ist wohl ein leichtes Feldstecher-Objekt. Im Zeiss gruppieren sich 6 Sterne der 8. und 9. Größe in auffälligem Pfeilmuster. Eine Kondensation ist nicht erkennbar. Im 10" Dob sind dann insgesamt 8 Sterne zu erkennen.

DoDz 9 (Oc) (Her) - Wie Martin bemerkte, ist DoDz 9, der einzige der 5 Haufen, die tatsächlich einen gewissen Sternhaufenanblick hervorzaubern im großen 10". Im Zeiss sieht man eine diffuse Masse von etwa 15 verstreuten Sternen auf Vollmonddurchmesser. Der Hintergrund scheint deutlich von schwächeren Sternen gekennzeichnet. Im Dobson habe ich dann auf selber Fläche etwa 35 Sterne gezählt. Die Anordnung entsprach in etwa einem Ring mit sternarmer Zone in der Mitte. Der NSOG berichtet gar von 50 Haufenmitgliedern - allerdings erfolgte diese Beobachtung mit 16".

Dann hatten wir noch den Cirrusnebel per OIII-Filter aus der Dresdener Lichtverschmutzung gesammelt, und er war wirklich gut als längerlicher Strich erkennbar. Dann noch einige Versuche mit Martins selbstgebauten "Spektralanalyse-Gerät" ;-). Wir bestaunten die dunkelen Linien in den Spektren von Vega und Arktur, aber dann war es vorbei mit dem beobachten und die Wolkendecke zog sich über uns zu.

Clear Skies
Matthias


Visual Deep Sky Observing and CCD-Imaging: www.Serifone.de

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