Beobachtungsabend am 11.10.2002

Beobachtungsabend am Riesenfernrohr der Archenhold-Sternwarte Berlin

 

Am Abend begaben sich ein Studienkollege von mir und ich auf die kleine Weltreise zur Archenhold-Sternwarte Berlin. Voller Vorfreude auf das, was uns erwartete... Das Wetter bereitete noch etwas Kopfschmerzen. Weiß leuchtende Federwolken, zeichneten sich in ihrer unnachahmlichen Art im Tiefblauen Dämmerungshimmel ab - erstmals seit Tagen. Die letzten Tage boten wirklich exzellentes Wetter, mit klirrend kalten, aber klaren Nächten. Erfreulicherweise hielt das Wetter auch an diesem Abend, und so trafen wir kurz vor 20 Uhr vor dem Gebäude der Sternwarte ein.

Nach einem netten Beobachterplausch mit einem Berliner Sternfreund, sahen wir uns noch in Ruhe die Vitrinen der Ausstellung in der Vorhalle des Hauptgebäudes an. Dort waren einige alte Instrumente wie etwa ein Spektroskop ausgestellt. Aber auch eine riesige aufgestellte Wand mit einem Milchstraßenpanorama, daß soweit ich weiß von Dr. Axel Mellinger geschaffen wurde.

Als Einführung stand ein interessanter Vortrag im kleinen Hörsaal der Sternwarte auf dem Programm. Hier wurde unter anderem die Entstehungsgeschichte des Ringnebels in der Leier beleuchtet - da gab es auch für mich einige Neuigkeiten zu erfahren. M57 war das zentrale Thema des Abends. Einmal im Monat zwischen Oktober und März, bietet die Archenhold Sternwarte die Möglichkeit, am dortigen Riesenrefraktor zu beobachten. Es ist der längste Refraktor der Erde! Normalerweise werden von dort, mitten im Berliner Stadtgebiet meist die Planeten, der Mond oder Doppelsterne beobachtet. Das heutige Ereignis war für mich als Deep-Sky-Beobachter natürlich eine ganz große Gelegenheit. Nachdem wir etwas über die wechselvolle Geschichte der Sternwarte erfahren hatten, ging es auch schon in den Innenhof des Hauptgebäudes.

Da standen nun die vielen Besucher dieses Ereignisses - aufgereiht, denn auf dem schmalen Gang zum Teleskop, und auf der Beobachtungsplattform selbst, fanden nur wenige Menschen Platz. Man befand sich im übrigen etliche Meter über dem Erdboden - solch ein großes Teleskop wird mit seiner riesigen Montierung nicht einfach ebenerdig gelagert.

Dann kam der große Moment des Blickes durchs Okular. Zuerst beschrieb mein Kollege was er sah, während ich verzweifelt versuchte, meine doch übersteigerten Erwartungen etwas zu dämpfen. Doch ich wurde nicht enttäuscht. Bei 210x Vergrößerung zeigte der 21m Lange Refraktor mit seiner Öffnung von 68cm den Ringnebel in der Leier deutlich. Ich nahm eine leichte Blaufärbung des Objektes wahr. Sicher - der 15mag-Zentralstern war wegen des Berliner Stadthimmels nicht zu erkennen. Aber der 12mag-Stern neben dem Ringnebel war hell und auffällig. Der Nebel selbst zeigte sich in seiner typisch ovalen Form - natürlich deutlich klarer als ich das mit dem 8" gewohnt bin. Die Nord- bzw. Südseite war jeweils deutlich heller als die Kanten. Erkennbare Strukturen deuteten sich an. Ich versuchte mir so viele Details wie möglich zu merken, und machte eine schnelle Skizze die ich später noch einmal richtig zu Papier brachte. Noch ein langer Blick ... nein noch ein kurzer - die anderen wollen ja auch schauen.

M 57 - gezeichnet nach Beobachtungen am 680/21000-Refraktor (!) der Archenhold-Sternwarte Berlin

Noch ein paar Worte zum Berliner Stadthimmel, der hier im Treptower Park doch recht gut war. Die Grenzgröße lag bei 4m9 in Ursa Minor. Auch Epsilon Lyra war als Doppelstern mit freiem Auge erkennbar. Die atmosphärischen Bedingungen waren tatsächlich recht gut.

Nach der Beobachtung unterhielten wir uns noch eine Weile mit den Mitarbeitern der Sternwarte, die interessante Geschichten zur Pflege und der jüngeren Vergangenheit des Fernrohres zum besten gaben. Besonders spannend war es, zu sehen wie das Teleskop wieder herunter in Ruhelage auf eine Dachhälfte des Hauptgebäudes gefahren wurde. Der Ausflug hatte sich jedenfalls wirklich gelohnt, und wer Interesse an solchen Beobachtungen hat sollte es uns sicherlich einmal gleich tun.

www.astw.de - die Homepage der Archenholdsternwarte für weitere Informationen


Visual Deep Sky Observing and CCD-Imaging: www.Serifone.de

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